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Kettner Edelmetalle
17.09.2026
13:44 Uhr

Peking greift ein: Öl rutscht unter 100 Dollar – kippt die Jemen-Krise?

Erstmals seit Tagen atmen die Ölmärkte durch. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Reuters soll China auf Bitten Saudi-Arabiens in Teheran vorstellig geworden sein, um die Huthi-Miliz zu bremsen. Die US-Rohölpreise fielen am Donnerstag zurück unter die Marke von 100 Dollar je Barrel.

Es ist ein bemerkenswerter Vorgang: Riad, jahrzehntelang Washingtons engster Partner am Golf, bittet ausgerechnet Peking um Hilfe. Der Westen schaut zu – China verhandelt.

Warum Saudi-Arabien nach Peking telefonierte

Auslöser war den Berichten zufolge der blitzartige Vormarsch der Huthi entlang der Küste des Roten Meeres in der vergangenen Woche, der die Stellungen der von Saudi-Arabien gestützten jemenitischen Regierung zerrissen habe. Daraufhin habe sich Riad an die chinesische Führung gewandt.

Drei iranische Quellen wird in dem Bericht zitiert, chinesische Vertreter hätten weder offene Drohungen ausgesprochen noch wirtschaftlichen Druck angedeutet. Das chinesische Außenministerium äußerte sich diplomatisch zurückhaltend:

„China wünscht nicht, dass regionale Spannungen weiter auf den Jemen und das Rote Meer übergreifen. Eine Eskalation regionaler Instabilität liegt im Interesse keiner Partei."

Ein hochrangiger westlicher Diplomat in der Region wird mit der Einschätzung zitiert, Peking sei eine der wenigen Hauptstädte, die Iran überhaupt noch zur Zügelung der Huthi bewegen könnten. Eine Bankrotterklärung westlicher Diplomatie – sofern sie zutrifft.

Die Zahlen hinter der Entspannung

Der Preisrutsch hat mehrere Treiber. Bereits am Mittwoch hatten Meldungen über zusätzliche saudische Rohöl-Ladungen über den Oman die Sorgen vor Lieferausfällen gedämpft. Hinzu kam ein geringerer Abbau der US-Rohölbestände als erwartet.

Riad verbreitet zudem Zuversicht: Die Hälfte der Kapazität der strategisch zentralen Ost-West-Pipeline lasse sich binnen weniger Tage wiederherstellen. Die Leitung war nach Drohnenangriffen in den Regionen Riad und Medina vorsorglich abgeschaltet worden – Medienberichten zufolge kletterte der Brent-Preis daraufhin zeitweise über 107 Dollar.

Ob die Erleichterung trägt, entscheidet sich in den kommenden Tagen. Am Boden wird weiter gekämpft: Regierungstruppen versuchen laut Al Jazeera, den Huthi-Vormarsch unter anderem im strategisch wichtigen Kahbub-Gebirge nahe der Meerenge Bab al-Mandeb und bei Taiz zu stoppen, unterstützt von saudischen Luftangriffen.

Trump sieht das Ende nahe – Teheran misstraut

US-Präsident Donald Trump erklärte vor Journalisten, man sei „hoffentlich gegen Ende" des Krieges gegen Iran, und verwies auf direkte Gespräche mit iranischer Seite. In Teheran klingt das anders: Sicherheitschef Mohsen Rezaei verlangte praktische Schritte Washingtons und betonte, man habe null Vertrauen in die USA. UN-Generalsekretär António Guterres mahnte Deeskalation an.

Zusätzliche Brisanz: Eine UN-Untersuchungsmission sieht nach eigenen Angaben „hinreichende Gründe" für die Annahme, die USA steckten hinter zwei Angriffen, darunter dem Schlag gegen eine Schule in Minab im Februar – aus Sicht der Mission Kriegsverbrechen. Washington hat sich dazu in den vorliegenden Berichten nicht geäußert.

Was das für deutsche Verbraucher bedeutet

Für Autofahrer und Heizölkunden hierzulande ist jeder Dollar weniger beim Fass eine Erleichterung – nach Jahren aus Energiepolitik, Steuern und Abgaben gestapelter Zusatzkosten. Doch die Entspannung hängt an der Laune einer Miliz und an Pekings Einfluss in Teheran. Gold notierte zuletzt Medienberichten zufolge oberhalb von 4.300 Dollar je Unze. Dass Anleger in solchen Phasen physische Edelmetalle als Stabilitätsanker im breit gestreuten Vermögen schätzen, ist wenig überraschend.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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