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Kettner Edelmetalle
17.09.2026
21:34 Uhr

Merz-Satz zum Judenhass: Sind deutsche Juden jetzt Ausländer?

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wollte beim Wahlkampf-Schlussspurt der Berliner CDU Härte demonstrieren – und lieferte stattdessen einen Satz, der seit Donnerstag durch die Republik hallt. „Die perfideste Form der Ausländerfeindlichkeit ist Antisemitismus“, sagte Merz laut Medienberichten vor Parteianhängern in der Hauptstadt. Am Sonntag, dem 20. September 2026, wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus.

Ein Satz, der Hunderttausende Deutsche zu Fremden macht

Der Auftritt sollte dem CDU-Spitzenkandidaten Stefan Evers Schub geben. Doch der Kanzler schob Judenhass sprachlich in die Schublade „Ausländerfeindlichkeit“ – ungeachtet der Tatsache, dass Hunderttausende Juden in Deutschland deutsche Staatsbürger sind.

Beobachter werteten das als unfreiwilliges Eingeständnis eines Denkfehlers: Wer Antisemitismus als Spielart der Ausländerfeindlichkeit definiert, erklärt jüdische Deutsche implizit zu Fremden im eigenen Land. Zudem gleichen sich die Motive von Judenhass und Fremdenfeindlichkeit gerade nicht – ein Unterschied, den jede Antisemitismusforschung kennt.

In den Kommentarspalten fragten Leser prompt, ob Albert Einstein oder Walther Rathenau nach dieser Logik Ausländer gewesen seien. Selbst über die Berichterstattung stolperten Medien: Der Spiegel meldete zunächst einen Aufruf gegen Rassismus und korrigierte später.

Woher der Hass kommt? Darüber sprach Merz lieber nicht

Bemerkenswert war, was der Kanzler nicht sagte. Den wachsenden Antisemitismus verortete er laut Bericht allgemein „aus Teilen unserer Gesellschaft“. Parallelgesellschaften, islamistisch geprägte Milieus oder deren linke Stichwortgeber blieben unerwähnt.

Dafür bekannte sich Merz erneut zum „Einwanderungsland“ Deutschland: Ohne Zuwanderer funktionierten Krankenhäuser, Altenheime, Baustellen und Hotels nicht. Gleichzeitig kündigte er weitere Begrenzung an – „Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen“ – und lobte Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) für eine „fundamentale Korrektur“. Wer sich nicht an Regeln halte, müsse das Land verlassen.

Für viele Bürger dürfte das nach dem bekannten Muster klingen: markige Worte im Wahlkampf, zögerlicher Vollzug im Alltag. Dass Ausländerkriminalität und Judenhass in Berlin „an der Tagesordnung“ seien und sich das Land „wehren“ müsse, sagte der Kanzler – die Frage, welche politischen Entscheidungen diese Lage über Jahre hinweg erst ermöglicht haben, stellte er nicht.

Volker Beck springt ein – und redet über die Linke

Die Klarstellung übernahm anschließend ausgerechnet ein Grüner. Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, saß als Gast auf dem Podium – Merz und Evers hatten den Saal zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Der Abgang habe nach Darstellung des Berichts fast fluchtartig gewirkt; offiziell sei die Termindauer überschritten gewesen.

Beck erklärte auf der Bühne:

„Ich fürchte mich ganz persönlich“

– und zwar vor einer Regierungsbeteiligung der Linken in Berlin. Er fragte laut Bericht, wie Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp als Regierende Bürgermeisterin gegen Antisemitismus und die Hamas vorgehen wolle, wenn ihr das in der eigenen Partei nicht gelinge. Die Sicherheit von Juden sei gefährdet, weil die Linke zum Terror „fast aufrufen“ würde.

Und die Wähler? Ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Die Zuspitzung kommt zur Unzeit für die Union. In der finalen ZDF-Umfrage führt die Linke mit 22 Prozent vor der CDU mit 20 Prozent, die AfD liegt bei 18 Prozent. Ob ein missglückter Satz über „Ausländerfeindlichkeit“ am Ende Stimmen kostet, entscheidet sich am Sonntag – dann bis 18 Uhr in den Wahllokalen der Hauptstadt.

Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.

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