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Zentralbank-Goldreserven 2026: Warum Notenbanken weiter kaufen und Gold die US-Staatsanleihen überholt

Am 16. Juni 2026 hat der World Gold Council seinen Central Bank Gold Reserves Survey 2026 veröffentlicht. Das Ergebnis ist eine deutliche Botschaft aus den Schaltzentralen der Geldpolitik: Ein Rekordanteil von 45 Prozent der befragten Notenbanken plant, die eigenen Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten weiter aufzustocken. Fast zeitgleich hat die Europäische Zentralbank dokumentiert, dass Gold Ende 2025 erstmals seit den 1990er-Jahren einen größeren Anteil an den Weltreserven hatte als US-Staatsanleihen. Was bedeutet diese strukturelle Verschiebung -- und was lässt sich daraus für private Anleger ableiten, ohne in Kursprognosen zu verfallen?

Gestapelte Goldbarren in einem Tresor, im Hintergrund die angedeutete Halle einer Zentralbank
Notenbanken bauen ihre Goldbestände seit Jahren aus -- der Survey 2026 bestätigt den Trend.

Der Survey 2026 im Überblick: Rekordwerte trotz Preiskorrektur

Der Central Bank Gold Reserves Survey ist die jährliche Befragung des World Gold Council unter den Reservemanagern der Notenbanken. Für die Ausgabe 2026 wurden zwischen dem 5. Februar und dem 19. Mai insgesamt 76 Notenbanken befragt -- die höchste Teilnehmerzahl seit Beginn der Erhebung. Die wichtigste Kennzahl: 45 Prozent der Befragten erwarten, dass ihre eigenen Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten steigen. Das ist der höchste Wert seit dem Start der Umfrage und liegt über den 43 Prozent des Vorjahres.

Noch eindeutiger fällt der Blick auf den gesamten Sektor aus: 89 Prozent der Reservemanager gehen davon aus, dass die globalen Zentralbank-Goldreserven im kommenden Jahr zunehmen. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Befragung -- ein Großteil der Antworten ging ein, nachdem die Spannungen im Nahen Osten eskaliert waren. Die Notenbanken äußerten ihre Kaufabsicht also in einem Umfeld erhöhter geopolitischer Unsicherheit.

Der Kontext der vergangenen Jahre erklärt die Dimension: In den letzten vier Jahren haben Notenbanken im Schnitt rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr erworben -- gegenüber etwa 500 Tonnen im Jahrzehnt davor. Diese Verdopplung des Kauftempos fällt in eine Phase wirtschaftlicher und geopolitischer Verunsicherung.

Die Kernzahlen des Survey 2026

  • 45 % der Notenbanken wollen die eigenen Goldreserven erhöhen (Rekord, Vorjahr: 43 %)
  • 89 % erwarten steigende globale Zentralbank-Goldreserven
  • 76 teilnehmende Notenbanken -- höchste Beteiligung seit Beginn der Erhebung
  • 74 % rechnen mit einem sinkenden US-Dollar-Anteil an den Weltreserven binnen fünf Jahren
  • ~1.000 t durchschnittliche Jahreskäufe der letzten vier Jahre
Grafik mit den Ergebnissen des Central Bank Gold Reserves Survey 2026 des World Gold Council
Die zentralen Ergebnisse des Central Bank Gold Reserves Survey 2026 des World Gold Council im Überblick.

Gold überholt US-Staatsanleihen -- eine historische Zäsur mit Sternchen

Parallel zum Survey sorgte eine zweite Meldung für Aufsehen. In ihrem am 2. Juni 2026 veröffentlichten Bericht zur internationalen Rolle des Euro hielt die Europäische Zentralbank fest, dass Gold Ende 2025 einen Anteil von 27 Prozent an den globalen offiziellen Reserven ausmachte. Ein Jahr zuvor waren es noch 20 Prozent. Der Anteil der US-Staatsanleihen sank im selben Zeitraum auf 22 Prozent, der Euro lag bei 15 Prozent. Damit hat Gold nach Marktwert erstmals seit 1996 die US-Staatsanleihen als Reservebaustein überholt.

Grafik zur Verschiebung der Reserveanteile: Gold übersteigt Ende 2025 den Anteil der US-Staatsanleihen an den globalen offiziellen Reserven
Gold hat die US-Staatsanleihen nach Marktwert überholt -- ein erheblicher Teil des Anstiegs geht jedoch auf Bewertungseffekte zurück.

So weit die Schlagzeile. Wer die Zahlen seriös einordnen will, muss jedoch den Hinweis der EZB selbst beachten: Der Anstieg des Goldanteils spiegelt zu einem erheblichen Teil Bewertungseffekte wider. Gold legte 2025 nominal rund 60 Prozent zu, nachdem es 2024 bereits etwa 27 Prozent gewonnen hatte. Allein dieser Preisanstieg hebt den rechnerischen Anteil von Gold an den Reserven -- ohne dass eine einzige zusätzliche Unze gekauft wurde.

Die EZB liefert die Gegenprobe gleich mit: Bewertet man die Goldbestände zu den Preisen von Ende 2023, fällt der Goldanteil von 27 auf rund 16 Prozent -- und US-Staatsanleihen lägen dann mit etwa 26 Prozent wieder klar vorn. Ein beträchtlicher Teil der vielzitierten „Überholung" ist also rechnerischer Natur. Die EZB selbst betont, dass der Anstieg vor allem auf den Preiseffekt zurückgeht: Der kräftige Goldpreisanstieg habe den rechnerischen Anteil von Gold „mechanisch" erhöht, ergänzt um anhaltende Käufe aus den Schwellenländern.

„Geopolitische Spannungen befeuern die starke Nachfrage der Notenbanken nach Gold weiter."
EZB-Präsidentin Christine Lagarde, sinngemäß zitiert aus dem Bericht zur internationalen Rolle des Euro

Unstrittig ist die langfristige Linie: Die Notenbanken der Welt halten inzwischen mehr als 36.000 Tonnen Gold und nähern sich damit dem Bretton-Woods-Niveau von rund 38.000 Tonnen aus den frühen 1970er-Jahren an. Der US-Dollar bleibt mit allen Dollar-Anlagen zusammen bei rund 42 Prozent zwar die dominante Reservewährung -- doch die Richtung der Bewegung ist eindeutig.

Warum Notenbanken Gold kaufen: die Motive hinter dem Trend

Der Survey fragt nicht nur nach Mengen, sondern auch nach Beweggründen. Hier zeigt sich, dass Gold von den Reservemanagern zunehmend als aktiver, strategischer Bestandteil und nicht mehr als historisches Erbstück betrachtet wird. Die wichtigsten genannten Faktoren:

  • Krisenperformance: Ein Rekordwert von 90 Prozent der Befragten nennt das Verhalten von Gold in Krisenzeiten als zentralen Grund für das Halten des Metalls.
  • Langfristiger Werterhalt: 84 Prozent sehen Gold als langfristigen Wertspeicher.
  • Portfolio-Diversifikation: 82 Prozent führen die Streuung der Reserven als Motiv an.
  • Geopolitische Absicherung: Besonders Notenbanken aus Schwellen- und Entwicklungsländern (85 Prozent) werten Gold als Schutz gegen geopolitische Risiken.

Auffällig ist die Verschiebung bei einem anderen Motiv: Der Anteil derjenigen, die Gold vor allem aus historischem Erbe halten, sank deutlich -- von 62 Prozent im Vorjahr auf 46 Prozent. Mit anderen Worten: Immer weniger Notenbanken halten Gold nur, „weil es schon immer da war". Immer mehr halten es, weil sie es als bewusste Allokationsentscheidung treffen.

Hinter dem Trend steht ein politisch heikles Stichwort: Entdollarisierung. 74 Prozent der Befragten erwarten, dass der Anteil des US-Dollars an den globalen Reserven in den kommenden fünf Jahren moderat oder deutlich sinkt. Für den Euro und den chinesischen Renminbi rechnen sie überwiegend mit unveränderten Anteilen -- während Gold zulegen soll. Der Reservediversifikation kommt damit eine Schlüsselrolle zu: Von den 34 Notenbanken, die ihre Goldbestände aufstocken wollten, nannten 31 die Diversifikation als wesentliches Motiv.

Wer kauft -- und wo das Gold lagert

Die Goldnachfrage des öffentlichen Sektors verteilt sich nicht gleichmäßig. Schwellenländer treiben den Trend seit Jahren maßgeblich. Laut EZB-Daten haben seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine vor allem China, Polen, die Türkei und Indien große Mengen erworben. Polen war 2025 der größte Käufer im öffentlichen Sektor.

Gleichzeitig zeigt der Survey, dass die Notenbanken nicht nur ob, sondern auch wo sie lagern neu überdenken. Die Bank of England bleibt mit 57 Prozent der beliebteste Lagerort, doch die heimische Lagerung holt auf (49 Prozent). Neun Prozent der Befragten haben ihre Inlandslagerung im vergangenen Jahr ausgebaut, zehn Prozent ihre Lagerorte im Ausland gestreut -- jeweils deutlich mehr als im Vorjahr. Auch das ist ein Signal: Souveränität über die eigenen Reserven gewinnt an Gewicht.

Wichtig für die Einordnung: Die reinen Kaufmengen haben sich 2025 abgekühlt. Notenbanken erwarben rund 850 bis 863 Tonnen Gold -- ein historisch hoher Wert, der jedoch unter den über 1.000 Tonnen der drei Vorjahre liegt. Im ersten Quartal 2026 kamen netto rund 244 Tonnen hinzu, das stärkste Quartal seit über einem Jahr. Die Mengen schwanken also; die Kaufbereitschaft bleibt laut Survey strukturell hoch.

Was das für private Anleger bedeutet

Die entscheidende Frage für Privatanleger lautet nicht, ob der Goldpreis morgen steigt -- diese Prognose lässt sich seriös niemand abnehmen. Interessanter ist, was die Notenbank-Nachfrage über die Struktur des Goldmarktes aussagt. Hier lassen sich einige nüchterne Beobachtungen festhalten:

Eine Goldmünze und ein kleiner Goldbarren auf dunklem Schiefer, warm beleuchtet
Für Privatanleger zählt weniger die Tagesprognose als die strukturelle Nachfragebasis im Goldmarkt.
  1. Eine zusätzliche, preisunabhängige Nachfragequelle. Notenbanken kaufen aus strategischen, nicht aus spekulativen Gründen. Sie denken, wie ein Marktbeobachter es formulierte, in Jahren, nicht in Wochen. Diese Käufer verschwinden bei einem Kursrücksetzer nicht automatisch.
  2. Gold als Diversifikationsbaustein -- nicht als Allheilmittel. Genau das Motiv, das die Notenbanken anführen, gilt auch im privaten Portfolio: Gold korreliert oft anders als Aktien oder Anleihen und kann die Streuung verbessern. Es liefert keine laufenden Erträge -- ein Punkt, den auch institutionelle Investoren als Abwägung benennen.
  3. Volatilität bleibt real. Der Goldpreis hat sich in zwei Jahren beinahe verdoppelt, korrigierte zuletzt aber spürbar von seinem Rekordhoch. Wer einsteigt, sollte sich der Schwankungen bewusst sein und einen langen Anlagehorizont mitbringen.

Für die praktische Umsetzung im physischen Bereich greifen Privatanleger meist zu international anerkannten Anlagegoldmünzen oder zu Goldbarren in gängigen Gewichtseinheiten. Klassiker wie der 1 Unze Gold Maple Leaf 2026 bieten hohe Liquidität und einen weltweit etablierten Wiederverkaufsmarkt. Wer größere Beträge in einem einzigen Stück bündeln möchte, findet das in 100-Gramm-Goldbarren etablierter Hersteller. Welche Stückelung sinnvoll ist, hängt vom individuellen Anlageziel und Budget ab.

Einordnung: Hype, Substanz -- oder beides?

Die Datenlage erlaubt ein differenziertes Bild. Auf der einen Seite ist die „Überholung" der US-Staatsanleihen durch Gold stark von Bewertungseffekten getrieben und sollte nicht als plötzlicher Verkauf von Treasuries missverstanden werden. Die EZB selbst bremst voreilige Schlüsse, und der Nominalwert der Dollar-Bestände blieb über die Jahre weitgehend stabil.

Auf der anderen Seite bleibt die strukturelle Kaufbereitschaft real und langfristig angelegt. Analysten erwarten, dass die Goldkäufe aus den Schwellenländern noch drei bis fünf Jahre anhalten könnten -- deren Goldanteil an den Reserven liegt vielfach noch unter dem Durchschnitt. Hinzu kommt ein methodischer Hinweis: Die EZB-Daten erfassen nur gemeldete Goldreserven. Der Anteil nicht gemeldeter Käufe hat seit 2022 deutlich zugenommen. Wer ausschließlich offizielle Statistiken liest, könnte die tatsächliche Nachfrage also unterschätzen.

Für Privatanleger ist die Botschaft weder „jetzt schnell kaufen" noch „alles nur Statistik". Sie liegt dazwischen: Eine breite Gruppe der konservativsten Käufer der Welt -- die Notenbanken -- baut Gold systematisch als strategische Reserve aus. Das ist kein Renditeversprechen, aber ein Argument für die langfristige Rolle von Gold als Wertspeicher. Wer mehr zur Historie dieser Entwicklung lesen möchte, findet weitere Einordnungen in unseren Beiträgen zu den Goldkäufen der Zentralbanken und zu verdeckten Goldkäufen der Notenbanken.

Häufige Fragen zu den Zentralbank-Goldkäufen 2026

Wie viele Notenbanken wollen 2026 ihre Goldreserven erhöhen?

Laut dem Central Bank Gold Reserves Survey 2026 des World Gold Council planen 45 Prozent der befragten Notenbanken, ihre eigenen Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten aufzustocken. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung und liegt über den 43 Prozent des Vorjahres. 89 Prozent erwarten zudem, dass die globalen Zentralbank-Goldreserven insgesamt steigen.

Hat Gold die US-Staatsanleihen wirklich als Reservebaustein überholt?

Nach Marktwert ja: Laut EZB-Bericht machte Gold Ende 2025 rund 27 Prozent der globalen offiziellen Reserven aus, US-Staatsanleihen 22 Prozent. Es ist das erste Mal seit 1996, dass Gold die Treasuries übertrifft. Allerdings ist ein erheblicher Teil dieses Anstiegs auf Bewertungseffekte durch den Goldpreis zurückzuführen -- zu den Preisen von Ende 2023 gerechnet lägen die Staatsanleihen wieder vorn.

Warum kaufen Zentralbanken überhaupt Gold?

Die Hauptmotive laut Survey sind die Performance von Gold in Krisenzeiten (90 Prozent), der langfristige Werterhalt (84 Prozent) und die Portfolio-Diversifikation (82 Prozent). Hinzu kommt die Absicherung gegen geopolitische Risiken, die vor allem für Schwellenländer ein wichtiger Faktor ist. Gold gilt zunehmend als aktive strategische Allokation statt als historisches Erbstück.

Was bedeutet Entdollarisierung in diesem Zusammenhang?

Entdollarisierung beschreibt die Tendenz von Notenbanken, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar in den Reserven zu verringern. 74 Prozent der befragten Reservemanager erwarten, dass der Dollar-Anteil binnen fünf Jahren sinkt. Der Dollar bleibt mit rund 42 Prozent aller Reserven dominant, doch die Richtung zeigt zugunsten von Gold und einer breiteren Streuung.

Heißt steigende Notenbank-Nachfrage automatisch steigende Goldpreise?

Nein. Die Notenbank-Nachfrage ist eine wichtige strukturelle Stütze des Goldmarktes, aber kein Garant für steigende Kurse. Der Goldpreis wird zusätzlich von Zinsen, Inflation, der Investmentnachfrage und kurzfristigen Marktbewegungen beeinflusst. 2025 etwa kühlten die reinen Kaufmengen der Notenbanken auf rund 850 Tonnen ab, während der Preis stark schwankte. Renditeprognosen sind seriös nicht möglich.

In welcher Form kaufen Privatanleger physisches Gold?

Üblich sind international anerkannte Anlagegoldmünzen wie der Maple Leaf oder Goldbarren in gängigen Gewichtseinheiten von einem Gramm bis zu mehreren hundert Gramm. Münzen bieten hohe Liquidität und einen breiten Wiederverkaufsmarkt, größere Barren ein günstigeres Aufgeld pro Gramm. Welche Variante passt, hängt von Anlageziel, Budget und gewünschter Flexibilität ab.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Edelmetallpreise unterliegen Schwankungen; vergangene Entwicklungen sind kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Quellen: World Gold Council (Central Bank Gold Reserves Survey 2026), Europäische Zentralbank (Bericht zur internationalen Rolle des Euro, Juni 2026).

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