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Kettner Edelmetalle
15.09.2026
11:03 Uhr

Gas-Ausstieg mit halb leeren Speichern: Europas riskante Wette

Brüssel zieht 2027 den Stecker bei russischem Gas – doch der Ersatz ist nicht gesichert. Europas Speicher sind derzeit nur zu rund 67 Prozent gefüllt, im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt fast 80 Prozent. Und der Europäische Rechnungshof legt in einem neuen Sonderbericht den Finger genau in diese Wunde.

Ein Plan über 300 Milliarden – und kaum ein Fünftel verplant

Der Prüfbericht zu REPowerEU, veröffentlicht am 9. September, fällt ernüchternd aus. Von den rund 300 Milliarden Euro, die aus dem Corona-Aufbaufonds für die Energie-Unabhängigkeit bereitstanden, hätten die 27 Mitgliedstaaten bis zum Frühjahr erst 54,3 Milliarden Euro verplant – nicht einmal ein Fünftel.

Für die Prüfer lässt das nur zwei Schlüsse zu: Entweder sei der Investitionsbedarf von Anfang an viel zu hoch angesetzt worden, oder die hochtrabenden Ziele ließen sich gar nicht in konkrete Projekte übersetzen. Das zuständige Mitglied des Rechnungshofs, Mihails Kozlovs, wird in der Mitteilung deutlich:

"Vier Jahre nach seiner Einführung ist REPowerEU ins Stocken geraten, obwohl mehrere hundert Milliarden Euro bereitgestellt wurden."

Besonders bitter: Beim Ausbau der Erneuerbaren blieb die zusätzlich geschaffene Kapazität laut Bericht verschwindend gering – vom im Fonds formulierten Ziel von 103 Gigawatt sei man weit entfernt. Bei den grenzüberschreitenden Netzen fanden die Prüfer ganze drei passende Maßnahmen in zwei Ländern. Eine davon wurde wieder gestrichen.

Vom Pipeline-Klumpenrisiko zur LNG-Abhängigkeit

Die Zahlen zeigen, wie radikal sich die Versorgung verschoben hat. 2021 stammten noch rund 45 Prozent der EU-Gasimporte aus Russland, 2025 waren es etwa zwölf Prozent – die Menge fiel von gut 152 auf 36 Milliarden Kubikmeter.

Norwegen, die USA und andere LNG-Anbieter haben die Lücke größtenteils gefüllt. Doch Flüssiggas ist kein Automat, aus dem beliebig mehr herausfällt: Verflüssigungsanlagen, Tanker, Terminals und langfristige Verträge begrenzen die Mengen. Europa kauft nun auf einem Weltmarkt ein, auf dem asiatische Abnehmer mitbieten – und mitbezahlen können.

Der ehrliche Grund für die Entspannung: weniger Industrie

Der Rechnungshof hält fest, dass der Rückgang russischer Lieferungen nicht allein dem Brüsseler Plan zu verdanken sei. Mehrere milde Winter in Folge und hohe Preise hätten den Verbrauch gedrückt. Übersetzt heißt das: Gespart wurde vor allem dort, wo Produktion gedrosselt oder ins Ausland verlagert wurde.

Aus Sicht unserer Redaktion ist das der eigentliche Skandal dieser Bilanz. Ein niedrigerer Gasverbrauch wird als Erfolg verbucht, obwohl er teilweise das Nebenprodukt schrumpfender Industrie ist. Sicherheit auf Kosten der Substanz – eine merkwürdige Rechnung.

Ein kalter Winter, und die Rechnung kommt

Am Zeitplan hält die EU fest: russisches LNG soll Anfang 2027 enden, Pipelinegas spätestens im Herbst 2027 – abgesichert lediglich durch eine Notfallklausel für schwere Engpässe. Dass diese Klausel überhaupt existiert, ist ein stilles Eingeständnis, dass es knapp werden könnte.

Medienberichten zufolge liegen die deutschen Speicher für diese Jahreszeit auf einem historisch niedrigen Stand, während die geopolitischen Spannungen die LNG-Preise treiben. Ein strenger Winter oder ein Lieferausfall könnte die Preise sprunghaft nach oben schicken – zahlen würden Handwerk, Mittelstand und Haushalte.

Wer sein Vermögen gegen solche Energiepreis- und Inflationsschocks abfedern will, setzt traditionell auch auf physische Edelmetalle als krisenerprobte Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.

Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Information und keine Anlageberatung. Wir geben keine Empfehlungen zu einzelnen Anlageentscheidungen. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.

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