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Kettner Edelmetalle
30.01.2026
00:15 Uhr

Globaler Handel im Umbruch: Wie die Welt lernt, sich gegen amerikanische Willkür abzusichern

Die Vereinigten Staaten mögen militärisch unangefochtene Supermacht bleiben, und das Silicon Valley dominiert weiterhin die technologische Weltbühne. Doch ausgerechnet im Bereich des Warenhandels – jenem Feld, das US-Präsident Donald Trump mit seinen Zollkeulen so gerne bearbeitet – entdecken Amerikas Verbündete nun überraschende Handlungsspielräume. Eine ironische Wendung der Geschichte, die den protektionistischen Ambitionen Washingtons einen empfindlichen Dämpfer versetzen könnte.

Keine Abkopplung, aber kluge Risikostreuung

Niemand in den Hauptstädten der westlichen Welt träumt ernsthaft davon, sich vollständig vom lukrativsten Markt der Erde abzukoppeln. Der amerikanische Konsument bleibt ein Goldesel, den man nicht leichtfertig verschmäht. Doch die Neuzeichnung der globalen Handelskarte, die sich in den vergangenen Wochen durch eine wahre Flut bilateraler Abkommen beschleunigt hat, zielt auf etwas anderes ab: das sogenannte "De-Risking" – ein Begriff, der bis vor kurzem fast ausschließlich im Zusammenhang mit China verwendet wurde.

Alexander George, leitender Direktor für Geopolitik am Tony Blair Institute for Global Change, bringt es auf den Punkt: Der Handel sei vermutlich jener Bereich, in dem mittlere Mächte die größte Handlungsfreiheit besäßen. Die Europäische Union liefere dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Trumps Drohgebärden hätten die Köpfe fokussiert, und plötzlich seien Dinge möglich geworden, die jahrelang in bürokratischen Mühlen feststeckten.

EU-Mercosur und der indische Durchbruch

Die Unterzeichnung des lange verzögerten EU-Mercosur-Handelsabkommens mit lateinamerikanischen Staaten sowie der jüngste Deal mit Indien sprechen eine deutliche Sprache. Selbst die Annäherungen an China, die von den Regierungschefs Großbritanniens und Kanadas in diesem Monat eingeleitet wurden, zeigen: Die Welt wartet nicht mehr darauf, dass Washington gnädig nickt.

Natürlich sind Freihandelsabkommen Minenfelder voller rechtlicher und politischer Komplexitäten. Ob die EU das Mercosur-Abkommen rechtzeitig vollständig ratifizieren kann, wird zum Lackmustest ihrer Handlungsfähigkeit. Doch die Unternehmen warten nicht auf eine vollständige Landkarte der neuen Handelsordnung.

Irischer Whiskey sucht neue Abnehmer

Die Irish Whiskey Association begrüßte das EU-Indien-Abkommen umgehend als "kritisch" für ihre Bemühungen, neue Kunden zu finden und die Kosten des 15-prozentigen US-Zolls abzufedern – wohlgemerkt auf ihrem größten Absatzmarkt. Deutsche Unternehmen wiederum investierten trotz aller EU-Vorbehalte gegenüber Peking im vergangenen Jahr so viel in China wie seit vier Jahren nicht mehr. Der Grund? Die Stärkung lokaler Lieferketten als Antwort auf eine zunehmend feindselige amerikanische Handelspolitik.

Wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit überrascht Experten

Die vierteljährliche Reuters-Umfrage unter 220 Ökonomen lieferte eine bemerkenswerte Erkenntnis: Das globale Wirtschaftswachstum wird für dieses Jahr weiterhin bei drei Prozent gesehen – exakt wie vor einem Jahr prognostiziert, trotz aller Lieferkettenanpassungen, die Trumps Umwälzung der Handelsbeziehungen erzwungen hat.

"Man schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Man schafft anderswo Arbeitsplätze durch Investitionen, man baut globale Widerstandsfähigkeit auf, weil man die Produktion nicht zu stark an einem Ort konzentriert."

So formulierte es WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Sie betonte, dass solche Abkommen typischerweise nach WTO-Regeln für freien und fairen Handel verfolgt würden.

Diversifikation schlägt Konfrontation

Für die meisten Länder erweist sich Diversifikation als klügere Wette denn offene Konfrontation mit den Vereinigten Staaten. Modellrechnungen der britischen Aston University ergaben, dass im Falle einer Eskalation um Grönland die angedrohten 25-prozentigen US-Zölle die europäischen Volkswirtschaften lediglich 0,26 Prozent des Pro-Kopf-Einkommens gekostet hätten – vorausgesetzt, sie hätten nicht mit Vergeltungsmaßnahmen reagiert. Das wäre weniger als die Hälfte der Kosten bei einer Gegenreaktion mit ebenfalls 25-prozentigen Zöllen auf US-Waren.

Grenzen der neuen Handelsdynamik

Zwei Faktoren könnten allerdings begrenzen, wie schnell und umfassend sich Länder und Unternehmen an den Trump'schen Handelsschock anpassen. Erstens die Zurückhaltung der chinesischen Behörden, die heimische Konsumnachfrage anzukurbeln. China wird den Ausfall des US-Marktes so bald nicht kompensieren können. Während Chinas Exporte seit den höheren US-Zöllen gestiegen sind, stagnierten seine Importe – was andere Länder, auch in Asien und Afrika, zwingt, ein wachsendes Handelsdefizit mit dem Reich der Mitte zu akzeptieren.

Zweitens besteht die Möglichkeit, dass die USA auf die Diversifikationsbemühungen ihrer Partner gereizt reagieren und ihr Gewicht einsetzen, um Länder von einem Weg abzubringen, der sie aus dem amerikanischen Orbit führen würde. Die Frage sei, so George vom Tony Blair Institute, inwieweit dies zu einer geopolitischen Bruchlinie werde.

Was bedeutet das für deutsche Anleger?

Die tektonischen Verschiebungen im Welthandel unterstreichen einmal mehr die Bedeutung einer soliden Vermögenssicherung. In Zeiten, in denen politische Entscheidungen über Nacht Lieferketten zerreißen und Märkte erschüttern können, gewinnen physische Edelmetalle als krisenfeste Anlageform an Bedeutung. Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als Wertspeicher bewährt – unabhängig davon, welcher Präsident gerade im Weißen Haus sitzt oder welche Zölle erhoben werden.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.

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