
Grönland-Krise: US-Vizepräsident Vance lässt europäische Diplomaten zittern
Die transatlantischen Beziehungen stehen vor einer Zerreißprobe, wie sie seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt wurde. Nach einem als desaströs beschriebenen Treffen zwischen europäischen Diplomaten und US-Vizepräsident J.D. Vance in Washington wachsen die Sorgen um die Zukunft Grönlands – und damit um die geopolitische Stabilität des gesamten Nordatlantiks. Ein anonymer europäischer Diplomat brachte die Stimmung auf den Punkt: „Vance hasst uns."
Ein Treffen, das alle Erwartungen untergrub
Eigentlich hatten Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen und seine grönländische Amtskollegin auf Gespräche mit US-Außenminister Marco Rubio gehofft. Doch stattdessen fanden sie sich einem angespannten Vance gegenüber, der offenbar wenig Interesse an diplomatischen Kompromissen zeigte. Die Beteiligung des Vizepräsidenten an den Verhandlungen habe auf europäischer Seite regelrecht Alarm ausgelöst, wie das Politikmagazin Politico berichtet.
Präsident Donald Trump hatte zuvor unmissverständlich klargemacht, dass die Vereinigten Staaten „Eigentum" an Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit benötigten – notfalls auch unter Anwendung militärischen Drucks. Eine Rhetorik, die selbst hartgesottene NATO-Verbündete schockierte und in Kopenhagen die Warnung auslöste, ein solcher Schritt könne das westliche Bündnis nachhaltig beschädigen.
Fundamentale Meinungsverschiedenheiten bleiben bestehen
Nach dem Treffen sprachen beide Seiten von offenen, aber harten Gesprächen. Rasmussen räumte ein, es bestehe weiterhin eine „fundamentale Meinungsverschiedenheit". Man habe sich lediglich darauf geeinigt, eine hochrangige Arbeitsgruppe einzusetzen, um mögliche Wege zwischen amerikanischen Sicherheitsinteressen und den „roten Linien" Dänemarks und Grönlands auszuloten. Doch wer glaubt ernsthaft, dass eine solche Arbeitsgruppe die Ambitionen der Trump-Administration bremsen könnte?
Die historische Dimension dieser Entwicklung sollte niemanden überraschen. Bereits 1946 wollte Präsident Harry Truman die arktische Insel für 100 Millionen Dollar in Gold erwerben. Der amerikanische Appetit auf Grönland ist also keineswegs neu – nur die Dreistigkeit, mit der er heute artikuliert wird, hat eine neue Qualität erreicht.
Europa: Zwischen Ohnmacht und Selbsterkenntnis
Was diese Krise besonders brisant macht, ist die schonungslose Offenlegung europäischer Schwäche. Jahrzehntelang haben sich die europäischen NATO-Staaten auf den amerikanischen Sicherheitsschirm verlassen, während sie ihre eigenen Verteidigungsausgaben sträflich vernachlässigten. Schon Barack Obama forderte 2014 die Europäer auf, endlich drei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts fürs Militär auszugeben. Angela Merkel antwortete damals, Deutschland könne diese Summe erst 2030 aufbringen. Man lachte Trump aus, als er 2016 nachdoppelte. Nun präsentiert Washington die Rechnung.
Die Ironie der Geschichte könnte kaum bitterer sein: Dieselben europäischen Regierungen, die Russland über Jahrzehnte hinweg die Respektierung seiner Sicherheitsinteressen verweigerten, fordern nun lautstark, dass ihre eigenen „roten Linien" geachtet werden. Eine Doppelmoral, die in Washington offenbar auf wenig Verständnis stößt.
Wer ist eigentlich „uns"?
Die entscheidende Frage, die sich bei der Aussage „Vance hasst uns" stellt, lautet: Wer genau ist mit „uns" gemeint? Die europäischen Bürger, die zu 70 bis 90 Prozent ihre eigenen Regierungen ablehnen? Oder die Brüsseler Bürokratie, die einen ganzen Kontinent mit immer neuen Regulierungen überzieht, die Meinungsfreiheit einschränkt und Steuern sowie Abgaben ins Unermessliche treibt?
Vielleicht sollte sich der anonyme Diplomat einmal fragen, ob die Ablehnung durch die US-Regierung nicht auf denselben Gründen basiert wie die Ablehnung durch die eigenen Bürger. Die Mehrheit der Deutschen, Franzosen und Briten hat längst das Vertrauen in ihre politische Führung verloren. Dass Vance diese Einschätzung teilt, macht ihn in gewisser Weise mehrheitsfähig – zumindest unter den europäischen Völkern, wenn auch nicht unter deren Eliten.
Die strategische Bedeutung Grönlands
Grönland ist mehr als nur eine eisbedeckte Insel am Rande der Welt. Die Insel beherbergt immense Bodenschätze, darunter seltene Erden, die für die moderne Technologieproduktion unverzichtbar sind. Wer diese Ressourcen kontrolliert, kontrolliert einen wesentlichen Teil der globalen Lieferketten. China und Russland haben dies längst erkannt und ihre Aktivitäten in der Arktis massiv ausgebaut.
Die USA betreiben bereits seit dem Zweiten Weltkrieg die Thule Air Base in Grönland – einen strategisch wichtigen Stützpunkt für die Überwachung des Nordatlantiks und die Raketenabwehr. Doch offenbar reicht Washington diese Präsenz nicht mehr aus. In Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen will die Trump-Administration volle Kontrolle über die Insel erlangen.
Ein Weckruf für Europa?
Die Grönland-Krise sollte Europa als Weckruf dienen. Jahrzehntelang hat man sich in der bequemen Illusion gewiegt, die transatlantische Partnerschaft sei unerschütterlich. Nun zeigt sich, dass Amerika unter Trump seine Interessen mit einer Rücksichtslosigkeit verfolgt, die selbst engste Verbündete nicht verschont.
Die Frage ist nicht mehr, ob Europa sich emanzipieren muss, sondern ob es dazu überhaupt noch in der Lage ist. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur angekündigt, doch ob dies ausreicht, um Europas strategische Handlungsfähigkeit wiederherzustellen, darf bezweifelt werden. Solange die europäischen Regierungen mehr damit beschäftigt sind, ihre eigenen Bürger zu gängeln, als ihre Verteidigungsfähigkeit aufzubauen, wird der Kontinent ein Spielball fremder Mächte bleiben.
Die Grönländer selbst, deren Meinung in diesem geopolitischen Schachspiel kaum jemanden zu interessieren scheint, streben übrigens mehrheitlich nach Unabhängigkeit – allerdings nur, wenn ihr Lebensstandard darunter nicht leidet. Eine verständliche Haltung, die jedoch in den Machtzentralen von Washington, Kopenhagen und Brüssel auf wenig Gehör stoßen dürfte.

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