
726.000 Jobs auf der Kippe: Das Verbrenner-Aus ist nur die halbe Wahrheit
Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) schlägt Alarm: Bis 2040 könnten in Europa bis zu 726.000 Arbeitsplätze rund um den Antriebsstrang verschwinden. Auftraggeber der im Juli 2026 vorgelegten Kurzstudie „ELAB2040“ waren die Arbeitgeberverbände Gesamtmetall, bayme vbm vbw und Südwestmetall. Und der Befund ist unbequemer, als es die Schlagzeile vermuten lässt.
45 Prozent weg – im schärfsten Szenario
Motor, Getriebe, Kupplung: An diesen klassischen Bauteilen hängen in Europa laut Studie rund 1,6 Millionen Jobs. Im strengsten der vier untersuchten Szenarien – 100 Prozent CO₂-Reduktion bei Neuwagen ab 2035 – fielen davon bis 2040 etwa 45 Prozent weg.
Parallel stünden rund 95 von 250 Milliarden Euro Wertschöpfung auf dem Spiel, ein Minus von 38 Prozent. Besonders bitter für Deutschland: Bei den Zulieferern rechnen die Forscher mit einem Rückgang der Wertschöpfung von bis zu 80 Prozent.
Der Hebel liegt nach Einschätzung der Autoren in Brüssel. Je technologieoffener die EU reguliert – also auch Hybride und Range Extender zulässt –, desto sanfter verlaufe der Umbruch. Aufhalten lasse sich der Rückgang damit nicht, wohl aber verlangsamen.
Der eigentliche Grund steht selten in der Schlagzeile
Doch das Verbrenner-Aus ist nur ein Teil des Problems. Laut Studie resultiere ein wesentlicher Teil des Wertschöpfungsverlusts nicht direkt aus der EU-Gesetzgebung, sondern aus der Verschiebung globaler Nachfrage- und Produktionsstrukturen. Im Klartext: Europa verliert wirtschaftlich an Gewicht – und die Produktion wandert dorthin, wo noch gewachsen wird.
Als Hoffnungsfelder nennt die Untersuchung Software Defined Vehicles, automatisiertes Fahren, digitale Plattformen und die daraus entstehende Datenökonomie. Nur: Genau dort ist die Bilanz der deutschen Hersteller bislang durchwachsen. Die VW-Softwaretochter Cariad scheiterte daran, eine konzernweite Software zu liefern; nun setzt Wolfsburg auf den US-Hersteller Rivian und investierte bis zu fünf Milliarden Euro. Auf Nachfrage, wie realistisch Erfolge in diesem Feld seien, habe das IAO Medienberichten zufolge nicht geantwortet.
„Autobauer werden nicht zu Nvidias oder Huaweis“
Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research in Bochum, bleibt skeptisch:
Die Autobauer sind keine Software-Konzerne und werden es auch nicht werden. Das Gleiche gilt für Batterien oder Halbleiter. Autobauer werden nicht zu Nvidias oder Huaweis – das funktioniert nicht.
Die neue Wertschöpfung liege bei Sensoren, Halbleitern, Software, KI und Batterien – den Domänen der Tech-Konzerne. Bei Internet-Technologien, Software und Batterien seien Deutschland und Europa in 30 Jahren „einfach abgehängt“ worden, so Dudenhöffer. Die Zukunft des intelligenten Elektroautos entstehe in China und Asien; VWs Strategie „In China für China“ hält er für richtig. Und er stellt klar: Es sei nicht Aufgabe der Autoindustrie, Deutschland zu retten – das müsse Deutschland selbst tun.
Panikmache oder Weckruf?
Kritik gibt es ebenfalls: Die IG Metall warnt Medienberichten zufolge vor Panikmache, weil die 726.000 die Maximalzahl des ungünstigsten Szenarios sei. Der Einwand ist berechtigt – ändert aber nichts an der Richtung.
Aus Sicht unserer Redaktion ist die Studie vor allem eine Rechnung, die auf dem Tisch der Politik liegt: hohe Energiekosten, Bürokratie, Planungsunsicherheit durch Brüsseler Verbotsdaten. Wer Industriearbeitsplätze halten will, muss Standortbedingungen liefern – keine Zielmarken.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Anlageentscheidungen trifft jeder Leser eigenverantwortlich; physische Edelmetalle können als Beimischung zur Vermögenssicherung dienen, eine eigene Prüfung ersetzt dieser Text nicht.
- Themen:
- #Insolvenzen
- #Energie

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











