
Sprit-Schock in Syrien: Aufstand gegen den Mann vom roten Teppich
In Syrien brennen wieder Reifen. Seit Sonntag blockieren Demonstranten Fernstraßen in mehreren Provinzen, weil die Übergangsregierung in Damaskus die Treibstoffpreise drastisch angehoben hat. Während in Aleppo, Rakka und Deir ez-Zor protestiert wird, ließ sich Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa in Dubai auf einem Medienkongress feiern.
40 Prozent mehr für Diesel – über Nacht
Die Zahlen erklären die Wut: Laut der Konfliktdatenbank ACLED erhöhte die Regierung am 13. September den Dieselpreis um 40 Prozent von 125 auf 175 syrische Pfund pro Liter, Benzin verteuerte sich um 26 bis 28 Prozent. Es war bereits die zweite Anhebung binnen neun Tagen.
Offiziell begründet Damaskus den Schritt mit gestiegenen Weltmarktkosten für Treibstoffimporte und Wartungsarbeiten an der Raffinerie Banias, deren Kapazität von 80.000 auf 130.000 Barrel pro Tag steigen soll. Die Rechnung des Landes ist brutal: Rund 102.000 Barrel Öl fördert Syrien nach Angaben des Energieministers täglich – gebraucht werden etwa 325.000.
Der Rest muss teuer eingekauft werden. Bezahlen darf es der Bürger an der Zapfsäule.
Aus Preisprotest wird Protest gegen die Macht
ACLED zählte allein am 13. September 36 Demonstrationen gegen die Preiserhöhung – mehr als die Hälfte aller treibstoffbezogenen Proteste im Land seit Anfang 2025. Erstmals erreichten die Kundgebungen auch Idlib und Hama. Der zuständige Analyst spricht von einer Dynamik, bei der wirtschaftlicher Frust in Unmut gegen die Regierung umschlage.
Gefordert wird inzwischen nicht mehr nur die Rücknahme der Preise, sondern auch die Absetzung von Verantwortlichen, darunter der Energieminister. Einzelne Berichte sprechen von Straßenblockaden über Tage, angehaltenen Öltankern und Parolen, die sogar die Rückkehr des im Dezember 2024 gestürzten Baschar al-Assad fordern. Andere Beobachter erheben Vorwürfe über hartes Vorgehen von Sicherheitskräften – unabhängig überprüfbar ist das derzeit kaum.
Der Präsident in Dubai, das Land in Flammen
Und der Staatschef? Al-Scharaa sprach nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SANA beim „Arab Media Summit 2026" in Dubai auf einer Veranstaltung mit dem Titel „Syrien der Zukunft" und traf hochrangige Vertreter des Emirats. Ein Bild, das im eigenen Land wie Hohn wirken dürfte.
Al-Scharaa, früher bekannt unter dem Kampfnamen Abu Mohammed al-Golani, gründete einst die al-Qaida-Filiale Nusra-Front, aus der später die Miliz HTS hervorging. Gewählt wurde er nie. Der Westen und die Golfstaaten haben ihn dennoch umarmt: Der Caesar Act, das Herzstück der US-Sanktionen, wurde am 18. Dezember 2025 aufgehoben, im August 2026 folgten weitere Ausnahmegenehmigungen aus Washington.
Was der Westen daraus lernen könnte
Die Hoffnung vieler Syrer, dass Sanktionslockerungen sich im Portemonnaie bemerkbar machen, hat sich offenbar nicht erfüllt. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall exemplarisch, wie fragil jede Volkswirtschaft wird, die über Jahrzehnte an subventionierten Preisen hing – und wie schnell politische Wunschbilder an der Energierechnung zerschellen.
Wer die Bilder aus Damaskus sieht, versteht: Energiepreise sind kein Nebenschauplatz, sondern politischer Sprengstoff. Wo Währungen schwächeln und staatliche Ordnung wackelt, suchen Menschen seit jeher Zuflucht in Sachwerten. Physisches Gold und Silber haben in solchen Phasen historisch als Anker gedient – als Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen, nicht als Wunderwaffe.
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