
Nach über 50 Jahren: NASA wagt erneut bemannten Mondflug – Ein historischer Moment mit Fragezeichen
Es ist ein Bild, das Erinnerungen an längst vergangene Zeiten weckt: Eine gewaltige Rakete auf der Startrampe des Kennedy Space Center, bereit, Menschen zum Mond zu befördern. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach den legendären Apollo-Missionen steht die NASA vor einem neuen Kapitel der bemannten Raumfahrt. Die Artemis-II-Mission könnte bereits am 6. Februar 2025 abheben – doch der Weg dorthin ist steinig.
Ein Koloss aus Stahl und Treibstoff
Das Space Launch System, wie die NASA ihre neue Schwerlastrakete nennt, ist ein technisches Meisterwerk von beeindruckenden Dimensionen. Über 700.000 Gallonen flüssiger Sauerstoff und Wasserstoff sowie zwei Feststoffraketen-Booster – die an die glorreiche Space-Shuttle-Ära erinnern – sollen die orange-weiße Gigantenkonstruktion in den Weltraum katapultieren. Hunderte Ingenieure und Techniker trotzten der winterlichen Kälte Floridas, um am 17. Januar den historischen Rollout aus dem Vehicle Assembly Building zur Startrampe zu beobachten.
Die vierköpfige Besatzung – bestehend aus den NASA-Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie dem kanadischen Astronauten Jeremy Hansen – soll auf ihrer zehntägigen Reise weiter von der Erde entfernt sein als je ein Mensch zuvor. Ein Unterfangen, das nicht nur technisches Können, sondern auch politischen Willen und finanzielle Ressourcen erfordert.
Mehr als nur ein Testflug
Chefflugdirektor Jeff Radigan betonte unmissverständlich: Bei Artemis II handelt es sich in erster Linie um einen Testflug. Die Crew wird erstmals das neue Orion-Raumschiff unter realen Bedingungen erproben – ein Gefährt, das in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumagentur entwickelt wurde. Lebenserhaltungssysteme, Strahlungsschutz, Manövrierfähigkeit – all diese kritischen Funktionen müssen ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen.
„Dies ist ein Testflug, und es wird Dinge geben, die unerwartet sind. Wir haben uns so gut wie möglich darauf vorbereitet", erklärte Radigan auf einer Pressekonferenz.
Besonders bemerkenswert: Pilot Victor Glover wird als erster Astronaut das neue Mondfahrzeug manuell steuern und sich damit in die illustre Reihe der Apollo-Piloten einreihen. Bei einem Annäherungsmanöver soll er das Raumschiff bis auf etwa neun Meter an die abgetrennte Oberstufe der Rakete heranführen – eine Übung, die für künftige Andockmanöver mit Mondlandefähren unerlässlich ist.
Wetter, Technik und die Tücken des Zeitplans
Die NASA hat Startfenster für Februar, März und April definiert, wobei die Möglichkeiten durch zahlreiche Faktoren eingeschränkt werden. Die Position von Erde und Mond muss stimmen, das Raumschiff darf nicht länger als 90 Minuten im Schatten verweilen, und die Temperaturen an der Startrampe müssen bestimmte Grenzwerte einhalten. Fällt das Thermometer unter 3 bis 9 Grad Celsius – je nach Wind und Luftfeuchtigkeit – bleibt die Rakete am Boden.
Vor dem Start steht zudem noch eine sogenannte „Wet Dress Rehearsal" an – eine Generalprobe, bei der die Rakete vollständig betankt und alle Startsysteme durchgespielt werden. Bei der Artemis-I-Mission führte genau diese Übung zur Entdeckung eines Treibstofflecks und erheblichen Verzögerungen.
Die Rückkehr zum Mond – und was dahinter steckt
Das Artemis-Programm, benannt nach der griechischen Mondgöttin und Zwillingsschwester Apollos, verfolgt ambitionierte Ziele: Nicht nur sollen Menschen wieder den Mond betreten, sondern bis 2030 eine dauerhafte menschliche Präsenz auf und um den Erdtrabanten etabliert werden. Ein Vorhaben, das angesichts der geopolitischen Spannungen und des technologischen Wettlaufs mit China durchaus auch strategische Bedeutung hat.
Die Crew wird während ihres Vorbeiflugs die erdabgewandte Seite des Mondes beobachten können – jene Hemisphäre, die fälschlicherweise oft als „dunkle Seite" bezeichnet wird, obwohl sie bei dieser Mission voraussichtlich von Sonnenlicht beschienen sein wird. Möglicherweise werden die Astronauten Teile des Mondes erblicken, die noch nie ein menschliches Auge gesehen hat.
Ob die Mission tatsächlich im Februar startet oder sich weitere Verzögerungen ergeben, bleibt abzuwarten. Die Geschichte der Raumfahrt lehrt uns: Zwischen Ankündigung und Realität liegen oft Welten – im wahrsten Sinne des Wortes.

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