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Kettner Edelmetalle
23.07.2026
06:06 Uhr

Porsche im Widerspruch: 6000 Jobs vor dem Aus – doch der Luxus-Bolide rollt trotzdem

Es ist ein Lehrstück über die Schizophrenie der deutschen Automobilindustrie. Während in Zuffenhausen bis zu 6000 Beschäftigte um ihre Existenz bangen müssen, feilt Porsche-Chef Michael Leiters gleichzeitig am nächsten Prestige-Objekt für die zahlungskräftige Elite. Sparen bei den Arbeitern, protzen bei den Reichen – so lässt sich die neue Strategie des Stuttgarter Sportwagenbauers auf einen bitteren Nenner bringen.

Der große Kahlschlag – und niemand redet Klartext

Laut Medienberichten sollen bis zum Jahr 2035 zwischen 5000 und 6000 Arbeitsplätze verschwinden. Damit verdoppelt Porsche sein bisheriges Abbauprogramm. Man erinnere sich: Erst vor rund eineinhalb Jahren hatte der Konzern angekündigt, in der Region Stuttgart bis 2029 etwa 1900 Stellen "sozialverträglich" zu streichen. Rund 2000 befristete Verträge liefen ohnehin aus. Nun folgt die nächste Welle – und sie trifft eine Belegschaft, die einst als Vorzeigebeispiel deutscher Ingenieurskunst galt.

Doch damit nicht genug. Die jährlichen Sonderzahlungen, die in guten Zeiten hoch vierstellig ausgefallen seien, sollen künftig bei mageren 1500 Euro gedeckelt werden. Auch am Weihnachtsgeld will man den Rotstift ansetzen. Der Aufsichtsrat, so heißt es, stehe hinter dem sogenannten "Zukunftspaket". Eine Einigung mit Betriebsrat und IG Metall stehe allerdings noch aus. Man fragt sich: Zukunft für wen?

Ein Supersportwagen für die oberen Zehntausend

Und während die Arbeiter zittern, plant die Chefetage einen Boliden, der oberhalb des legendären 911 angesiedelt sein soll. Intern trage das Projekt den Namen "S1", verrät der Spiegel. Ein zweitüriger Kraftprotz mit Achtzylinder-Boxermotor, gestaltet vom neuen Designchef Tobias Sühlmann. Preisschild: angeblich rund eine halbe Million Euro. Marktstart: frühestens 2031.

Sparen bei den Mitarbeitenden, Prestige-Projekte für die Oberschicht – treffender lässt sich die Schieflage der deutschen Autoindustrie kaum zusammenfassen.

Das ursprünglich geplante Gemeinschaftsprojekt "X11" mit Lamborghini sei geplatzt. Stattdessen setzt Porsche auf teure Verbrenner-Nostalgie – ausgerechnet in einer Zeit, in der die Politik den Verbrennungsmotor am liebsten per Dekret aus dem Verkehr ziehen würde.

Elektro-Träume auf Eis, Millionen im Sande verlaufen

Bemerkenswert ist, wo Porsche gleichzeitig spart. Der elektrische Panamera? Verschoben in die 2030er-Jahre. Aktive Entwicklungsprojekte mit dem Volkswagen-Rivian-Gemeinschaftsunternehmen? Fehlanzeige. Und dennoch fließen jährlich mindestens 700 Millionen Euro in diese Allianz – für Leistungen, die derzeit offenbar gar nicht abgerufen werden. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Konzern kürzt seinen eigenen Leuten das Weihnachtsgeld, verpulvert aber dreiviertel Milliarde Euro pro Jahr für ein Bündnis ohne greifbaren Nutzen.

Auch die milliardenschweren Wetten auf das Silicon Valley wollen nicht aufgehen. Der Versuch, Anteile am Software-Unternehmen Applied Intuition an einen japanischen Investor zu verkaufen, scheitere bislang am Veto des Firmengründers. Die glänzenden Zukunftsversprechen von einst – sie verpuffen im Nebel der Realität.

Symptom einer kranken Standortpolitik

Was sich in Stuttgart abspielt, ist kein Einzelfall, sondern das Sinnbild einer verfehlten Politik. Jahrelang wurde die deutsche Autoindustrie mit ideologischen Vorgaben, überzogenen CO₂-Auflagen und einem staatlich erzwungenen Umstieg auf die Elektromobilität gegängelt. Explodierende Energiepreise, erdrückende Bürokratie und eine Steuerlast, die ihresgleichen sucht – all das macht den Standort Deutschland zunehmend unattraktiv. Kein Wunder, dass selbst eine Traditionsmarke wie Porsche ins Straucheln gerät.

Für die Beschäftigten bleibt am Ende ein schwacher Trost: Eine verlängerte Beschäftigungssicherung solle betriebsbedingte Kündigungen bis Mitte 2030 ausschließen. Doch was nützt das Versprechen, wenn die Stellen ohnehin über natürliche Fluktuation und auslaufende Verträge verschwinden? Es sind die Arbeitnehmer, die einmal mehr die Zeche zahlen für strategische Fehlentscheidungen und eine wirtschaftsfeindliche Politik in Berlin.

Was bleibt für den Sparer und Anleger?

Die Turbulenzen bei einem der einstigen Aushängeschilder deutscher Wertarbeit sollten jedem Anleger zu denken geben. Wer sein Vermögen ausschließlich auf Aktien einzelner Konzerne oder auf die deutsche Industrie setzt, spürt solche Erschütterungen unmittelbar im Depot. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und schwelender Standortkrisen erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber als bewährter Anker der Stabilität. Sie kennen keine Quartalszahlen, keine gescheiterten Software-Wetten und keine politisch verordneten Fehlinvestitionen – sondern bewahren ihren Wert über Generationen. Als solide Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio bieten sie einen krisenfesten Gegenpol zu einer zunehmend fragilen Industrielandschaft.

Hinweis: Die in diesem Beitrag geäußerten Einschätzungen geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion wieder und stellen keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Ziehen Sie im Zweifel einen unabhängigen Fachberater hinzu.

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