
Goldpreis vor historischem Sprung? Analysten sehen 8.650 Dollar als realistisches Szenario
Was sich derzeit an den Edelmetallmärkten abspielt, ist mehr als nur eine Kursbewegung – es ist ein Symptom einer tektonischen Verschiebung im globalen Finanzsystem. Die kanadische BMO Capital Markets hat in einer aufsehenerregenden Analyse skizziert, unter welchen Bedingungen der Goldpreis bis Ende 2027 auf sagenhafte 8.650 US-Dollar je Unze klettern könnte. Ein Gedankenexperiment? Vielleicht. Aber eines, das angesichts der aktuellen Weltlage erschreckend plausibel erscheint.
Gold durchbricht alle Erwartungen
Bereits im Januar dieses Jahres hat das gelbe Edelmetall die psychologisch wichtige Marke von 5.000 US-Dollar je Unze überschritten – und damit selbst die optimistischsten Prognosen der BMO-Analysten überholt. Was bedeutet das? Ganz einfach: Die klassischen Vorhersagemodelle hinken der Realität hinterher. Sie sind zu stark an historischen Daten kalibriert und können fundamentale Umbrüche schlichtweg nicht erfassen.
Die Analysten sprechen von der größten Systemverschiebung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Eine Aussage, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte. Denn sie impliziert nichts Geringeres als eine Neuordnung der globalen Machtverhältnisse – mit all den Unsicherheiten, die damit einhergehen.
Das Ende des Vertrauens in Fiat-Währungen?
Was treibt diese Entwicklung? BMO identifiziert mehrere Faktoren, die sich gegenseitig verstärken. Da wäre zunächst die wachsende Skepsis gegenüber der Belastbarkeit staatlicher Bilanzen. Die Schuldenberge türmen sich weltweit – auch in Deutschland, wo die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz trotz gegenteiliger Wahlversprechen ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen aufgelegt hat. Generationen werden die Zinslast dieser Politik tragen müssen.
Hinzu kommt das sogenannte „Sell America"-Narrativ, das den US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen unter Druck setzt. Doch die Flucht ins Gold beschränkt sich keineswegs auf Amerika-Skeptiker. Auch in Japan wurden zuletzt massive Anleiheverkäufe beobachtet, begleitet von heftigen Yen-Schwankungen. Die Frage, welche Anlagen in Krisenzeiten tatsächlich als sicherer Hafen taugen, wird immer drängender gestellt.
Die Annahmen hinter dem Bull-Case
BMO hat für sein optimistisches Szenario konkrete Parameter definiert. Die Analysten rechnen mit:
Zentralbankkäufen von durchschnittlich 8 Millionen Unzen pro Quartal. ETF-Zuflüssen von 4 bis 5 Millionen Unzen je Quartal. Einer fortgesetzten Erosion realer Renditen sowie einem schwächeren US-Dollar. Unter diesen Voraussetzungen ergeben sich folgende Preisziele: Rund 6.350 US-Dollar je Unze bis zum vierten Quartal 2026 und etwa 8.650 US-Dollar bis Ende 2027.
„Ein Ausblick auf Gold und Edelmetalle ist im Kern eine Wette auf die künftige Ausgestaltung des Weltfinanzsystems – und auf den Übergang, der dorthin führt."
Silber holt auf – Gold-Silber-Verhältnis auf Mehrjahrestief
Parallel zum Goldpreis explodiert auch Silber. Das weiße Metall hat die 100-Dollar-Marke überschritten, das Gold-Silber-Verhältnis ist unter 50 Punkte gefallen – ein Mehrjahrestief. BMO skizziert für Silber im Bull-Case Preise von etwa 160 US-Dollar je Unze bis Ende 2026 und rund 220 US-Dollar bis Ende 2027.
Bemerkenswert ist die Begründung: Das neue globale Risikoumfeld könnte auch den „Nicht-Gold"-Edelmetallen eine stärkere Schutzfunktion zuschreiben. Verstärkt durch eine wachsende Retail-Beteiligung, gewinnt Silber als Absicherungsinstrument an Bedeutung – obwohl es traditionell stärker durch industrielle Faktoren geprägt ist.
Was bedeutet das für Anleger?
Die BMO-Analyse ist keine offizielle Prognose, sondern eine Landkarte möglicher Preisräume. Doch sie verdeutlicht eines unmissverständlich: Physische Edelmetalle bleiben ein unverzichtbarer Baustein für jeden, der sein Vermögen langfristig schützen möchte. In einer Welt, in der Fiat-Währungen zunehmend unter Druck geraten und geopolitische Spannungen eskalieren, bieten Gold und Silber genau das, was Papiergeld nicht mehr garantieren kann – echten, greifbaren Wert.
Wer sein Portfolio noch nicht um physische Edelmetalle ergänzt hat, sollte die aktuellen Entwicklungen als Weckruf verstehen. Die Zeit der billigen Einstiegskurse könnte schneller vorbei sein, als manchem lieb ist.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst für seine Investitionsentscheidungen verantwortlich und sollte vor dem Kauf von Wertpapieren oder Edelmetallen eine eigene, sorgfältige Recherche durchführen sowie gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

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