
Bombenserie in Frankfurt: Nachts detoniert es jetzt mitten auf der Zeil
Frankfurt am Main, Donnerstagmorgen, kurz nach 4.20 Uhr: Zwei Sprengsätze detonieren fast zeitgleich – einer vor einem Kiosk auf der Zeil in der Nähe des Bürgeramts, der andere vor dem „Café Rio“ in der Berger Straße. Verletzte gab es nach Polizeiangaben nicht. Der Sachschaden ist erheblich, die Berger Straße war am Morgen voll gesperrt.
Vor dem Café türmten sich zerborstene Scheiben. Die Druckwelle war offenbar so heftig, dass auch das Schaufenster eines Geschäfts auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu Bruch ging. Die Polizei rückte mit großen Teams an beide Tatorte aus.
Vier Anschläge in fünf Tagen – und kein Ende in Sicht
Das Beunruhigende ist nicht der Einzelfall. Es ist die Serie. Bereits am Sonntagmorgen war es in Offenbach und in Frankfurt-Sachsenhausen fast gleichzeitig zu Detonationen vor einer Bar und einem Kiosk gekommen. Am Montag flog ein Sprengsatz vor einem Wohnhaus in Bockenheim in die Luft.
In Offenbach gingen laut Polizei die Schaufenster einer Bar und eines gegenüberliegenden Cafés zu Bruch; die Bar sei wahrscheinlich das eigentliche Ziel gewesen. In Sachsenhausen riss die Wucht der Explosion Berichten zufolge die Eingangstür eines Kiosks aus der Verankerung. Ein 15 Jahre alter Jugendlicher wurde dort festgenommen – er soll nach Medienberichten weiter in Haft sitzen.
„Violence-as-a-Service“: Wenn Gewalt zur Dienstleistung wird
Ermittler ordnen mehrere dieser Taten dem Bereich der Organisierten Kriminalität zu – und einem Phänomen mit einem zynischen Namen: „Violence-as-a-Service“. Gewalt auf Bestellung, gebucht wie eine Dienstleistung.
Charakteristisch sei laut den Ermittlern das gezielte Anwerben leicht beeinflussbarer, oft minderjähriger Täter zwischen 15 und 25 Jahren. Häufig stammten diese aus dem Ausland, seien dort schon polizeilich aufgefallen und reisten eigens für die Tat nach Deutschland ein. Im März war Berichten zufolge ein 20-jähriger Niederländer festgenommen worden, der an mehreren Explosionen beteiligt gewesen sein soll.
„Gewalt darf nicht zum Geschäftsmodell werden“
Unter dieser Überschrift wurde berichtet, dass das Hessische Landeskriminalamt mit einer eigenen Ermittlungsgruppe den Hintermännern solcher Anschläge auf die Spur kommen will. Die Frage ist nur: Warum erst jetzt – nach Monaten einer Serie, die Ermittler schon lange beschäftigt?
Wenn der Kioskbesitzer nachts nicht mehr ruhig schläft
Aus Sicht unserer Redaktion ist das mehr als eine Frankfurter Lokalmeldung. Hier wird mitten in einer deutschen Großstadt die Grenze verschoben – von der Schlägerei zur Sprengladung, vom Hinterhof auf die bekannteste Einkaufsmeile der Stadt.
Betroffen sind nicht Konzerne, sondern Kioskbetreiber, Wirte, Cafébesitzer. Menschen, die morgens um vier eigentlich schlafen sollten und stattdessen vor Trümmern stehen. Für viele Bürger ist das der eigentliche Skandal: Der Staat kassiert zuverlässig Steuern, Abgaben und Bußgelder – doch beim Kernversprechen, dem Schutz von Leib, Leben und Eigentum, wirkt er zunehmend überfordert.
Kritiker der Sicherheits- und Migrationspolitik der vergangenen Jahre sehen darin ein Muster: Strukturen der Organisierten Kriminalität konnten wachsen, während politisch über Nebenschauplätze debattiert wurde. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist bundesweit ein Rekordniveau erfasster Straftaten aus.
Die Ermittlungen laufen. Für die Betroffenen an Zeil und Berger Straße ist das ein schwacher Trost – solange der nächste Knall nur eine Frage der Zeit scheint.

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