
Obszönes Handyvideo im Bundestag: Klöckner „äußerst irritiert“
Ein Rapper, ein Linken-Abgeordneter und ein Smartphone: Im Berliner Reichstagsgebäude ist ein Video entstanden, das binnen Stunden viral ging – und im Parlament für erheblichen Ärger sorgt. Der Musiker Baran Kok lief am Donnerstag mit dem queerpolitischen Sprecher der Linksfraktion, Maik Brückner, durch Sitzungssäle, Tiefgarage und Flure des Bundestages. Was dabei aufgenommen wurde, dürfte kaum jemand für eine Sternstunde des Parlamentarismus halten.
Vom Fraktionssaal in die Tiefgarage
Nach dem Bericht, der dem Vorgang zugrunde liegt, sprach der Rapper im Fraktionssaal der Linkspartei in ein Mikrofon über sexuelle Praktiken und erklärte dort, er sei schwul. Im Saal des Europaausschusses habe er ein Mikrofon eingeschaltet und hineingestöhnt. In der Tiefgarage folgten Anspielungen auf sexuelle Handlungen zwischen den Betonpfeilern.
Auf einer Dachterrasse imitierten beide, wie Abgeordnete am Schreibtisch tippen – „Mails tippi, tippi, senden, senden!“. Auf Instagram erreichte der Clip Medienberichten zufolge mehr als 100.000 Aufrufe.
Unterstellungen gegen politische Gegner
Politisch brisant ist weniger die Wortwahl als die Stoßrichtung. Brückner erklärte im Video, bei AfD-Politikern, die gegen queere Menschen „hetzen“, denke er sich stets, dass sie selbst queer seien. Der Rapper leitete daraus ab, dass jene, „die am meisten bellen“, am Ende selbst betroffen seien – und richtete anschließend derbe sexuelle Unterstellungen an politische Gegner.
Damit habe der Abgeordnete offenbar auch auf unbewiesene Behauptungen angespielt, die vor wenigen Wochen von einem anderen Rapper über einen früheren Unions-Fraktionschef verbreitet worden seien. Der betroffene Politiker habe daraufhin Anzeige wegen Verleumdung erstattet. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall vor allem eines: Pauschale Verdächtigungen gegen Andersdenkende gelten in bestimmten Milieus offenbar als legitimes politisches Stilmittel.
Bundestagspräsidentin reagiert – Konsequenzen offen
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner kenne das Video und sei „über Inhalt und Sprachgebrauch äußerst irritiert“, heißt es aus ihrem Umfeld. Aufgabe der Abgeordneten sei es, so die Botschaft weiter, das Hohe Haus in Ton, Auftreten und Sprache angemessen zu repräsentieren:
„und nicht, es derart vorzuführen“
Welchem parlamentarischen Anliegen ein solches Video diene, erschließe sich ihr nicht; es werde „der Würde der Institution in keiner Weise gerecht“. Harte Folgen gelten dem Bericht zufolge dennoch als unwahrscheinlich. Bemerkenswert: Der Instagram-Account des Bundestagsvizepräsidenten Bodo Ramelow habe den Beitrag geteilt.
Kein Einzelfall – und das ist das Problem
Im Juli hatte bereits ein transsexueller Influencer mit sexuell anstößigen Aufnahmen aus einem offiziellen Sitzungssaal des Paul-Löbe-Hauses Aufsehen erregt; die Clips kamen laut Berichten auf rund 500.000 Aufrufe. Entstanden seien sie im Umfeld eines Parlamentarischen Regenbogenabends der Grünen-Fraktion. Klöckner bat damals die Bundestagsverwaltung um Aufarbeitung.
Bleibt die Frage, die sich viele Bürger stellen dürften: Während Familien mit Energiepreisen, Steuerlast und einer schwächelnden Wirtschaft kämpfen, dient das Parlamentsgebäude offenbar als Kulisse für Reichweiten-Clips. Für Kritiker ist das ein Symptom dafür, wie weit sich Teile des politischen Betriebs von den Alltagssorgen der Steuerzahler entfernt haben – und wie leichtfertig mit dem Ansehen der wichtigsten demokratischen Institution des Landes umgegangen wird.
Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar. Die Einordnungen entsprechen unserer eigenen Auffassung und den uns vorliegenden Informationen.

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