
Kreta am Rand des Blackouts: Alte Kraftwerke retten die Insel
Auf Kreta ging am Montag, 7. September 2026, kurz vor der Mittagszeit fast das Licht aus. Gegen 11.30 Uhr brach die große Hochspannungs-Gleichstromverbindung zwischen Attika und der Insel komplett zusammen. Rund 350 Megawatt verschwanden binnen Sekunden aus dem Netz – bei einem Inselbedarf von etwa 580 bis 600 Megawatt.
Über die Hälfte der benötigten Leistung: einfach weg. In allen vier Regionalbezirken fiel der Strom aus, mehr als 30 Menschen saßen zeitweise in Aufzügen fest.
Heraklion, Chania, Rethymno – mitten in der Hochsaison
Betroffen waren Berichten zufolge große Teile von Heraklion sowie Chersonissos, Malevizi und Viannos. Auch Chania, Rethymno und Agios Nikolaos lagen zeitweise im Dunkeln.
Pikant: Die Störung traf die Insel in einer noch laufenden, starken Touristensaison. Neben Haushalten standen Hotels, Restaurants und zahllose Betriebe ohne Strom da – Kühlketten, Kassensysteme, Klimaanlagen, alles gleichzeitig.
Bei der genauen Ausfallleistung weichen die Angaben leicht voneinander ab. Ein erster ausführlicher Bericht nennt 350 Megawatt, das Portal eKriti spricht von rund 300 Megawatt bei einem Bedarf von 608 Megawatt. In beiden Varianten brach schlagartig etwa die Hälfte der Versorgung weg.
Ein Kurzschluss – und das Vorzeigeprojekt liegt still
Als Auslöser nannte der Betriebsratsvorsitzende des Kraftwerks Linoperamata später einen Kurzschluss in Hilfssystemen der Großverbindung. Eine offizielle technische Abschlussanalyse liegt bislang nicht vor.
Dabei gilt das Seekabel als Prestigeprojekt der griechischen Energiewende: Die Verbindung wurde Medienberichten zufolge im Mai 2025 in Betrieb genommen, ist für bis zu 1.000 Megawatt ausgelegt, die Konverterstationen lieferte Siemens Energy. Seit dem 17. Dezember 2025 deckte Kreta seinen Verbrauch im Normalbetrieb komplett ohne lokale thermische Kraftwerke – über die zwei Festlandsverbindungen und Erneuerbare. Der Netzbetreiber ADMIE feierte das Abschalten der fossilen Inselkraftwerke als Erfolg.
Gerettet von den Maschinen, die man abschalten wollte
Am 7. September waren es dann ausgerechnet die alten Anlagen, die den Totalzusammenbruch verhinderten. In Linoperamata starteten fünf Gasturbinen, weitere Einheiten gingen in Xylokamara bei Chania und in Atherinolakkos ans Netz – dort liefen auch ältere Dieselaggregate wieder an. Nach Angaben der Beschäftigten brauchen die Turbinen in Linoperamata nur zehn bis 15 Minuten bis zur Einsatzbereitschaft.
Hinzu kam: Die kleinere Verbindung zur Peloponnes blieb in Betrieb, Wind- und Solaranlagen speisten ein. So ließ sich die Versorgung schrittweise wiederherstellen.
Brisant ist der Zeitpunkt. Ab 1. Oktober sollen mehrere dieser Anlagen in die kalte Reserve wechseln – abgeschaltet, nur bei Bedarf hochfahrend. Vertreter des Kraftwerks Linoperamata fordern nach dem Vorfall eine erneute Bewertung dieses Konzepts.
Die Lehre reicht weit über Kreta hinaus
Aus Sicht unserer Redaktion liefert Kreta ein Lehrstück, das auch deutsche Energiepolitiker interessieren sollte: Eine leistungsstarke Leitung ersetzt keine gesicherte, in Minuten verfügbare Reserveleistung. Fällt eine Trasse aus, entscheidet nicht die Kabelkapazität über das Licht im Haus, sondern die Maschine, die anläuft.
Wer Netze auf Kante baut und Reserven als Kostenfaktor betrachtet, wettet auf Störungsfreiheit. Kreta zeigt, wie schnell diese Wette wackelt – und wie schmal der Grat zwischen Stromausfall und flächendeckendem Blackout ist.
Für Bürger bleibt die nüchterne Erkenntnis: Resilienz kostet Geld, ihr Fehlen kostet mehr. Wer sein Vermögen krisenfest aufstellen will, setzt aus gutem Grund auch auf Sachwerte wie physisches Gold und Silber – als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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