
Fünf Punkte Vorsprung: Merz' Union rutscht im Politbarometer ins Abseits
Die Zahlen sind unmissverständlich, und sie dürften im Kanzleramt für lange Gesichter sorgen: Im aktuellen ZDF-„Politbarometer" der Forschungsgruppe Wahlen liegt die AfD bei 28 Prozent – ein Plus von einem Punkt und damit der größte Vorsprung, den dieses Institut jemals zwischen der Partei und der Union gemessen hat. CDU und CSU verharren bei 23 Prozent. Fünf Prozentpunkte Differenz. Und das ist noch die konservativste Schätzung: Forsa sieht sechs Punkte, Insa und YouGov sogar sieben.
Die SPD als kleinste Fraktion – ein historischer Absturz
Wer hätte das gedacht? Die einst stolze Volkspartei SPD, jene Partei von Schmidt und Schröder, klebt bei zwölf Prozent fest und wäre damit die kleinste Fraktion im Deutschen Bundestag. Grüne und Linke verlieren jeweils einen Punkt und landen bei 13 beziehungsweise 12 Prozent. Die FDP bliebe mit vier Prozent erneut vor der Tür – offenbar hat der deutsche Wähler ein längeres Gedächtnis, als es manchem Liberalen lieb sein dürfte. Sonstige Parteien, darunter das BSW, kommen zusammen auf acht Prozent.
Das eigentliche Drama steckt in einer schlichten Addition: Schwarz-Rot käme gemeinsam auf 35 Prozent. Keine Mehrheit. Die Regierung, die im Mai 2025 mit dem Versprechen antrat, „Verantwortung für Deutschland" zu übernehmen, hat nach etwas mehr als einem Jahr das Vertrauen der Bürger regelrecht verspielt.
Kabinettsumbildung: Ein Rohrkrepierer
Die jüngste Personalrochade des Kanzlers sollte offenbar Aufbruch signalisieren. Herausgekommen ist das Gegenteil. 57 Prozent der Befragten halten Merz' Vorgehen bei der Umbildung für schlecht, lediglich 21 Prozent bewerten die Neubesetzung der Spitzenämter positiv. Besonders bitter: Selbst in der eigenen Wählerschaft findet der Kanzler keinen Applaus. 43 Prozent der Unionsanhänger halten die Aktion für misslungen, nur 39 Prozent für gelungen.
Dass die Arbeit der neu aufgestellten Bundesregierung nun besser werde, glauben gerade einmal 17 Prozent der Deutschen. 61 Prozent erwarten schlicht gar keine Veränderung.
Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen: Eine Mehrheit der Bürger geht davon aus, dass es völlig gleichgültig ist, wer auf den Ministerstühlen sitzt. Das ist kein Misstrauensvotum gegen einzelne Personen mehr – das ist ein Misstrauensvotum gegen den politischen Betrieb an sich.
Woher kommt der Frust?
Wer sich fragt, warum die Umfragen so aussehen, muss nur einen Blick in den Alltag der Menschen werfen. Da wäre das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das ein Kanzler auf den Weg brachte, der zuvor versprochen hatte, keine neuen Schulden aufzunehmen. Da wäre die im Grundgesetz verankerte Klimaneutralität bis 2045, deren Kosten Generationen abtragen dürfen. Da wären eine Industrie, die abwandert, Energiepreise, die jeden Mittelständler zur Verzweiflung treiben, und eine Kriminalitätsstatistik, die auf Rekordniveau verharrt, während die Politik über Sprachregelungen debattiert.
Historisch betrachtet ist das Bemerkenswerte nicht der Aufstieg einer Oppositionspartei. Bemerkenswert ist der Zerfall des alten Parteiensystems, das jahrzehntelang zwei Volksparteien mit zusammen über 80 Prozent kannte. Heute schaffen Union und SPD gemeinsam kaum mehr als ein Drittel. Wer das allein mit „Populismus" erklären will, hat die Ursache mit der Wirkung verwechselt.
Was Anleger daraus lernen können
Politische Instabilität, Rekordschulden und eine Inflation, die durch Sondervermögen weiter angeheizt wird – das ist ein Gemisch, das Sparer teuer zu stehen kommt. Wer sein Vermögen über Legislaturperioden hinweg bewahren möchte, tut gut daran, nicht ausschließlich auf Papierwerte und politische Versprechen zu setzen. Physisches Gold und Silber haben in der Geschichte Währungsreformen, Regierungskrisen und Staatsbankrotte überdauert. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio erfüllen sie eine Funktion, die kein Kabinettsumbau ersetzen kann: Sie sind unabhängig von Vertrauen in Institutionen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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