
Kohle-Comeback: Hormus-Krise treibt Weltverbrauch auf Rekordhoch
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose kassiert und ins Gegenteil verkehrt: Statt eines Rückgangs erwartet sie für 2026 nun ein Plus von 1,2 Prozent auf 8,94 Milliarden Tonnen Kohle – ein neuer Weltrekord. Grund sind ausgefallene LNG-Lieferungen durch die Straße von Hormus und explodierende Gaspreise. Das geht aus dem im September veröffentlichten Halbjahres-Update der Agentur hervor.
Ein Nadelöhr am Golf – und die halbe Welt feuert wieder Kohle
Durch Hormus fließt praktisch keine Kohle. Aber ein erheblicher Teil der Flüssiggas-Exporte des Golfs. Genau das ist der Hebel: Wird Gas knapp und teuer, wird Kohlestrom wieder konkurrenzfähig – und Versorger mit freier Kapazität drehen auf.
Wie dramatisch die Lage ist, zeigen Schiffsdaten vom 10. September: Nur sieben Warentransite wurden registriert, kein einziger LNG-Tanker passierte die Meerenge. Betroffen sind Europa, China, Japan und Südkorea gleichermaßen.
Und die Engpässe könnten bleiben. QatarEnergy verhandelt Berichten zufolge über US-Lieferungen bis 2031, nachdem Angriffe Teile der Anlagen in Ras Laffan beschädigt haben. Rund 12,8 Millionen Tonnen Jahreskapazität fehlen – Reparaturen könnten bis zu fünf Jahre dauern.
China und Indien drücken aufs Gas – pardon: auf die Kohle
China bleibt mit über 56 Prozent des Weltverbrauchs der Gigant im Markt. Für 2026 erwartet die IEA dort ein Plus von einem Prozent auf fünf Milliarden Tonnen, auch weil hohe Ölpreise den Kohleeinsatz in der Chemieindustrie anheizen.
Indien legt sogar um 4,2 Prozent auf 1,353 Milliarden Tonnen zu. Ein kräftiges El-Niño-Phänomen treibt den Kühlbedarf und dürfte zugleich die Wasserkraft schwächen. Südkorea plus sechs Prozent, Japan minus eins, die USA minus sieben – die Weltkarte der Energie wird gerade neu gezeichnet.
Weniger Förderung, leerere Lager, höhere Preise
Der Rekordhunger trifft auf ein engeres Angebot. Nach dem Förderrekord 2025 soll die Produktion 2026 sinken, wenn auch über neun Milliarden Tonnen bleiben. In China haben verschärfte Sicherheitskontrollen nach einem schweren Grubenunglück die Förderung gedrosselt.
Die Folge: schrumpfende Lagerpolster und Importeure, die sich am Weltmarkt drängeln. Newcastle-Thermalkohle kletterte im ersten Halbjahr zeitweise auf 150 Dollar je Tonne.
Und Deutschland? Debattiert über das, was es gerade abschaltet
Während die Welt Kohle zurück ins Netz holt, prüft Berlin Medienberichten zufolge seit Wochen, ob alte Steinkohlemeiler aus der Reserve reaktiviert werden sollen – gegen Gasknappheit und Rekordstrompreise. Ausgerechnet jene Kraftwerke, deren Ende politisch längst beschlossen ist.
Für viele Bürger und Mittelständler wirkt das wie ein Offenbarungseid: Eine Energiepolitik, die planbare Kapazitäten abbaut, bevor der Ersatz steht, wird nun von der Realität eingeholt. Kritiker mahnen seit Jahren, dass Versorgungssicherheit kein Nebenschauplatz sei, sondern die Grundlage industrieller Wertschöpfung.
Was 2027 bringt – und was das für Anleger heißt
Die IEA rechnet für 2027 mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 8,91 Milliarden Tonnen. Bedingung: LNG fließt wieder, Gaspreise fallen. Bleibt Hormus eng, dürfte der nächste Rekord folgen.
Die Lehre ist unbequem: Geopolitik schlägt Klimaplan. Wer sein Vermögen gegen Energiepreisschocks und Inflationsschübe wappnen will, setzt traditionell auch auf physische Edelmetalle als krisenerprobte Beimischung eines breit gestreuten Portfolios.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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