
Der Ritter der Kokosnuss schlägt zurück: John Cleese stellt sich hinter Britanniens Migrationsrebellen
Wer hätte gedacht, dass einer der größten Spötter des 20. Jahrhunderts am Ende zum Stichwortgeber einer politischen Bewegung wird? John Cleese, Mitbegründer von Monty Python, Erfinder des cholerischen Hoteliers Basil Fawlty und Meister des britischen Absurdismus, hat sich öffentlich hinter Rupert Lowes migrationskritische Partei Restore Britain gestellt. Auf X erklärte der 86-Jährige, er vertraue diesem Mann mehr als anderen Anführern. Ein Satz, der im heutigen Großbritannien schwerer wiegt als jede Wahlkampfrede.
„Kein Rassist, sondern Kulturalist“
Die Reaktion kam prompt und erwartbar. Cleese selbst sprach von einer rituellen Beschimpfung – so mechanisch, so vorhersehbar, dass man sie fast in einen Python-Sketch schreiben könnte. Seine Antwort darauf war bemerkenswert präzise formuliert:
Er sei kein Rassist, sondern ein Kulturalist. Er glaube, dass manche Kulturen besser seien als andere – und er bevorzuge jene, die weder Steinigungen noch Päderastie, weder Gewalt gegen Ehefrauen noch weibliche Genitalverstümmelung oder das Enthaupten von Gegnern befürworteten.
Man muss sich vor Augen halten, was hier geschieht: Ein Mann, der einst mit „Das Leben des Brian“ die Empörungsmaschinerie der Kirchen gegen sich aufbrachte, gilt heute als Provokateur, weil er Steinigungen ablehnt. Das ist keine Satire mehr – das ist Zustandsbeschreibung.
Vom Zeitgeist-Spötter zum Zeitgeist-Gegner
Neu ist Cleeses Widerborstigkeit nicht. Bereits 2024 warnte er in einem Interview vor der politischen Korrektheit und formulierte einen Gedanken, der eigentlich in jedes Parlamentsfoyer gemeißelt gehörte: Wer Menschen durch zwanghafte Gesetzgebung gut machen wolle, ende regelmäßig bei etwas viel Schlimmerem, als er begonnen habe. Besonders die Wissenschaft, so Cleese, leide unter dem Einfluss des Wokismus. Wer die Debatten an deutschen Universitäten verfolgt, wo Vorträge abgesagt und Sprachvorschriften erlassen werden, dürfte hier weniger britischen Humor als bittere Vertrautheit empfinden.
Lowe, Unterhausabgeordneter und Gründer der Partei, bedankte sich in deutlichen Worten und wünschte sich, mehr Personen des öffentlichen Lebens hätten den Mut eines John Cleese. Insbesondere die Unterstützung für den geforderten Untersuchungsausschuss zu den Kinderschänderbanden im Königreich begrüßte er – ein Skandal, den britische Behörden über Jahre hinweg aus Angst vor dem Rassismusvorwurf lieber verwalteten als aufklärten. Ein Muster, das man auch hierzulande kennt: Erst wird beschwiegen, dann relativiert, schließlich als Einzelfall abgelegt.
Vier Prozent – und ein Programm mit Zähnen
Restore Britain entstand 2025 zunächst als parteiübergreifende Graswurzelbewegung und formierte sich im Februar zur Partei. Lowe war zuvor bei Reform UK ausgeschlossen worden, nachdem er Nigel Farages Tauglichkeit als Regierungschef öffentlich hinterfragt hatte. Bei der Nachwahl im nordenglischen Makerfield holte die Kandidatin Rebecca Shepherd mit 6,8 Prozent den dritten Platz, landesweit weisen Umfragen die Partei bei rund vier Prozent aus.
Das Programm ist radikal in seiner Klarheit: mindestens 1,8 Millionen Migranten sollen binnen drei Jahren zur Ausreise gebracht oder abgeschoben werden, alle Illegalen eingeschlossen. Die sogenannten Hassrede-Gesetze sollen fallen, die Körperschaftsteuer soll die niedrigste Europas werden, und selbst die Todesstrafe steht auf der Wunschliste. Gleichzeitig zog Lowe eine scharfe Grenze nach rechts außen: Ethnonationalisten und Neonazis verachte er, deren Ideologien hätten ihn nie inspiriert. Eine Abgrenzung, die in Deutschland gern übersehen wird, wenn es darum geht, unliebsame Positionen pauschal zu erledigen.
Was das für den Kontinent bedeutet
Die eigentliche Nachricht ist nicht die Umfragezahl. Sie ist der Kulturbruch. Wenn Künstler, Komiker und Intellektuelle – jene Klasse, die jahrzehntelang zuverlässig links stand – anfangen, die Migrations- und Sprachpolitik ihrer Regierungen zu zerlegen, dann bröckelt das Meinungsmonopol. In Deutschland wird derweil über Talkshow-Einladungen entschieden wie über Adelsprivilegien, während die Bürger längst weiter sind als ihre Regierenden.
Cleese hat ein Leben lang das Absurde entlarvt. Dass er dafür heute keine Bühne mehr braucht, sondern nur noch einen Blick auf die Realität, sagt weniger über ihn – als über den Zustand des Westens.

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