
Machtkampf um die Fed: Trump will Powell-Nachfolger durchdrücken
Die amerikanische Notenbank steht vor einem historischen Umbruch. US-Präsident Donald Trump kündigte bei einer Kabinettssitzung in Washington an, bereits in der kommenden Woche seinen Wunschkandidaten für den Chefposten der Federal Reserve zu nominieren. Was auf den ersten Blick wie eine routinemäßige Personalentscheidung wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als frontaler Angriff auf die Unabhängigkeit der mächtigsten Zentralbank der Welt.
Trumps Favoritenkarussell dreht sich
„Es wird eine Person sein, die, wie ich denke, gute Arbeit leisten wird", ließ der Präsident verlauten – eine Formulierung, die in ihrer Vagheit kaum zu überbieten ist. Doch hinter den Kulissen tobt längst ein erbittertes Ringen um die Nachfolge des amtierenden Fed-Chefs Jerome Powell, dessen Mandat am 15. Mai nach rund acht Jahren ausläuft.
Die Kandidatenliste liest sich wie ein Who's Who der amerikanischen Finanzwelt: Christopher Waller, von Trump selbst in den Fed-Vorstand berufen, gilt als aussichtsreicher Anwärter. Ebenso wird das frühere Zentralbank-Mitglied Kevin Warsh gehandelt. Überraschend brachte Trump zudem Rick Rieder vom Investmentgiganten Blackrock ins Spiel, den er als „beeindruckend" bezeichnete. Der zwischenzeitliche Favorit Kevin Hassett, Vorsitzender des Wirtschaftsrats im Weißen Haus, scheint hingegen aus dem Rennen – Trump wolle ihn „behalten, wo er ist".
Powell im Fadenkreuz: Vom Wunschkandidaten zum „Schwachkopf"
Die Ironie der Geschichte könnte kaum größer sein: Ausgerechnet Trump hatte den Republikaner Powell 2017 selbst nominiert. Doch die anfängliche Harmonie wich schnell offener Feindseligkeit. Seit seiner erneuten Vereidigung vor gut einem Jahr verschärfte der Präsident seine Attacken auf den Notenbankchef in beispielloser Weise und stellte damit die Unabhängigkeit der Fed fundamental in Frage.
Die jüngste Eskalation erreichte einen neuen Tiefpunkt: Powell teilte mit, die US-Justiz drohe ihm mit Ermittlungen, nachdem Trump ihm angeblichen „Betrug" bei der Renovierung des Zentralbankgebäudes unterstellt hatte. Eine absurde Anschuldigung, die jedoch zeigt, mit welchen Mitteln der Präsident bereit ist zu kämpfen.
Zinspause als Auslöser neuer Tiraden
Die am Mittwoch verkündete Entscheidung der Fed, den Leitzins nach drei Absenkungen in Folge in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen, brachte das Fass zum Überlaufen. Trump bezeichnete Powell erneut als „Schwachkopf" und forderte vor seinen Ministern: „Wir sollten den niedrigsten Zinssatz weltweit haben." Der Leitzins solle „um zwei Punkte oder sogar um drei Punkte niedriger liegen".
Wirtschaftsexperten schlagen Alarm
Was Trump als wirtschaftspolitische Notwendigkeit verkauft, betrachten Ökonomen mit wachsender Sorge. Wirtschaftswissenschaftler warnen eindringlich vor schwerwiegenden Verwerfungen im internationalen Finanzsystem, sollte die einflussreiche Fed künftig dem Willen des unberechenbaren Präsidenten gehorchen. Die Unabhängigkeit der Zentralbank gilt seit Jahrzehnten als Garant für monetäre Stabilität – nicht nur in den USA, sondern weltweit.
Die Personalentscheidung bedarf zwar der Zustimmung des US-Senats, doch angesichts der republikanischen Mehrheit dürfte dies kaum ein ernsthaftes Hindernis darstellen. Für Anleger und Sparer bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: erhöhte Unsicherheit. In Zeiten, in denen politische Einflussnahme auf Währungshüter zunimmt, gewinnen wertstabile Anlagen wie physische Edelmetalle als Absicherung gegen geldpolitische Experimente zusätzlich an Bedeutung.

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