
Peking predigt Frieden – und auf der Bühne fliegen die Fetzen
China hat am Mittwoch in Peking das 13. Beijing Xiangshan Forum eröffnet – und Verteidigungsminister Dong Jun warnte gleich zum Auftakt vor einer Rückkehr von „Militarismus und Geschichtsrevisionismus“. Die Welt befinde sich in einem „fragilen Moment“, sagte er. Doch während Peking Dialog beschwor, lieferten sich Saudi-Arabien und Iran vor den Delegierten einen offenen Schlagabtausch.
Mahnung ohne Adressat – aber jeder wusste, wer gemeint war
Dong nannte kein Land. Reuters zufolge sagte er, man müsse gegenüber allen verborgenen Formen von Hegemonie, Militarismus und Geschichtsrevisionismus wachsam bleiben. Beobachter lasen die Passage als Fingerzeig in Richtung Tokio – und als Warnung im Streit um Taiwan.
Der Hintergrund: Die Beziehungen zwischen Peking und Tokio hatten sich verschlechtert, nachdem Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi eine militärische Reaktion ihres Landes auf einen chinesischen Angriff auf Taiwan ins Spiel gebracht hatte. China betrachtet die demokratisch regierte Insel als eigenes Staatsgebiet, die Regierung in Taipeh weist diesen Anspruch zurück.
Interessant ist, was Dong nicht sagte: Kein Wort direkter Kritik an den USA. Kein Zufall. Sein Auftritt fiel in die Woche vor dem erwarteten Treffen von Staatschef Xi Jinping mit US-Präsident Donald Trump. Medienberichten zufolge hatte Peking zuletzt sogar angedeutet, den Gipfel bei neuen US-Waffenverkäufen an Taiwan platzen zu lassen.
„Partnerschaft statt Bündnisse“ – Chinas Gegenentwurf zum Westen
Stattdessen warb der Minister für eine multipolare Ordnung, getragen von Multilateralismus, gemeinsamer Entwicklung und wechselseitigem Nutzen statt Nullsummendenken. Die chinesische Armee wolle Vertrauen aufbauen und mehr zur Bewältigung neuer Sicherheitsrisiken beitragen.
Wie ernst Peking die Bühne nimmt, zeigt die Gästeliste: Verteidigungsminister und Militärvertreter aus zahlreichen Staaten, dazu laut Reuters ein hochrangiger Pentagon-Vertreter, russische Wissenschaftler – und Vertreter der Taliban. Nach Angaben von Xinhua sind rund 2000 Teilnehmer aus mehr als 100 Ländern und Organisationen angereist, laut Pekinger Stadtregierung über 60 Minister oder ranghohe Militärs.
Hormus als Faustpfand: Der Eklat im Nahost-Panel
Dann platzte die Harmonie. Prinz Turki al-Faisal, früherer saudischer Botschafter in Washington, warf Iran vor, die Souveränität arabischer Staaten nicht zu respektieren – gipfelnd in „aggressiven und rechtswidrigen Angriffen“ auf deren Gebiet und Infrastruktur. Zudem destabilisiere Teheran die Region durch Unterstützung der Huthis und weiterer bewaffneter Gruppen.
Der iranische General Mohammad Taghi Osanlou konterte: Verantwortlich seien die USA und ausländische Einmischung, Washington wolle ein „unipolares hegemoniales System“ bewahren. Iran habe keine arabischen Staaten angegriffen, sondern amerikanische Militärstützpunkte. Eine iranische Verantwortung für die Huthis bestritt er.
Besonders brisant: Nach einem Bericht der Singapurer Zeitung Lianhe Zaobao forderte Osanlou einen US-Abzug aus der Region und erklärte, Iran werde eine Öffnung der Straße von Hormus derzeit nicht zulassen. Durch diese Meerenge fließt ein erheblicher Teil des weltweit verschifften Öls – jede Störung schlägt direkt auf Energiepreise und Inflation durch, auch an deutschen Tankstellen.
Was das für deutsche Sparer bedeutet
Das Forum, 2006 gegründet und oft mit dem Shangri-La Dialogue in Singapur verglichen, tagt unter dem Motto „Konsens über Stabilität schaffen, gemeinsam die Sicherheitsordnung voranbringen“. Vier Plenarsitzungen, acht Fachforen – von Rüstungskontrolle bis Weltraumsicherheit.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt Peking dabei vor allem eines: Die Architektur der Weltordnung wird längst nicht mehr in Brüssel oder Berlin verhandelt. Europa ringt um Relevanz, während Washington und Peking die Regeln setzen. Für Anleger heißt das: Geopolitische Risiken sind keine Randnotiz mehr, sondern Dauerzustand. Physisches Gold und Silber haben in solchen Phasen historisch ihre Rolle als krisenfester Vermögensanker bewiesen – als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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