
Der selbsternannte Weihnachts-Retter: Wenn ein Kulturstaatsminister mit Märchen gegen die Opposition zu Felde zieht
Es gibt Politiker, die suchen sich ihre Gegner mit Bedacht aus. Und es gibt solche, die sich Gegner einfach erfinden, wenn ihnen die realen Argumente ausgehen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer scheint fest entschlossen, in die zweite Kategorie einzugehen. In einem Interview mit der Welt am Sonntag inszeniert sich der parteilose Politiker als tapferer Verteidiger des christlichen Abendlandes – ausgerechnet gegen jene Partei, die traditionelle Werte lauter propagiert als jede andere im Bundestag.
Ein Feindbild aus der Retorte
Weimer verkündet mit staatsmännischem Pathos: „Ich nehme inzwischen auch bewusst die Rolle eines politischen Gegenspielers der AfD ein.“ Und dann kommt der große Wurf, der Satz, der die Nation aufrütteln soll: Wenn die AfD „Weihnachten durch germanische Feiertage ersetzen möchte, dann bin ich entschieden Team Weihnachten“.
Team Weihnachten. Man muss sich diese Wortwahl auf der Zunge zergehen lassen. Ein Kulturstaatsminister der Bundesrepublik, der sich rhetorisch aufplustert, als hätte er persönlich das Christkind vor der Abschaffung bewahrt. Nur – und das ist der kleine, unbequeme Schönheitsfehler in dieser heroischen Erzählung – die Behauptung ist schlicht falsch.
Was wirklich geschah
Die Faktenlage ist ernüchternd für den selbsternannten Weihnachtsretter. Auf einem Landesparteitag in Sachsen-Anhalt existierte ein Antrag, der Winter- und Sommersonnenwende als gesetzliche Feiertage etablieren wollte. Zwei bestehende Feiertage hätten dafür weichen müssen. Von einer Abschaffung des Weihnachtsfestes war an keiner Stelle die Rede. Und – man höre und staune – der Antrag wurde nicht einmal angenommen.
Ein abgelehnter Antrag über zwei Sonnenwendfeiertage wird zur angeblichen Vernichtung des christlichen Weihnachtsfestes umgedeutet. So funktioniert politische Legendenbildung im Jahr 2026.
Man muss kein Anhänger der AfD sein, um diese Methode durchschaubar zu finden. Hier wird eine Position bewusst verzerrt, aufgeblasen und zur Bedrohung stilisiert. Der Zweck ist offensichtlich: Wer die Opposition in die Nähe germanisch-heidnischer Umtriebe rückt, bedient ganz gezielt eine bestimmte historische Assoziation. Das ist billig, durchsichtig und eines Kulturstaatsministers unwürdig.
Die eigentliche Bedrohung fürs Weihnachtsfest
Bemerkenswert ist, wogegen Weimer nicht kämpft. Während er sich an einem abgelehnten Parteitagsantrag abarbeitet, verwandeln sich landauf, landab Weihnachtsmärkte klammheimlich in „Wintermärkte“. Betonpoller schützen die letzten christlichen Traditionsveranstaltungen vor jenen, die mit dem Abendland und seinen Festen wenig anzufangen wissen. Doch darüber verliert der große Kulturkämpfer kein Wort.
Es ist eine bittere Ironie: Die reale, sichtbare Erosion unserer christlich-abendländischen Feiertagskultur findet nicht durch die Opposition statt, sondern durch eine über Jahre verfehlte Migrations- und Gesellschaftspolitik, an der die etablierten Parteien maßgeblich mitgewirkt haben. Doch dieser unbequeme Befund passt nicht ins Drehbuch des Herrn Weimer.
Der Griff nach TikTok
Doch das Interview hatte noch mehr zu bieten. Weimer fordert allen Ernstes, die chinesische Plattform TikTok „in europäische Hände“ zu überführen. Die Pressevielfalt in Deutschland, so seine Sorge, werde durch die „Macht der großen Plattformen bedroht“. Deshalb wolle er bei TikTok die „Eigentumsfrage“ stellen.
Die Eigentumsfrage. Man reibt sich die Augen. Ein deutscher Regierungsvertreter spricht offen davon, ein ausländisches Unternehmen in europäische Hände zu zwingen. Wie genau er sich diese elegante Enteignung vorstellt, bleibt sein Geheimnis. Vielleicht schwebt ihm ja ein volkseigener Betrieb vor – nostalgische Erinnerungen an vergangene Wirtschaftsordnungen inklusive.
Was Weimer freilich unter „Pressevielfalt“ versteht, wird schnell deutlich: die traditionellen Zeitungen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, jene schwerfälligen Kolosse also, die Jahr für Jahr Leser und Zuschauer verlieren. Statt sich zu fragen, warum die Menschen diesen Angeboten davonlaufen, will der ehemalige Chefredakteur die Plattformen regulieren, die den Bürgern eine Alternative bieten. Der freie Wettbewerb der Meinungen – für manche offenbar ein Ärgernis.
Ein Minister, der austeilt und selbst nicht sauber ist
Pikant wird die ganze Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass Weimer selbst zuletzt medial in Erklärungsnot geriet. Wer als Politiker mit gläsernen Wänden bewirft, sollte sein eigenes Haus in Ordnung haben. Doch das große Maul über angebliche Weihnachtsvernichter ist offenbar leichter aufgerissen als die eigene Vergangenheit aufgearbeitet.
Am Ende bleibt der Eindruck eines Politikers, der lieber Windmühlen bekämpft, als sich den realen Problemen dieses Landes zu stellen. Die Kriminalität steigt, die Wirtschaft schwächelt, das Vertrauen der Bürger in die etablierte Politik schwindet – und der Kulturstaatsminister erklärt sich zum Retter eines Festes, das niemand abschaffen wollte. Das ist keine Kulturpolitik. Das ist eine Nebelkerze.
Vielleicht sollte Herr Weimer weniger Zeit mit erfundenen Feindbildern verbringen und mehr mit der Frage, warum immer mehr Bürger das Gefühl haben, ihre Regierung regiere gegen und nicht für dieses Land. Diese Einschätzung teilt, das darf getrost gesagt werden, ein beträchtlicher Teil der deutschen Bevölkerung.
Beständige Werte in unbeständigen Zeiten
Wenn Politiker mit erfundenen Geschichten hantieren und ganze Anlageklassen von politischen Launen abhängen, zeigt sich einmal mehr der Wert von etwas Handfestem. Während Regierungsvertreter über die Enteignung von Unternehmen sinnieren und der Staat immer tiefer in Eigentumsverhältnisse eingreifen will, behalten physische Edelmetalle wie Gold und Silber ihre über Jahrtausende bewährte Funktion als krisenfeste Wertspeicher – unabhängig von politischen Nebelkerzen. Als sinnvolle Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen bieten sie das, was Weimers Rhetorik vermissen lässt: echte Beständigkeit.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Inhalte geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie uns vorliegende Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für Investitionsentscheidungen sollte gegebenenfalls fachkundiger Rat eingeholt werden.
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