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Kettner Edelmetalle
28.05.2026
18:03 Uhr

Aus der Psychiatrie direkt zum Messerangriff: Behördenversagen mit Ansage in Winterthur

Es ist eine dieser Geschichten, bei denen man den Kopf schütteln möchte – und es doch nicht tut, weil sie längst zur traurigen Normalität in unseren westlichen Gesellschaften geworden ist. Am Donnerstagmorgen, kurz nach 8.30 Uhr, verwandelte sich der Bahnhof Winterthur in einen Tatort. Ein 31-jähriger schweizerisch-türkischer Doppelbürger, den Behörden seit Jahren wegen seiner Nähe zur Terrororganisation "Islamischer Staat" bekannt, stach mit einem Messer auf drei Männer ein. Dabei soll er, wie Augenzeugen berichten, lautstark "Allahu Akbar" gerufen haben – ein Schlachtruf, der in den vergangenen Jahren wie ein Menetekel über Europa hängt.

Drei Verletzte, ein Schock – und Schulkinder als Zaungäste des Terrors

Die Opfer: drei Schweizer im Alter von 28, 43 und 52 Jahren. Der Älteste musste notoperiert werden, eine Stichwunde am Oberschenkel. Der 43-Jährige wurde am Hals verletzt. Besonders verstörend: Am Bahnhof befanden sich zur Tatzeit auch Schul- und Kindergartenklassen. Lehrerinnen und Lehrer schoben die Kinder zur Seite, als der mutmaßliche Täter an ihnen vorbeiflüchtete. Man stelle sich das einmal vor: Kinder, die auf dem Weg zu einem Ausflug zu Zeugen eines Terroraktes werden. Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr fand klare Worte: "Wenn das kein Terrorakt ist, weiss ich nicht, was ein Terrorakt ist."

Die unfassbare Chronologie eines Versagens

Doch was die Sache wirklich zum Skandal macht, ist nicht allein die Tat selbst – sondern ihre Vorgeschichte. Der Mann, Nesip Dedeler, war den Behörden kein Unbekannter. Bereits 2015 sei er wegen eines möglichen Verstoßes gegen das IS-Verbot angezeigt worden, wie SRF-Recherchen ergaben. Spätestens 2018 tauchte sein Name in Ermittlungen zur Jugendgruppe der mittlerweile geschlossenen An'Nur-Moschee in Winterthur auf – einer Einrichtung, die bereits damals als Brutstätte radikalislamischer Indoktrination galt. Aus Akten gehe hervor, dass ihm radikale Gesänge und IS-Propagandavideos zugeschickt worden seien.

1994 in der Schweiz geboren, 2009 eingebürgert, 2024 in die Türkei gezogen – und im Mai 2026 plötzlich wieder da. Am 25. Mai meldete sich der Mann selbst bei der Polizei, machte "wirre Aussagen". Die Behörden veranlassten eine fürsorgerische Unterbringung in der Integrierten Psychiatrie Winterthur. Schon einen Tag später verließ er die Einrichtung das erste Mal – die Polizei brachte ihn zurück. Doch dann kam jene fachärztliche Einschätzung am 27. Mai, die sich heute wie eine Realsatire liest: Von dem Mann gehe keine Selbst- oder Fremdgefährdung aus. Am Abend desselben Tages durfte er auf eigenen Wunsch die Einrichtung verlassen. Am nächsten Morgen lagen drei Männer blutüberströmt am Bahnhof.

Wenn fachärztliche "Expertise" zur tödlichen Farce wird

Wie konnte das passieren? Wie kann es sein, dass ein der Polizei seit über einem Jahrzehnt wegen IS-Kontakten bekannter Mann, der bei der Polizei "wirre Aussagen" macht und dem nach einer Zwangseinweisung sogar das Verlassen der Klinik verwehrt wird, am Tag darauf von Fachärzten als ungefährlich entlassen wird? Die Klinik kündigte mittlerweile eine "externe Administrativuntersuchung" an. Wie tröstlich für die Verletzten und ihre Angehörigen. Ein bürokratisches Wort für das, was schlicht ein katastrophales Versagen jener Strukturen ist, die den Bürger schützen sollten.

Die immer gleiche Geschichte – und der politische Kurs dahinter

Die Parallelen zu Deutschland sind erschreckend. Wie oft haben wir in den vergangenen Jahren genau dieses Muster gesehen? Mannheim, Solingen, Aschaffenburg – immer wieder Täter, die längst auf dem Radar der Behörden waren. Immer wieder die wohlfeilen Bekundungen der Politik, man müsse "Konsequenzen ziehen". Und immer wieder: nichts. Oder nahezu nichts. Die Kriminalität in Deutschland hat Rekordniveau erreicht, Messerangriffe gehören mittlerweile zum traurigen Alltag der Nachrichtenlandschaft. Ein Großteil der Bevölkerung sieht in dieser Entwicklung längst das Resultat einer verfehlten Migrations-, Sicherheits- und Justizpolitik – und liegt damit, das muss endlich auch in den Redaktionsstuben offen ausgesprochen werden, schlicht richtig.

Sicherheitsdirektor Fehr fordert nun den Entzug des Schweizer Bürgerrechts. "Wir wollen solche Leute nicht hier haben", sagte er laut CH Media. Eine Forderung, die in ihrer Klarheit erstaunt – und die man sich von deutschen Innenministern auch einmal in dieser Deutlichkeit wünschen würde. Stattdessen erleben wir hierzulande Debatten über vermeintliche Diskriminierung, wenn jemand das Offensichtliche benennt. Die Bundesanwaltschaft der Schweiz hat das Strafverfahren mittlerweile übernommen.

Vertrauen in den Staat – ein dahinschwindendes Gut

Bleibt die bittere Erkenntnis: Wenn schon die Schweiz, die im Vergleich zu Deutschland noch immer als Hort der Sicherheit gilt, mit solchen Vorfällen konfrontiert ist, was sagt das über den Zustand jenes Kontinents, der einst seine Bürger verlässlich schützen konnte? Die Menschen verlieren das Vertrauen in den Staat, in seine Institutionen, in die Justiz, in die Psychiatrie, in die Politik. Und das aus gutem Grund. Wer einen Mann, der wegen IS-Kontakten aktenkundig ist und in der Psychiatrie wirre Aussagen macht, am Vorabend einer Terrortat aus der geschlossenen Einrichtung entlässt, hat jedes Recht verloren, sich anschließend über "Vertrauensverlust" zu beklagen.

Es ist höchste Zeit, dass eine Politik gemacht wird, die den Schutz der eigenen Bevölkerung wieder zur obersten Priorität erhebt. Die Bürger haben es verdient, sich am Bahnhof, im Zug, auf dem Marktplatz sicher fühlen zu können – ohne dass jeder Schritt zur Mutprobe wird. Solange aber Gutachter mit fataler Selbstgewissheit Gefährder als ungefährlich abstempeln und Politiker den Mut zur klaren Sprache scheuen, wird sich nichts ändern. Die Geschichte von Winterthur ist die Geschichte unserer Zeit – und eine bittere Mahnung an alle, die noch glauben, das alles ginge uns nichts an.

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