
42 Prozent der Menschheit klagen an – und der Westen schaut weg
In Bischkek haben die Staats- und Regierungschefs der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) Anfang September eine gemeinsame Erklärung verabschiedet – und darin die Militärschläge gegen den Iran verurteilt. Unterzeichnet unter anderem von Xi Jinping, Wladimir Putin, Narendra Modi und Pakistans Premier Shehbaz Sharif. In deutschen Nachrichtensendungen? Eine Randnotiz.
Zehn Staaten, 3,4 Milliarden Menschen
Die zehn Vollmitglieder – China, Russland, Indien, Pakistan, Iran, Belarus, Usbekistan, Kasachstan, Tadschikistan und Kirgistan – stehen zusammen für rund 3,4 Milliarden Menschen. Bei gut 8,2 Milliarden Erdbewohnern sind das etwa 41 bis 42 Prozent.
Zum Vergleich: Die 32 NATO-Staaten kommen zusammen auf deutlich unter eine Milliarde Einwohner, also grob ein Achtel der Weltbevölkerung. Die SCO repräsentiert demografisch mehr als das Dreifache des westlichen Bündnisses. Eine schlichte Rechenaufgabe – die in der hiesigen Berichterstattung praktisch nie auftaucht.
Medienberichten zufolge endete der Gipfel mit rund 30 verabschiedeten Dokumenten. Chinas Staatschef erklärte dort, die Multipolarität sei unumkehrbar. UN-Generalsekretär António Guterres, ebenfalls angereist, forderte ein Ende dessen, was er als kollektiven Wahnsinn der laufenden Konflikte bezeichnete.
Minab: 165 tote Schulkinder – und dann?
Hintergrund ist der am 28. Februar 2026 begonnene Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Am ersten Kriegstag traf ein Angriff die Schadschare-Tayyebeh-Grundschule im südiranischen Minab.
Amnesty International dokumentierte anhand von Satellitenbildern und Videomaterial über 100 getötete Kinder; UN-Menschenrechtsexperten sprachen von mindestens 165 toten Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, iranische Angaben nannten bis zu 175 Opfer. Nach Recherchen mehrerer Medien soll ein fehlgeleiteter US-Angriff auf Basis veralteter Zieldaten verantwortlich gewesen sein. US-Präsident Donald Trump räumte im Juni ein, dass Fehler passierten.
Ebenfalls am ersten Kriegstag wurde Irans Oberster Führer Ali Chamenei getötet. Die SCO nahm Beileidsbekundungen in ihre Erklärung auf – ein diplomatisches Signal, das im Westen kaum jemand einordnete.
Indiens Kehrtwende – die Quittung für Trumps Zölle
Bemerkenswert ist die Unterschrift Neu-Delhis. Indien hatte sich außenpolitisch zuletzt spürbar an Washington und Jerusalem angenähert und Verurteilungen bislang vermieden. Beobachter führen den Kurswechsel auf den ruppigen Zollkurs der US-Regierung gegenüber Indien zurück.
Wer glaubt, Handelspolitik sei bloß Buchhaltung, sieht hier das Gegenteil: Strafzölle schaffen keine Loyalität – sie treiben Partner in andere Bündnisse. Eine Lektion, die auch für Berlin und Brüssel gilt, wo man sich gern auf westliche Selbstverständlichkeiten verlässt.
Was das für Sparer bedeutet
Für Anleger ist die Botschaft aus Bischkek unbequem, aber klar: Die Weltordnung fragmentiert. Handelsrouten, Währungsreserven und Sicherheitsgarantien werden neu sortiert – und ausgerechnet die Notenbanken jener Länder, die dort am Tisch saßen, zählen seit Jahren zu den größten Goldkäufern.
Der Goldpreis schwankt derzeit deutlich. Medienberichten zufolge hat Goldman Sachs zuletzt ein Kursziel von 4.900 US-Dollar je Feinunze ausgerufen. Physische Edelmetalle bleiben aus Sicht unserer Redaktion das, was sie in jeder geopolitischen Umbruchphase waren: eine sinnvolle Beimischung zur Vermögenssicherung – kein Renditeversprechen, aber ein Anker ohne Gegenparteirisiko.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Rechtsberatung. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst informieren.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











