
Fußball zum Verkauf: Infantinos Investoren-Poker stößt auf Widerstand – nun auch aus Amerika
Der Weltfußball soll Anteilseigner bekommen. Nicht Mitglieder, nicht Vereine – sondern private Investoren. Was Fifa-Präsident Gianni Infantino als Modernisierung verkauft, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als das, was man in der Finanzwelt schlicht Ausverkauf nennt. Nach dem entschiedenen Nein der Uefa hat nun auch der nord- und mittelamerikanische Verband Concacaf abgewinkt. Nach einem Treffen der Präsidenten aller 41 Mitgliedsverbände sei am Donnerstag mitgeteilt worden, dass man die Pläne ablehne. Von einer Boykottdrohung, wie sie aus Europa zu hören war, hielt man sich in Amerika allerdings fern.
Worum es wirklich geht
Im Kern steht der Plan, Anteile an der Weltmeisterschaft – dem wertvollsten Einzelprodukt des globalen Sports – an privates Kapital zu veräußern. Die Concacaf-Mitglieder monierten laut eigener Mitteilung das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens, eine künstlich verkürzte Frist sowie die fehlende Prüfung und Genehmigung durch die zuständigen Fifa-Gremien. Und dann jene Frage, die eigentlich alles sagt: Warum überhaupt privates Geld, wenn gerade die profitabelste Weltmeisterschaft der Geschichte über die Bühne gegangen sei?
Wer im Rekordgewinn nach Investoren ruft, hat entweder ein Rechenproblem – oder ein Motivproblem.
Das alte Muster: Erst Eile, dann Fakten
Man kennt dieses Drehbuch. Es wird nicht nur im Fußball aufgeführt, sondern seit Jahren auch in der Politik: Eine Entscheidung von historischer Tragweite wird unter Zeitdruck durchgepeitscht, Gremien werden umgangen, Kritiker als Bremser abgestempelt. Wer in Deutschland zusehen musste, wie Sondervermögen in Hunderte-Milliarden-Höhe binnen Tagen durch Parlamente geschoben wurden, erkennt die Methode sofort. Der Unterschied ist bloß: Beim Fußball wehren sich die Verbände wenigstens.
Der Sport als Anlageklasse – und was das bedeutet
Private Investoren investieren nicht aus Leidenschaft für den Ball. Sie investieren für Rendite. Und Rendite im Fußball bedeutet: mehr Spiele, mehr Turniere, mehr Werbeflächen, teurere Tickets, zerstückelte Übertragungsrechte hinter immer neuen Bezahlschranken. Der Fan, einst Träger dieses Sports, wird zur monetarisierbaren Einheit. Traditionsvereine, gewachsene Wettbewerbe, regionale Verwurzelung – all das sind in einer solchen Logik Kostenfaktoren, nicht Werte.
Es ist bemerkenswert, wie sehr sich dieser Vorgang gleicht mit dem, was auf den Kapitalmärkten insgesamt geschieht. Alles wird verbrieft, alles handelbar gemacht, alles in Papierform gepresst. Bis am Ende niemand mehr weiß, wem eigentlich was gehört. Genau deshalb schätzen wachsame Anleger seit Jahrtausenden Werte, die man in der Hand halten kann – physisches Gold und Silber lassen sich nicht in Anteilsscheine zersägen und an anonyme Fondsstrukturen weiterreichen.
Warum Concacaf nicht mit Boykott droht
Dass die Amerikaner rhetorisch leiser auftreten als die Uefa, dürfte kaum an geringeren Bedenken liegen. Die WM 2026 findet in den USA, Kanada und Mexiko statt – man sitzt also im Boot, das man kritisiert. Diplomatie statt Konfrontation, wirtschaftliche Realität statt Prinzipientreue. Ein Muster, das man auch aus Berliner Regierungserklärungen kennt.
Bleibt die Frage: Wer schützt eigentlich das Gemeinsame, wenn selbst der Volkssport zur Beteiligungsgesellschaft umgebaut wird? Der Widerstand zweier Kontinentalverbände ist ein Anfang. Ob er reicht, wird sich zeigen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die geschilderten Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und Anlageentscheidungen eigenverantwortlich zu treffen. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.
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