
Merz wundert sich über Deutschland – drei Tage vor der Berlin-Wahl
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat kurz vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus die Sozialreformen seiner Regierung verteidigt – und ganz nebenbei den Medien ein zu düsteres Deutschland-Bild vorgeworfen. Bei einem CDU-Wahlkampfauftritt in Berlin sagte er einem Zeitungsbericht zufolge:
«Das kann doch nicht das Deutschland sein, das ich so häufig in den Medien sehe, von diesen ganzen Problemen.»
Der Satz fiel drei Tage vor dem Urnengang am 20. September – einem Termin, der für die Union brenzlig werden könnte.
Probleme? Ja. Aber bitte nicht so laut
Merz räumte Schwierigkeiten ausdrücklich ein: Deutschland habe Probleme, und man wolle sie lösen. Bei den sozialen Sicherungssystemen hole die Koalition aus Union und SPD nach, was längst hätte geschehen müssen.
Im Zentrum stehe die Frage, welche Perspektiven die jüngere Generation überhaupt noch habe. Die geplante Rentenreform nehme «niemandem etwas weg», sondern solle neben dem Umlagesystem einen Kapitalstock aufbauen. Auch Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Arbeitsmarkt sollen reformiert werden.
Klingt gut. Nur: Angekündigt wird der große Wurf bei der Rente seit Jahrzehnten. Die demografische Rechnung – immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner – kennt jeder Finanzminister seit Norbert Blüm. Passiert ist wenig.
Start-ups als Gegenbild zur Krisenstimmung
Als Kontrast zur schlechten Laune im Land verwies der Kanzler auf die Gründerszene. 2025 seien mehr als 3500 Start-ups entstanden – 30 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie nie zuvor. Im ersten Halbjahr 2026 seien rund 3000 weitere hinzugekommen.
Berlin nannte Merz die «KI-Hauptstadt» und «Start-up-Hauptstadt» Deutschlands. Dieselben Zahlen hatte er bereits im Juni im Bundestag vorgetragen. Wirtschaftlich sieht er nach sechzehn Monaten Regierungszeit eine Trendwende: Deutschland sei «auf dem Weg raus aus der Krise», für 2026 erwarte er ein Wachstum von rund 1,3 Prozent – nach seinen Angaben etwa sechzig Milliarden Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung.
Nüchtern betrachtet wäre das nach zwei Rezessionsjahren allerdings eher ein Aufatmen als ein Aufschwung. Und finanziert wird der Anschub zu einem erheblichen Teil über das 500-Milliarden-Sondervermögen – also über Schulden, die kommende Generationen abtragen müssen.
Warum der Ton so defensiv klingt
Der Zeitpunkt der Rede erklärt einiges. Laut einer Vorwahlumfrage von infratest dimap für die ARD vom 10. September lag die Linke in Berlin mit 21 Prozent hauchdünn vor der CDU (20 Prozent), dahinter die AfD mit 18 Prozent, die Grünen mit 16 und die SPD mit 12 Prozent. 2023 hatte die CDU noch 28,2 Prozent geholt.
Der bisherige Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte seine erneute Kandidatur den Berichten zufolge bereits im Sommer zurückgezogen. Berlin bekommt also in jedem Fall ein neues Stadtoberhaupt.
Stimmung lässt sich nicht herbeireden
Aus Sicht unserer Redaktion liegt der Kern des Problems woanders: Bürger bewerten ihr Land nicht nach Gründungsstatistiken, sondern nach Strompreis, Steuerlast, Rentenbescheid und dem Gefühl von Sicherheit auf der Straße. Wer diese Erfahrungen zum Medienproblem erklärt, riskiert, an der Wahlurne korrigiert zu werden.
Viele Sparer ziehen daraus längst eigene Schlüsse – und setzen neben klassischen Anlagen auf physische Edelmetalle als krisenerprobten Anker gegen politische Unwägbarkeiten und Kaufkraftverlust.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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