
Neue Front am Golf: Wenn saudische Bomben auf Bagdad fallen, zahlt der deutsche Autofahrer die Rechnung
Es beginnt immer weit weg. Ein Luftschlag hier, eine Vergeltung dort, ein paar Zeilen in den Auslandsspalten. Und dann steht der deutsche Familienvater an der Tankstelle und wundert sich, warum die Anzeige plötzlich zwanzig Cent mehr verlangt. Was sich derzeit in Westasien zusammenbraut, ist kein exotischer Nebenkonflikt, sondern eine tickende Rechnung – und sie wird in Euro bezahlt.
Saudi-Arabien bombardiert den Irak – und die Begründung wackelt
Nach Berichten aus der Region hätten saudische Kampfflugzeuge, gemeinsam mit amerikanischer Unterstützung, Ziele im Irak angegriffen. Offiziell hieß es, man habe sich gegen Angriffe auf das Königreich gewehrt. Die Angreifer seien „iranische Proxies“ gewesen – jene bequeme Vokabel, die westliche Redaktionen seit Jahren gebrauchen, wenn sie sich die Mühe der Differenzierung sparen wollen.
Tatsächlich handele es sich, so Analysen aus der Region und dem Globalen Süden, überwiegend um irakische Milizen und Nationalisten. Religiös und historisch mit Teheran verbunden, ja. Aber mit eigener Agenda, eigenen Interessen und einer Feindschaft, die sich vor allem gegen die amerikanische Präsenz im eigenen Land richte. Wer Bagdad grundsätzlich als Fernsteuerungsobjekt Teherans beschreibt, macht es sich einfach – und liegt vermutlich falsch.
Bemerkenswert: Ähnliche Angriffe auf saudisches Territorium seien zuvor von jemenitischen Kräften aus Sanaa für sich beansprucht worden. Wer also hat wen beschossen? Und wer bombardiert wen als Antwort darauf? Es ist die klassische Gemengelage, in der Wahrheit zum Kollateralschaden wird.
Der Jemen: ein Waffenstillstand, den China vermittelte
Man erinnere sich: Jahrelang tobte ein Bombenkrieg gegen das ärmste Land der Region. Hunderttausende starben – durch Bomben, durch Blockade, durch Hunger und Seuchen. Westliche Staaten lieferten Waffen und Ersatzteile, während deutsche Politiker in Talkshows über Menschenrechte philosophierten. Ein Widerspruch, der in Berlin nie ernsthaft aufgearbeitet wurde.
Und wer vermittelte am Ende einen Waffenstillstand? Nicht Brüssel, nicht Berlin, nicht Washington. China. Das allein sollte europäischen Außenpolitikern die Röte ins Gesicht treiben. Doch die Blockade sei nie vollständig aufgehoben worden, und nach Bombardierungen im Umfeld eines iranischen Zivilflugzeugs – an Bord Trauergäste einer Beerdigung – erklärten die jemenitischen Führungen den Waffenstillstand für beendet. Angekündigt sei nun eine Gegenblockade im Roten Meer.
Vergeltung für die Vergeltung für die Vergeltung – so entstehen Kriege, die niemand erklärt und niemand beendet.
Warum das Berlin mehr angeht als Berlin zugibt
Das Rote Meer ist keine Randnotiz, sondern die Lebensader des europäischen Warenverkehrs. Jede Blockade dort bedeutet längere Routen, höhere Frachtraten, verspätete Vorprodukte. Für einen mittelständischen Zulieferer im Schwabenland kann das den Unterschied zwischen Auftragsbuch und Insolvenzantrag bedeuten. Die materiellen Schäden an saudischer Infrastruktur seien beträchtlich; Schätzungen über die Ausfälle in der Ölproduktion schwanken von wenigen Prozent bis zu zweistelligen Einbrüchen über Wochen oder Monate.
Und was macht Deutschland? Es hat sich seiner eigenen Energiebasis entledigt, Kernkraftwerke abgeschaltet, sich in Abhängigkeiten manövriert und verlässt sich nun darauf, dass Tanker unbehelligt durch Krisenmeere fahren. Man muss kein Strategieexperte sein, um zu erkennen, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Ein Land ohne Energiesouveränität ist ein Land ohne Handlungsspielraum – wirtschaftlich, politisch, außenpolitisch.
Wer dreht die Kochplatte hoch?
Die eigentlich interessante Frage lautet nicht, wer geschossen hat, sondern wem dauerhafte Instabilität nützt. Regionale Sicherheitsarchitekturen, Konfliktregelungsmechanismen, gegenseitiger Respekt – auf dem Papier weiß jeder, wie Frieden funktioniert. In der Praxis eröffnet ein Akteur nach dem anderen eine neue Front. Viele Beobachter im Globalen Süden sprechen vom Endspiel eines jahrhundertealten „teile und herrsche“. Eine befriedete, geeinte, prosperierende Region hätte offenbar zu viele Verlierer.
Auch die irakischen Milizen sind kein Naturphänomen. Sie entstanden nach 2003, nachdem die amerikanische Invasion die staatlichen Sicherheitsstrukturen zerschlagen hatte. Ihre Anschläge trieben die USA einst zum vollständigen Abzug; erst das Erstarken von al-Qaida und dem sogenannten Islamischen Staat brachte amerikanische Basen zurück. Kein Wunder, dass die erste Forderung an den neuen Regierungschef in Bagdad deren Auflösung lautete – Kräfte, die sich Washingtons Zugriff entziehen, gelten dort traditionell als Problem.
Vorsicht bei Schuldzuweisungen
Wer sich noch an die irakischen Massenvernichtungswaffen erinnert, an die Brutkastenlüge, an Gaddafis angebliche Söldnertruppen, der sollte bei jeder offiziellen Kriegsbegründung zweimal hinsehen. Der Informationskrieg wird heute professioneller geführt als je zuvor. Und die deutsche Öffentlichkeit, gewöhnt an moralische Fertigurteile aus den öffentlich-rechtlichen Nachrichtenstudios, ist darauf erschreckend schlecht vorbereitet.
Was bleibt, ist eine unbequeme Erkenntnis: Deutschland ist in dieser Weltlage nicht Akteur, sondern Betroffener. Ein Land, das seine Industrie mit Bürokratie und Energiekosten stranguliert, während es sich gleichzeitig 500 Milliarden Euro neue Schulden auf den Rücken der kommenden Generationen lädt, hat gegen externe Preisschocks keine Puffer mehr. Steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise treffen dann ungebremst auf Haushalte, deren Kaufkraft ohnehin seit Jahren erodiert.
Was der Bürger daraus mitnehmen sollte
Krisen dieser Art haben eine Eigenschaft: Sie kündigen sich nicht an, sie eskalieren. Und sie treffen zuerst jene, die ihr Vermögen ausschließlich in Papierwerten und Kontoguthaben halten. Historisch haben physische Edelmetalle – Gold und Silber in der Hand, nicht auf dem Papier – in geopolitischen Verwerfungen ihren Wert bewahrt, während Währungen, Aktienindizes und Anleihen ins Rutschen kamen. Als solide Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bleiben sie das, was sie seit Jahrtausenden sind: Versicherung gegen die Fehler der Regierenden.
Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Er gibt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jede Anlageentscheidung ist eigenverantwortlich zu treffen und erfordert eigene, sorgfältige Recherche sowie gegebenenfalls die Konsultation eines qualifizierten Fachberaters. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.
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