
Porsche kapituliert vor China: Luxusmarke rechnet mit dauerhaftem Absturz
Was sich bereits seit Monaten abzeichnete, ist nun bittere Gewissheit: Der Sportwagenhersteller Porsche gibt den chinesischen Markt faktisch verloren. VW-Konzernchef Oliver Blume verkündete am Dienstagabend in Berlin eine Hiobsbotschaft, die das Ausmaß der deutschen Automobilkrise in erschreckender Deutlichkeit offenbart. Der Premium- und Luxusmarkt in China sei binnen kurzer Zeit um rund 80 Prozent eingebrochen – und eine Erholung erwarte man schlichtweg nicht mehr.
Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. Zu Beginn des Jahrzehnts kratzte Porsche noch an der magischen Schwelle von 100.000 verkauften Fahrzeugen im Reich der Mitte. Im Jahr 2025 waren es gerade noch klägliche 42.000 Einheiten. Das Chinageschäft hat sich damit innerhalb weniger Jahre mehr als halbiert – ein beispielloser Absturz für eine Marke, die einst als Inbegriff westlicher Ingenieurskunst galt.
Doch damit nicht genug: Aus Konzernkreisen sickert durch, dass die Zuffenhausener für das laufende Jahr mit weiter fallenden Auslieferungszahlen rechnen. Von lediglich 30.000 bis 40.000 Einheiten ist die Rede. Porsche selbst wollte diese düsteren Prognosen nicht kommentieren – was Bände spricht.
Chinas Protektionismus trifft deutsche Hersteller mit voller Wucht
Die Gründe für den dramatischen Einbruch sind vielschichtig, doch eines wird immer deutlicher: Die chinesische Regierung hat die Spielregeln fundamental verändert. Seit 2025 gilt eine höhere Luxussteuer, die gezielt westliche Premiumhersteller wie Porsche, Mercedes oder Ferrari trifft. Hinzu kommen neue Vorschriften für den Maximalverbrauch von Elektroautos, die vor allem große und schwere Fahrzeuge benachteiligen – also genau jene Segmente, in denen deutsche Hersteller traditionell ihre Stärken ausspielen.
Gleichzeitig vollzieht sich ein kultureller Wandel, der für die deutsche Automobilindustrie bedrohlicher sein dürfte als jede Regulierung: Chinesische Kunden wenden sich verstärkt heimischen Marken zu. Bei Elektrifizierung und Software haben BYD, Geely und andere längst die Nase vorn. Die einstige Bewunderung für deutsche Wertarbeit weicht einem neuen Nationalstolz – befeuert von einer Regierung, die den technologischen Aufstieg des eigenen Landes mit allen Mitteln fördert.
Porsche reagiert mit Schrumpfkur
Die Reaktion aus Zuffenhausen fällt entsprechend nüchtern aus: Händlernetze werden verkleinert, die Organisation vor Ort verschlankt. Das erklärte Ziel klingt fast schon resigniert – man wolle das Geschäft auf geringem Stückzahlniveau wieder profitabel machen. Von Wachstumsambitionen ist keine Rede mehr.
Blume selbst sieht die Ursachen der Schwäche weniger bei den eigenen Produkten als im Marktumfeld. Neue Modelle wie der Porsche 911 Turbo S und das elektrische Cayenne-SUV würden in ihren Segmenten nach wie vor Maßstäbe setzen, betonte der Konzernchef. Ob diese Selbsteinschätzung der Realität standhält, darf bezweifelt werden.
Digitale Aufholjagd mit ungewissem Ausgang
Immerhin versucht Porsche, bei Software und Infotainment aufzuholen. Neue Modelle erhalten speziell für China entwickelte digitale Lösungen, die inzwischen auch in Verbrennerfahrzeugen zum Einsatz kommen. Ob sich diese Bemühungen in steigenden Stückzahlen niederschlagen werden, bleibt jedoch völlig offen. Die chinesische Konkurrenz schläft nicht – sie ist längst wach und auf der Überholspur.
VW-Konzern insgesamt unter massivem Druck
Für den gesamten Volkswagen-Konzern ist die Entwicklung bei Porsche ein weiterer Belastungstest im wichtigsten Automobilmarkt der Welt. Die Auslieferungen des Konzerns in China rutschten 2025 auf ein 14-Jahres-Tief. Mit weniger als 2,7 Millionen verkauften Fahrzeugen lag der Absatz acht Prozent unter dem Vorjahreswert. Nach jahrelanger Marktführerschaft steht VW chinaweit inzwischen nur noch auf Rang drei – hinter den chinesischen Konzernen BYD und Geely.
Besonders dramatisch ist der Rückstand im Elektrosegment. Die VW-Kernmarke lieferte im vergangenen Jahr lediglich 83.728 batterieelektrische Fahrzeuge in China aus – weniger als Toyota mit 108.713 Einheiten. Volkswagens E-Marktanteil liegt damit im sehr niedrigen einstelligen Bereich. Einzig bei Verbrennern konnte VW seine Stellung ausbauen und kommt auf mehr als 22 Prozent Marktanteil. Dieses Geschäft finanziert den kostspieligen Umbau hin zu Elektro- und Hybridfahrzeugen.
Größte Produktoffensive der Geschichte – mit fraglichem Erfolg
Volkswagen startet in diesem Jahr in China die größte Produktoffensive seiner Geschichte. Bis 2027 sollen rund 30 neue elektrifizierte Modelle auf den Markt kommen, bis 2030 etwa 50. Der erste vollständig in China entwickelte Volkswagen lief kürzlich vom Band. Der Konzern setzt bei seinen neuen Modellen verstärkt auf Partnerschaften, etwa mit dem Elektroautohersteller Xpeng oder VWs Joint-Venture-Partner Saic.
Trotzdem rechnet Volkswagen auch 2026 nicht mit einer spürbaren Erholung. Chinachef Ralf Brandstätter bezeichnete das kommende Jahr als „Übergangsjahr". Die volle Wirksamkeit der ersten Produktwelle erwarte man erst für 2027. Entscheidend sei nicht die Zahl der neuen Modelle, sondern ob Entwicklung, Software, Werke und Handel zugleich lieferten.
Gewinneinbruch bei China-Joint-Ventures
Die finanziellen Auswirkungen sind bereits jetzt spürbar. Für das abgelaufene Geschäftsjahr erwartet Volkswagen weniger als eine Milliarde Euro anteiligen Gewinn aus seinen China-Joint-Ventures. In Spitzenjahren lag dieser Wert bei vier bis fünf Milliarden Euro. Für 2027 peilt der Konzern wieder ein Ergebnis von mehr als zwei Milliarden Euro an – ein Ziel, das angesichts der aktuellen Entwicklung ambitioniert erscheint.
Ein Symptom für größere Probleme
Die Krise der deutschen Automobilindustrie in China ist mehr als nur ein unternehmerisches Problem. Sie offenbart die strukturellen Schwächen einer Wirtschaftspolitik, die jahrelang auf den Export setzte und dabei die Abhängigkeit von einzelnen Märkten sträflich unterschätzte. Während deutsche Hersteller noch über Verbrennerverbote und Klimaziele debattierten, haben chinesische Konkurrenten Fakten geschaffen.
Die Frage, die sich nun stellt, ist nicht mehr, ob die deutsche Automobilindustrie ihren Vorsprung in China halten kann – diese Schlacht ist verloren. Die Frage ist vielmehr, ob es gelingt, wenigstens einen Teil des einst so profitablen Geschäfts zu retten. Die Antwort darauf wird nicht nur über die Zukunft von Porsche und VW entscheiden, sondern über Hunderttausende Arbeitsplätze in Deutschland.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionsentscheidungen in Aktien oder andere Wertpapiere sollten stets auf Basis eigener Recherchen und gegebenenfalls nach Konsultation eines qualifizierten Finanzberaters getroffen werden. Jeder Anleger trägt die volle Verantwortung für seine Anlageentscheidungen.

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