
Moskaus Schachzug in Syrien: Putin empfängt Ex-Terroristen, während Russland und USA gleichzeitig abziehen
Was für ein bemerkenswertes Schauspiel der Weltpolitik: Der Kreml öffnet seine Pforten für einen Mann, der einst unter der schwarzen Flagge des IS kämpfte und syrische Al-Qaida-Ableger gründete. Ahmad al-Sharaa, früher bekannt als Abu Mohammad al-Jolani, wird nun als selbsternannter Präsident Syriens in Moskau hofiert. Die Realpolitik kennt offenbar keine moralischen Grenzen mehr.
Ein ehemaliger Terrorist auf diplomatischem Parkett
Präsident Putin empfing den syrischen Machthaber am Mittwoch mit diplomatischer Höflichkeit und betonte Russlands Engagement für die territoriale Integrität Syriens. „Russland hat die territoriale Integrität und Einheit Syriens unterstützt und eine historische Rolle für die Stabilität der Region gespielt", erklärte Putin während des Treffens. Zwischen den Zeilen wurde jedoch deutlich, worum es dem Kreml wirklich geht: die amerikanische Präsenz in den öl- und gasreichen Gebieten im Nordosten Syriens.
„Die Rückkehr Ostsyriens unter die Kontrolle von Damaskus ist ein wichtiger Schritt", so Putin unmissverständlich. Die Botschaft ist klar: Moskau akzeptiert einen Rückzug nur, wenn Washington ebenfalls das Feld räumt.
Koordinierter Abzug beider Großmächte
Die Entwicklungen vor Ort sprechen eine deutliche Sprache. Russische Truppen haben bereits einen phasenweisen Rückzug vom Flughafen Qamishli im Nordosten Syriens eingeleitet. Personal und Ausrüstung werden zur Luftwaffenbasis Hmeimim in Latakia verlegt. Bemerkenswert dabei: Die Verlegung erfolgte laut Sicherheitsquellen in Abstimmung mit beiden Seiten – sowohl der syrischen als auch der amerikanischen.
Journalisten der Associated Press, die den Stützpunkt neben dem Flughafen Qamishli besuchten, berichteten, dass dieser nun von Kämpfern der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) bewacht wird. Diese bestätigten, dass russische Truppen „Stück für Stück" über mehrere Tage hinweg abgezogen seien.
Die Kurden – wieder einmal im Stich gelassen
Während sich die Großmächte arrangieren, eskaliert die Gewalt in der Region. Syrische Truppen, die Sharaa loyal sind, greifen die kurdisch dominierten SDF an. Dieselben Kurden, die Washington jahrelang trainiert und bewaffnet hat, werden nun offenbar erneut von ihren amerikanischen Verbündeten fallen gelassen. Ein Muster, das sich in der Geschichte der US-Außenpolitik erschreckend oft wiederholt.
Moskaus strategisches Kalkül
Der Kreml hatte zunächst befürchtet, dass nach dem Sturz Baschar al-Assads eine „populistisch anti-russische" Regierung in Damaskus entstehen könnte. Doch die Russen zeigten sich „angenehm überrascht", wie Analysten des Londoner RUSI-Thinktanks berichten – auch wenn sie ihre Beziehungen im Vergleich zur Assad-Ära herunterstufen mussten.
Moskaus Hauptinteresse gilt dem einzigen russischen Tiefwasserhafen und der Mittelmeerbasis in Tartus. Diese scheint vorerst gesichert. Die russischen Operationen sollen sich künftig auf „humanitäre Zwecke" konzentrieren – eine diplomatische Umschreibung für eine deutlich reduzierte militärische Präsenz.
Die bittere Ironie dieser geopolitischen Neuordnung: Assad und seine Familie leben derzeit im Moskauer Exil in einer luxuriösen Wohnung und halten sich bedeckt, während ihr einstiger Todfeind nun als Staatsgast im Kreml empfangen wird.
Diese Entwicklungen zeigen einmal mehr, wie schnell sich die Koordinaten der Weltpolitik verschieben können. Ideologische Grundsätze weichen pragmatischen Interessen, und wer gestern noch als Terrorist galt, sitzt heute am Verhandlungstisch der Mächtigen. Für die Menschen in Syrien, insbesondere die kurdische Bevölkerung, verheißt diese neue Ordnung wenig Gutes.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











