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Kettner Edelmetalle
21.07.2026
10:34 Uhr

Alkoholverbot an 5.400 Bahnhöfen: Die Deutsche Bahn kapituliert vor der Gewalt, die die Politik erst geschaffen hat

Es ist ein Eingeständnis von historischer Tragweite, verpackt in die nüchterne Sprache eines Konzernbeschlusses: Die Deutsche Bahn will bis Mitte Oktober an sämtlichen ihrer rund 5.400 Bahnhöfe ein flächendeckendes Alkoholverbot verhängen. Kein Bier auf dem Bahnsteig, kein Branntwein am Gleis, keine Flasche mehr in der Wartehalle. Was auf den ersten Blick nach einer harmlosen Ordnungsmaßnahme klingt, ist in Wahrheit ein Offenbarungseid – und zwar nicht der Bahn, sondern eines Staates, der seine eigene öffentliche Ordnung längst nicht mehr im Griff hat.

„Genug ist genug" – wenn ein Konzern sagt, was die Politik verschweigt

Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, fand dem Vernehmen nach klare Worte. Es reiche, genug sei genug, man greife nun noch härter durch. Man wolle mehr Ordnung und Sicherheit auf den Bahnhöfen und in den Zügen, es zähle einzig der Schutz der Kollegen und der Reisenden. Bemerkenswert, dass es offenbar erst eines Bahnvorstands bedarf, um auszusprechen, was jeder Pendler, jede Mutter mit Kinderwagen und jeder Nachtreisende in diesem Land seit Jahren am eigenen Leib erfährt.

„Zu oft habe man feststellen müssen, dass dort, wo viel Alkohol fließe, auch die Gewalt zunehme."

Man reibt sich verwundert die Augen. Ist es wirklich allein der Alkohol, der die deutschen Bahnhöfe in Angsträume verwandelt hat? Oder ist das Alkoholverbot nur das bequeme Feigenblatt, hinter dem sich das eigentliche Problem verstecken lässt – nämlich das vollständige Versagen der inneren Sicherheit in diesem Land?

Ein Sicherheitsmann stürzt aus dem fahrenden Zug

Wie brutal die Realität geworden ist, zeigt der jüngste Vorfall. Am vergangenen Freitagabend, zwischen Offenburg und Karlsruhe, eskalierte einmal mehr eine simple Ticketkontrolle. Am Bahnhof Ettlingen-Bruchhausen soll ein betrunkener Fahrgast einen Mitarbeiter der DB-Sicherheit angegriffen haben. Das Erschütternde: Der Bahnmitarbeiter stürzte während der Fahrt aus dem Zug und wurde lebensgefährlich verletzt. Ein Mann, der lediglich seine Arbeit verrichtete, für unsere Sicherheit sorgen sollte – und am Ende selbst zum Opfer wurde.

Solche Meldungen häufen sich mit einer Frequenz, die längst nicht mehr als Einzelfall abgetan werden kann. Übergriffe in Zügen, Attacken an Bahnsteigen, Messerangriffe in Innenstädten – die Bundesrepublik hat sich in Teilen in ein Land verwandelt, in dem das Gewaltmonopol des Staates zur Fiktion verkommt. Am Kölner Hauptbahnhof, einem der größten Verkehrsknoten des Landes, gilt das Trinkverbot bereits. Nun folgt der Rest der Republik.

Symptombekämpfung statt Ursachenforschung

Man muss die Maßnahme der Bahn nicht per se verurteilen. Wer seine Mitarbeiter schützen will, verdient Respekt. Doch ein Alkoholverbot ist bestenfalls ein Pflaster auf einer klaffenden Wunde. Denn die eigentliche Frage lautet: Wie konnte es so weit kommen, dass ein Konzern zu solchen Notmaßnahmen greifen muss, weil der Staat seine Kernaufgabe – den Schutz der Bürger – schlicht nicht mehr erfüllt?

Die Antwort liegt in einer jahrelangen Politik, die Sicherheit als nachrangiges Thema behandelte, die Polizei kaputtsparte, den Rechtsstaat aushöhlte und eine ungesteuerte Zuwanderung zuließ, deren Folgen wir heute an jedem Bahnhof besichtigen können. Es ist – und das ist nicht allein die Meinung unserer Redaktion, sondern die einer wachsenden Mehrheit im Land – die schlichte Wahrheit, dass diese Verhältnisse das Ergebnis einer verfehlten Politik sind. Ein Land, das seine öffentlichen Räume nicht mehr sichern kann, hat an anderer Stelle bereits kapituliert.

Wenn der Bahnsteig zum Spiegelbild des Landes wird

Der Bahnhof war einmal ein Ort des Aufbruchs, ein Symbol für Fortschritt und Verbindung. Heute ist er zum Sinnbild für einen Staat geworden, der die Kontrolle verloren hat. Ein Verbot mag kurzfristig für Beruhigung sorgen – doch wer glaubt, dass ein paar Schilder mit durchgestrichener Bierflasche das grundlegende Problem lösen, der irrt gewaltig. Was Deutschland braucht, sind nicht mehr Verbote für die anständigen Bürger, sondern eine kompromisslose Durchsetzung von Recht und Gesetz gegen jene, die unsere Ordnung mit Füßen treten.

Bis dahin bleibt den Reisenden nur, sich an die neue Normalität zu gewöhnen: Ein Land, in dem selbst ein simpler Bahnhofsbesuch zur Mutprobe geworden ist. Genug ist genug – da hat die Bahnchefin völlig recht. Nur richtet sich dieser Satz eigentlich an ganz andere Adressaten in Berlin.

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