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Kettner Edelmetalle
31.07.2026
04:36 Uhr

220 Milliarden Dollar für Rechenzentren: Amazon verbrennt Kapital – und die Börse jubelt

Es gibt Zahlen, die sind so groß, dass sie jedes Gefühl für Verhältnismäßigkeit sprengen. 220 Milliarden Dollar zum Beispiel. So viel will der Handels- und Technologiekonzern Amazon in diesem Jahr allein in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur pumpen. Ursprünglich waren 200 Milliarden geplant – doch die Preise für Speicherchips sind derart explodiert, dass Konzernchef Andy Jassy die Prognose kurzerhand um weitere 20 Milliarden Dollar nach oben korrigierte. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa dem gesamten Jahresetat des deutschen Bundesverteidigungsministeriums vor der Zeitenwende. Ein Konzern. Ein Jahr. Ein Investitionsprogramm.

Und selbst das reicht angeblich nicht

Das eigentlich Bemerkenswerte an Jassys Auftritt vor den Analysten war jedoch nicht die Summe, sondern der Nachsatz: Selbst mit diesen astronomischen Ausgaben werde man die Nachfrage der Kunden nach Rechenleistung nicht befriedigen können. Auch 2027 nicht. Und für 2028 zeichne sich, so der Amazon-Chef, bereits eine „bemerkenswerte" Nachfrage ab. Man glaube inzwischen sogar, dass die Cloud-Sparte AWS irgendwann die Marke von einer Billion Dollar Jahresumsatz überschreiten könne.

Man muss kein notorischer Pessimist sein, um bei solchen Sätzen ein leises Kribbeln im Nacken zu spüren. Wer sich an das Jahr 2000 erinnert, kennt die Melodie: Grenzenloses Wachstum, unerschöpfliche Nachfrage, neue Bewertungsmaßstäbe. Damals hieß das Zauberwort „New Economy", heute heißt es „Künstliche Intelligenz". Der Chor der Optimisten singt identisch – nur die Nullen hinter den Zahlen sind größer geworden.

Die Zahlen im Detail – und der Buchhaltungstrick dahinter

Zunächst zum Faktischen: Der AWS-Umsatz kletterte im vergangenen Quartal um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar und übertraf damit die Analystenschätzungen von rund 40,5 Milliarden. Der Konzernumsatz insgesamt legte um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar zu. Und der Gewinn? Der sprang von 18,1 Milliarden auf sagenhafte 62,65 Milliarden Dollar.

Doch hier lohnt der genaue Blick. Denn in diesem Gewinnsprung stecken Buchgewinne von 53,4 Milliarden Dollar vor Steuern – im Wesentlichen aus der Neubewertung der Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic. Übersetzt heißt das: Der Löwenanteil des vermeintlichen Gewinnwunders ist kein Geld, das jemand überwiesen hätte. Es ist eine Bewertung. Eine Zahl, die entsteht, weil ein anderes KI-Unternehmen in einer Finanzierungsrunde von Investoren höher taxiert wurde. Papierreichtum, der sich in Luft auflösen kann, sobald die Stimmung dreht.

Wenn ein Konzern seinen Gewinn vervierfacht, indem er die eigene Beteiligung an einem anderen Unternehmen der gleichen Branche höher bewertet, dann ist das kein Geschäftsmodell – dann ist das ein Spiegelkabinett.

Die Börse feiert, Meta wird abgestraft

Die Anleger jedenfalls waren begeistert: Nachbörslich schoss die Amazon-Aktie zeitweise um zehn Prozent nach oben. Beim Facebook-Konzern Meta hingegen wurden die KI-Visionen von Mark Zuckerberg mit einem Minus von acht Prozent quittiert. Zwei Konzerne, dieselbe Story, zwei völlig gegensätzliche Reaktionen. Wer hier noch von rationaler Preisbildung spricht, hat entweder viel Fantasie oder wenig Erfahrung.

Interessant ist auch Jassys Argumentation zur Abschreibungsdauer: Die Rechenzentren, die man derzeit von Grund auf neu errichte, würden über 30 Jahre halten, während die Computertechnik darin nur alle fünf bis sechs Jahre erneuert werden müsse. Eine beruhigende Erzählung – solange niemand fragt, was mit Serverhallen passiert, wenn die Nachfrage nach KI-Rechenleistung eines Tages doch nicht so grenzenlos ist wie prognostiziert. Beton lässt sich schwer umwidmen.

Was das für den deutschen Sparer bedeutet

Während amerikanische Konzerne Hunderte Milliarden in Chips und Serverfarmen schaufeln, diskutiert man in Berlin über Heizungsgesetze, Gendersternchen und die Frage, wie man ein 500-Milliarden-Sondervermögen möglichst kreativ verschulden kann. Deutschland spielt in dieser Liga längst nicht mehr mit – wir liefern die Fachkräfte, die abwandern, und die Strompreise, die jedes Rechenzentrum-Projekt im Keim ersticken. Ein Trauerspiel, für das eine Politik verantwortlich zeichnet, die Industrie seit Jahren eher als Problem denn als Fundament unseres Wohlstands begreift.

Für den privaten Anleger stellt sich derweil eine unbequeme Frage: Wie viel von der eigenen Altersvorsorge hängt inzwischen an einer Handvoll amerikanischer Technologiewerte, deren Bewertungen sich gegenseitig hochschaukeln? Wer heute in einen breiten Weltindex investiert, hält faktisch ein konzentriertes Wettgeschäft auf den KI-Boom – ob er will oder nicht.

Physische Edelmetalle kennen keine Neubewertung von Beteiligungen, keine Abschreibungsfristen und keine Analystenkonferenz. Ein Goldbarren im Tresor ist genau das, was er ist – und war es auch schon, als die Menschheit weder Rechenzentren noch Speicherchips kannte. Gerade in Zeiten, in denen Gewinne zunehmend aus Bewertungsfantasien statt aus echten Zahlungsströmen entstehen, gehört ein solider Anteil an physischem Gold und Silber in jedes breit gestreute Vermögen. Nicht als Spekulation, sondern als Gegengewicht.

Haftungsausschluss

Dieser Beitrag gibt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion wieder und stellt keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Finanzinstrumenten dar. Sämtliche Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Informationen, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit keine Gewähr übernommen wird. Jede Anlageentscheidung erfordert eine eigenverantwortliche Prüfung sowie gegebenenfalls die Hinzuziehung eines qualifizierten und unabhängigen Beraters. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Eine Haftung für Vermögensschäden, die aus der Nutzung der hier dargestellten Informationen entstehen, ist ausgeschlossen.

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