
Merz telefoniert mit Trump: Ölader dicht, Sanktionen scharf!
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Donnerstag mit US-Präsident Donald Trump telefoniert. Das bestätigte Regierungssprecher Stefan Kornelius. Auf der Tagesordnung: der Krieg in der Ukraine, das neue US-Sanktionsgesetz gegen Russland – und die blockierten Seewege am Golf und im Roten Meer.
Lob aus Berlin für den Sanktionshammer aus Washington
Merz habe die Verabschiedung des sogenannten Graham-Sanktionsgesetzes durch den Kongress ausdrücklich gewürdigt, hieß es aus dem Kanzleramt. Das Gesetz zielt auf Russlands Energie- und Rüstungsindustrie sowie auf die berüchtigte „Schattenflotte“ aus überalterten Tankern, mit der Moskau westliche Preisdeckel umschifft.
Der eigentliche Sprengsatz steckt aber woanders: Trump darf künftig Strafzölle gegen die größten Abnehmer russischen Öls und Gases verhängen. Medienberichten zufolge sind Aufschläge von bis zu 100 Prozent möglich, ins Visier geraten sollen die fünf größten Käufer russischer Energieträger. Das Repräsentantenhaus stimmte demnach mit 262 zu 159 Stimmen zu, der Senat hatte bereits vor rund einem Monat grünes Licht gegeben.
Wer bezahlt am Ende die Rechnung?
Nüchtern betrachtet ist das ein Instrument mit zwei Schneiden. Wer die größten Importeure russischer Energie mit Zöllen belegt, trifft vor allem Indien und China – und riskiert neue Verwerfungen in Lieferketten, die ohnehin ächzen. Selbst manche Unterstützer der Ukraine stimmten laut Berichten gegen das Gesetz, weil es dem Präsidenten enorme Ermessensspielräume einräume.
Für deutsche Industriebetriebe, die seit Jahren mit Energiepreisen auf Rekordniveau kämpfen, ist jede weitere Eskalation auf den Rohstoffmärkten eine schlechte Nachricht. Beobachter warnen, dass Sanktionsspiralen selten dort ankommen, wo sie gemeint sind – sondern an der Tankstelle und auf der Stromrechnung.
Straße von Hormus: Die gefährlichste Meerenge der Welt bleibt blockiert
Zweites großes Thema des Telefonats: die Lage in der Straße von Hormus und im Roten Meer. Beide Wasserwege müssten schnell wieder geöffnet werden – darin seien sich Kanzler und Präsident einig gewesen, so der Regierungssprecher.
Der Befund ist dramatisch. Durch Hormus liefen vor dem Iran-Krieg Berichten zufolge täglich rund 40 große Rohöltanker. Seit der Eskalation zwischen Washington und Teheran gilt die Meerenge faktisch als blockiert; der Brent-Preis kletterte zuletzt wieder über 100 US-Dollar je Fass. Eine Einigkeit im Telefonat öffnet allerdings noch keinen einzigen Seeweg.
Gold als stiller Gewinner der Weltunordnung
Merz und Trump erinnerten zudem an die Anschläge vom 11. September 2001, die sich vergangene Woche zum 25. Mal jährten. Der Kanzler habe die besondere Verbundenheit zwischen Deutschen und Amerikanern betont.
Doch die Symbolik ändert nichts an der Nüchternheit der Zahlen: Krieg in der Ukraine, brennender Naher Osten, blockierte Handelsrouten, Zölle als Standardwaffe. Kein Zufall, dass der Goldpreis Marktberichten zufolge Anfang September bei rund 4.350 US-Dollar je Unze notierte – historisch außergewöhnlich hoch.
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