
Chinas Ölgigant verweigert venezolanisches Öl – Misstrauen gegenüber US-Kontrolle
Eine bemerkenswerte Entwicklung erschüttert derzeit die globalen Ölmärkte: PetroChina, Asiens größter Öl- und Gasproduzent, weigert sich kategorisch, venezolanisches Rohöl zu kaufen – obwohl die USA den Handel mit dem schwarzen Gold aus dem Land mit den größten Ölreserven der Welt kürzlich wieder freigegeben haben. Die Gründe für diese Zurückhaltung sind ebenso aufschlussreich wie brisant.
Vom größten Käufer zum strikten Verweigerer
Noch vor den US-Sanktionen im Jahr 2019 war PetroChina der mit Abstand größte Abnehmer venezolanischen Rohöls. Doch als die erste Trump-Administration damals harte Sanktionen gegen Venezuelas Ölsektor verhängte, zog sich der chinesische Staatskonzern vollständig zurück. Man wollte keinesfalls riskieren, mit den amerikanischen Restriktionen in Konflikt zu geraten.
Nun, nach der Absetzung von Nicolas Maduro und der faktischen Übernahme der Kontrolle durch die USA, hat PetroChina seinen Händlern unmissverständlich mitgeteilt: Kein Kauf, kein Handel mit venezolanischem Öl. Diese Anweisung gilt selbst dann, wenn die weltweit größten Handelshäuser das Öl mit ausdrücklichem Segen Washingtons anbieten.
Doppeltes Misstrauen: Politik und Preis
Die Beweggründe für diese Haltung sind vielschichtig. Zum einen herrscht in Peking offenbar tiefes Misstrauen gegenüber der Tatsache, dass die Vereinigten Staaten nun de facto die Kontrolle über Venezuelas Ölexporte ausüben. Wer garantiert, dass Washington diese Macht nicht eines Tages als politisches Druckmittel einsetzt?
Zum anderen – und das dürfte die Kaufleute in den chinesischen Raffinerien besonders schmerzen – sind die Angebote schlicht nicht mehr konkurrenzfähig. Der Preisabschlag für Venezuelas Flaggschiff-Sorte Merey gegenüber der Benchmark Brent hat sich seit Maduros Sturz um etwa zehn Dollar pro Barrel verringert.
Drastisch geschrumpfte Rabatte
Vitol, der weltgrößte unabhängige Ölhändler, bietet venezolanisches Rohöl chinesischen Raffinerien derzeit mit einem Abschlag von lediglich fünf Dollar pro Barrel auf ICE Brent an. Vor der amerikanischen Intervention und Maduros Absetzung betrug dieser Rabatt noch satte fünfzehn Dollar – ein Unterschied, der jeden Einkäufer zum Nachdenken bringt.
Die Zeiten des billigen, sanktionierten Öls aus Venezuela scheinen für Chinas unabhängige Raffinerien endgültig vorbei zu sein.
Letzte Ladungen des alten Systems
Interessanterweise dürften Chinas unabhängige Raffinerien, die sogenannten "Teapots", derzeit ihre letzten Lieferungen sanktionierten venezolanischen Öls empfangen. Diese Ladungen wurden noch vor der US-Blockade verschifft und stellen gewissermaßen das Ende einer Ära dar, in der sich diese kleineren Verarbeiter jahrelang an günstigem, unter Sanktionen stehendem Rohöl gütlich taten.
Die Entwicklung zeigt einmal mehr, wie sehr geopolitische Machtverschiebungen die globalen Rohstoffmärkte beeinflussen. China, das sich gerne als unabhängiger Akteur präsentiert, agiert hier erstaunlich vorsichtig – ein Zeichen dafür, dass selbst Peking die Reichweite amerikanischer Wirtschaftsmacht nicht unterschätzt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionsentscheidungen in Rohstoffe oder andere Anlageklassen sollten stets auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Jeder Anleger trägt die volle Verantwortung für seine Entscheidungen.

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