
Diesel-Aufstand: Frankreichs Fischer zünden die Barrikaden an
Seit den frühen Morgenstunden dieses Mittwochs steht das Öllager im südfranzösischen Frontignan still. Rund 100 Fischer haben die Zufahrten blockiert, brennende Barrikaden qualmen an der Mittelmeerküste. Ihr Zorn richtet sich gegen einen Dieselpreis, der ihre Existenz auffrisst.
Es ist kein Ausrutscher, sondern der vorläufige Höhepunkt einer Protestwelle. Schon am Vortag legten Fischer das Depot in Fos-sur-Mer bei Marseille lahm, zuvor gab es Aktionen in Sète und Port-Vendres. Auf ihren Bannern stand die Botschaft, Europa bringe sie um.
Wenn der Tank teurer ist als der Fang
Die Rechnung ist für Fischer, Bauern und Spediteure brutal einfach: Ohne Diesel kein Motor, ohne Motor kein Umsatz. Die Betroffenen klagen über existenzbedrohende Kosten und ausgezehrte Arbeitsbedingungen.
Frankreichs Fischereiministerin Catherine Chabaud kündigte Gespräche an – jene politische Universalantwort, die Betroffene selten satt macht. Parallel wird der Ruf nach einer Rückkehr der Gelbwesten lauter. Ein Aktionstag ist für den 17. Oktober angekündigt, Blockaden und Tankstellenboykotte stehen im Raum.
Deutschland zahlt still – und stellt Lkw ab
Und hierzulande? Da wird nicht blockiert, da wird bezahlt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kostete Diesel in Deutschland am 7. September im Tagesdurchschnitt 2,33 Euro je Liter – 4,5 Prozent mehr als nur eine Woche zuvor. Regional wurden bereits Spitzenwerte von 2,80 Euro gemeldet.
Das Bundeskartellamt bestätigte am 14. September den Preisschub: Vom 1. bis 11. September legte Diesel an der Zapfsäule um 13,6 Cent je Liter zu, auf Raffinerie- und Großhandelsebene um 11,4 Cent. Behördenpräsident Andreas Mundt verwies dabei ausdrücklich auf einen zweiten Preistreiber neben dem Weltmarkt.
Der Preis an der Zapfsäule wird daneben von weiteren Faktoren einschließlich Steuern und Abgaben bestimmt.
Genau hier liegt der wunde Punkt. Denn der Staat kassiert bei jedem Liter kräftig mit – Energiesteuer, CO2-Bepreisung, Mehrwertsteuer obendrauf. Je höher der Rohölpreis, desto üppiger sprudelt die Steuerquelle.
20 Prozent der Lkw stehen still
Die Folgen treffen längst die Realwirtschaft. Nach Angaben des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) nehmen Spediteure bis zu 20 Prozent ihrer Lkw vom Markt, weil sich die Kosten nicht mehr an Kunden weiterreichen lassen. Der Verband fordert eine Preisobergrenze nach belgischem und luxemburgischem Vorbild – in Belgien steigt der Höchstpreis für Diesel auf 2,468 Euro.
Auch anderswo brennt es: In Lissabon protestierten Autofahrer mit Hupkonzerten und Schleichfahrten auf der 25.-April-Brücke, die Regierung sagte Hilfen für Spediteure, Taxifahrer und Feuerwehren zu. Bereits im April 2026 blockierten irische Landwirte und Spediteure die einzige Raffinerie des Landes sowie Häfen, Hunderte Tankstellen liefen leer. Dublin schnürte ein Hilfspaket.
Brüssel diskutiert, der Mittelstand kalkuliert
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier das Muster europäischer Krisenpolitik im Zeitraffer: Erst werden Energie und Verkehr über Jahre mit Abgaben und Vorgaben verteuert, dann werden die Opfer dieser Politik mit Notprogrammen ruhiggestellt. Kritiker der EU-Klimaabgaben sehen darin einen Beschleuniger der Deindustrialisierung.
Die Franzosen gehen auf die Straße, die Deutschen schlucken. Wie lange noch?
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