
Boeings Indien-Prognose: Der Subkontinent wird zum Eldorado der Luftfahrt
Während die deutsche Wirtschaft unter der Last einer verfehlten Energiepolitik und bürokratischer Fesseln ächzt, zeigt sich andernorts ein völlig anderes Bild. Der amerikanische Flugzeugriese Boeing hat seine Prognose für den indischen und südasiatischen Markt drastisch nach oben korrigiert – und die Zahlen lassen aufhorchen.
3290 neue Flugzeuge in zwei Jahrzehnten
Der Hersteller aus Seattle rechnet nunmehr mit einem Bedarf von satten 3290 neuen Verkehrsflugzeugen in den kommenden zwanzig Jahren. Das sind nicht weniger als 455 Maschinen mehr als in der vorherigen Schätzung, die noch von 2835 Jets ausging. Von den prognostizierten Flugzeugen entfallen 395 auf Großraumjets und stolze 2875 auf Schmalrumpfflugzeuge – jene Arbeitspferde des Luftverkehrs, die täglich Millionen Menschen von A nach B befördern.
Die Gründe für diesen beispiellosen Boom sind so simpel wie einleuchtend: robustes Wirtschaftswachstum und eine explodierende Mittelschicht. Immer mehr Menschen auf dem Subkontinent können sich erstmals in ihrem Leben einen Flug leisten. Was für verwöhnte Europäer längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist, bedeutet für Hunderte Millionen Inder den Aufbruch in eine neue Ära der Mobilität.
Indien macht das Gegenteil von Europa
Besonders bemerkenswert ist die Einschätzung von Ashwin Naidu, Boeings Marketingchef für die Region. Während Fluggesellschaften in den etablierten Märkten der Welt ihre Flotten lediglich erneuern, statt sie zu vergrößern, tue Indien „genau das Gegenteil". Eine Aussage, die man durchaus als Seitenhieb auf die stagnierenden westlichen Volkswirtschaften verstehen darf.
Indien hat sich mittlerweile zum drittgrößten Inlandsmarkt der Welt entwickelt – nach den USA und China. Mehr noch: Es gilt als der am schnellsten wachsende Luftfahrtmarkt überhaupt. Airlines wie Indigo und Air India treiben diese Entwicklung mit aggressiven Expansionsplänen voran.
Infrastruktur als Achillesferse
Freilich ist nicht alles Gold, was glänzt. Boeing mahnt an, dass Indien seine Luftfahrtinfrastruktur massiv ausbauen müsse, um mit der wachsenden Reisenachfrage Schritt zu halten. Derzeit konzentriert sich der Flugverkehr noch stark auf die Metropolen Delhi und Mumbai, die zusammen mehr als 30 Prozent des Marktanteils auf sich vereinen. Hier liegt enormes Potenzial brach – und zugleich eine gewaltige Herausforderung für die indische Regierung.
Ein Lehrstück für Deutschland?
Während Indien seinen wirtschaftlichen Aufstieg mit Nachdruck vorantreibt und sich als verlässlicher Partner für Europa positioniert, sollte man hierzulande vielleicht einmal innehalten und fragen: Was können wir von diesem Schwellenland lernen? Statt sich in ideologischen Grabenkämpfen um Tempolimits und Flugscham zu verlieren, setzt Indien auf Wachstum, Wohlstand und die Erfüllung der Träume seiner Bürger.
Die Nachricht kommt übrigens zu einem günstigen Zeitpunkt für Boeing: Ein Spartenverkauf hat dem angeschlagenen Konzern kürzlich den ersten Gewinn seit 2018 beschert. Manchmal braucht es eben den Blick nach Osten, um zu verstehen, wo die Zukunft geschrieben wird – und wo sie verschlafen wird.

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