
Moskau zweifelt am US-Iran-Frieden: Wenn der Kreml Washington Realitätssinn predigt
Es ist eine bemerkenswerte Konstellation: Während in Washington Optimismus über eine mögliche Annäherung zwischen den USA und dem Iran verbreitet wird, gießt ausgerechnet Moskau Wasser in den Wein. Dmitri Medwedew, einst Präsident Russlands und heute stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrats, hat sich zu Wort gemeldet – und seine Einschätzung fällt ernüchternd aus.
Der „böse Cop" des Kremls meldet sich zu Wort
Medwedew gilt seit Jahren als die schärfste Zunge des Kremls. Wo Putin diplomatisch laviert, wählt sein einstiger Stellvertreter regelmäßig die maximalistische Rhetorik. Diesmal richtet sich seine Skepsis gegen die jüngsten Bemühungen, einen dauerhaften Frieden zwischen Washington und Teheran zu erreichen.
Nur wenige Tage nach der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten erklärte Medwedew, es sei „voreilig", auf Frieden zu hoffen. Seine Begründung lieferte er gleich mit.
„Eine instabile Vereinbarung fliegt leicht durch neue Schläge gegen den Libanon oder andere Provokationen auseinander. Und genau das braucht das Kabinett Netanjahu, das sich durch Krieg an der Macht hält. Deshalb ist es voreilig, auf Frieden zu hoffen", so Medwedew am Samstag auf der russischen Plattform Max.
Seltene Kritik aus Moskau an Israel
Bemerkenswert ist dabei die offene Spitze gegen Israel. Medwedew warf der Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu vor, „durch Krieg getragen" zu werden – ein für hochrangige Kreml-Vertreter ungewöhnlich direkter Angriff auf den israelischen Regierungschef.
Das Verhältnis zwischen Moskau und Jerusalem war über weite Strecken des Syrien-Konflikts angespannt. Israelische Luftangriffe in Syrien führten mehrfach zu Spannungen mit russischen Streitkräften. Ein besonders schwerwiegender Vorfall ereignete sich im September 2018: Während eines israelischen Luftangriffs feuerte die syrische Flugabwehr – und traf ein russisches Aufklärungsflugzeug. Fünfzehn russische Soldaten kamen ums Leben. Putin sprach damals von einer „Kette tragischer Zufälle", Netanjahu äußerte sein Bedauern und wies die Verantwortung Syrien zu.
Russland und Iran: Eine Partnerschaft mit klaren Grenzen
Seit Beginn des Ukraine-Krieges haben Moskau und Teheran ihre Zusammenarbeit auf militärischem und wirtschaftlichem Gebiet deutlich ausgebaut. Doch die Partnerschaft hat ihre Grenzen, wie eine Analyse von Al Jazeera festhält: Während des jüngsten Konflikts zwischen dem Iran auf der einen sowie den USA und Israel auf der anderen Seite bot Russland vor allem rhetorische Unterstützung – konkrete militärische Hilfe blieb weitgehend aus.
Russlands schwindende Präsenz im Nahen Osten
Auch geostrategisch befindet sich Russland in einer schwierigen Lage. Nach dem Sturz von Machthaber Assad mussten sich die russischen Streitkräfte aus weiten Teilen des Nahen Ostens zurückziehen. Zwar verfügt Russlands Militär noch über Stützpunkte an der syrischen Küste, doch die Zukunft dieser Präsenz bleibt ungewiss. Moskau setzt nun auf „humanitäre" Missionen und versucht zugleich, diplomatische Kanäle zur neuen Regierung unter Scharaa zu öffnen.
Eine Lage, die viele Beobachter mit Sorge betrachten
Ob Medwedews düstere Prognose eintritt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Gemengelage im Nahen Osten ist nach den jüngsten Eskalationen zwischen Israel und dem Iran weiterhin äußerst fragil. Die anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah zeigen, wie schnell mühsam errungene Vereinbarungen ins Wanken geraten können.
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Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Investition eigenständig recherchieren oder fachkundigen Rat einholen.

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