
Bafög-Reform: Wenn das Versprochene erst kommt, wenn keiner mehr hinschaut
Es ist ein Ritual, das sich in Berlin mit fast schon liturgischer Zuverlässigkeit wiederholt: Erst werden vollmundige Versprechen in Koalitionsverträge gegossen, dann kommt die nüchterne Realität – und plötzlich verschiebt sich, was gestern noch als unumstößlich galt. Die große Bafög-Reform, mit der die Große Koalition aus Union und SPD den Studenten unter die Arme greifen wollte, entpuppt sich als Musterbeispiel dieser politischen Verzögerungstaktik.
Der Mietzuschuss lässt auf sich warten
Kernstück der Enttäuschung ist die Wohnkostenpauschale. Studenten, die dem elterlichen Nest entwachsen sind und selbst für Miete aufkommen müssen, sollen künftig statt 380 Euro ganze 440 Euro monatlich erhalten. Klingt gut – wäre da nicht der Haken: Diese Anhebung greift erst zum Sommersemester 2027. Ein halbes Jahr später als ursprünglich zugesagt. Für junge Menschen, die schon heute mit explodierenden Mietpreisen in deutschen Universitätsstädten ringen, ist das ein herber Schlag.
720 Euro Miete stehen oft 730 Euro Bafög gegenüber – die Rechnung geht für viele Studenten längst nicht mehr auf.
Der Grundbedarf steigt – in homöopathischen Dosen
Auch beim monatlichen Grundbedarf regiert die Salamitaktik. Der aktuelle Satz von 475 Euro soll in zwei Etappen angehoben werden: zunächst zum Wintersemester 2027/28 auf 503 Euro, danach zum Sommersemester 2029 auf stolze 563 Euro. 2029 – man lasse sich diese Jahreszahl auf der Zunge zergehen. Wer heute sein Studium beginnt, dürfte längst im Berufsleben stehen, bevor die volle Erhöhung überhaupt greift.
Wortbruch, Finanzierungsvorbehalt und die üblichen Ausreden
Möglich wurde die Verzögerung durch eine Klausel im Koalitionsvertrag, wonach sämtliche Vorhaben unter einem sogenannten Finanzierungsvorbehalt stehen. Ein bequemes Hintertürchen, durch das man jederzeit entkommen kann, wenn die eigenen Versprechen zu teuer werden. Die SPD warf dem Kanzleramt bereits Wortbruch vor, während Unionsfraktionschef Jens Spahn mit Blick auf Bürgergeld, Wohngeld, Elterngeld und eben Bafög erklärte, angesichts der desolaten Haushaltslage seien Erhöhungen auf absehbare Zeit schlicht nicht drin.
Und genau hier liegt der wunde Punkt. Während die Regierung Merz ein 500-Milliarden-Sondervermögen aus dem Boden stampft und die Klimaneutralität bis 2045 ins Grundgesetz meißelt, will für die eigene Jugend das Geld angeblich nicht reichen. Man sollte meinen, die Investition in die Ausbildung der nächsten Generation stünde ganz oben auf der Prioritätenliste. Doch die Prioritäten scheinen woanders zu liegen.
Ehrliche Töne aus der Union
Immerhin: Die stellvertretende Unionsfraktionschefin Inge Gräßle brachte es auf den Punkt. Der Ausbau staatlicher Leistungen lasse sich nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung trennen, so ihre Einschätzung. Aufgabe der Koalition sei es, „wieder für Wirtschaftswachstum zu sorgen“. Eine seltene Wahrheit in Zeiten, in denen viele Politiker glauben, Wohlstand entstehe durch immer neue Schulden statt durch eine gesunde, wettbewerbsfähige Wirtschaft.
Immer weniger Empfänger – ein stiller Alarm
Bemerkenswert ist eine Zahl, die im medialen Getöse fast untergeht: Die Zahl der Bafög-Empfänger ist auf einem Tiefstand angelangt. 2024 bezogen laut Statistischem Bundesamt nur noch rund 612.800 Menschen die Leistung – so wenige wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Rund 483.800 davon studierten, 129.000 gingen zur Schule. Bei knapp 2,9 Millionen eingeschriebenen Studenten und 11,5 Millionen Schülern ein bemerkenswert kleiner Anteil. Man muss sich fragen, ob das System so kompliziert und unattraktiv geworden ist, dass Berechtigte lieber gleich verzichten.
Was bleibt?
Am Ende steht ein bitteres Fazit: Versprochen wurde viel, geliefert wird spät und portioniert. Die Verlässlichkeit, die man den Studenten predigt, gilt offenbar nur für die schönen Sonntagsreden, nicht für die Auszahlung am Monatsende. Wer sich in einem Land wie Deutschland auf staatliche Zusagen verlässt, lernt schnell, dass diese unter Vorbehalt stehen – finanziert von einer Generation, die später die Zinsen für heutige Schuldenexzesse zahlen darf.
Gerade in solchen Zeiten der politischen Unberechenbarkeit zeigt sich, wie wichtig es ist, sein Vermögen auf ein solides Fundament zu stellen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie keinen Finanzierungsvorbehalten unterliegen und keiner Regierung ausgeliefert sind, die ihre Versprechen nach Belieben verschiebt. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio bieten sie eine krisenfeste Absicherung, die sich niemand per Klausel im Koalitionsvertrag wieder wegnehmen kann.
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