
Steuergeschenk verpufft: Essen gehen wird trotzdem nicht billiger
Seit dem 1. Januar 2026 zahlen Gastronomen auf Speisen nur noch sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer. Beim Gast kommt davon so gut wie nichts an: Laut einer Studie im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wurde im Schnitt nur rund ein Prozent der Gerichte günstiger. Untersucht wurden mehr als 180.000 Preise in über 12.000 Restaurants bundesweit.
91 Prozent unverändert – acht Prozent teurer
Die Zahlen, erhoben vom Beratungsunternehmen wmp consult, sind ernüchternd. 91 Prozent der geprüften Gerichte kosten unverändert dasselbe. Bei rund acht Prozent stiegen die Preise sogar – dem Bericht zufolge besonders bei Bowls, Schnitzel- und Steakgerichten.
Berlin-Mitte zeigt, dass es auch anders geht. Wirt Veiko Narten senkte den Preis für sein halbes Grillhähnchen von 8,90 auf 5,90 Euro und bewirbt es seither als "Steuerhähnchen". Die übrigen Preise blieben stabil – mehr sei nicht drin, sagt er: "Wir bekommen eigentlich täglich irgendwelche Erhöhungen von unseren Lieferanten."
Die Rechnung, die niemand aufgemacht hat
Hier liegt der Kern des Problems. Während der Staat mit der einen Hand die Steuer senkte, drehte er mit der anderen an der Kostenschraube: Zum selben Stichtag stieg der gesetzliche Mindestlohn von 12,82 auf 13,90 Euro, 2027 folgt die nächste Stufe auf 14,60 Euro. Dazu kommen Energiepreise, die laut Medienberichten unter dem Eindruck des Iran-Krieges deutlich angezogen haben – im August lag die Inflation bei 2,9 Prozent.
Eine Entlastung, die durch politisch verordnete Zusatzkosten sofort wieder aufgefressen wird, ist keine Entlastung. Sie ist Buchhaltung. Schätzungen zufolge kostet die dauerhafte Steuersenkung den Bundeshaushalt mehr als drei Milliarden Euro jährlich – Geld, das Bund, Länder und Kommunen fehlt.
Gewerkschaft und Verband im Clinch
NGG-Chef Guido Zeitler kritisiert, auch die über zwei Millionen Beschäftigten hätten nichts abbekommen. Jeder Zweite im Gastgewerbe arbeite unterhalb der Niedriglohnschwelle, Lohnsteigerungen gebe es praktisch nur, wenn der Mindestlohn steige. Mit dem "Steuergeschenk" hätte man gegensteuern können, so Zeitler.
In den laufenden Tarifverhandlungen mit dem DEHOGA erlebe die Gewerkschaft nach eigener Darstellung "eine große Blockadehaltung". Eine NGG-Befragung von gut 2.100 Beschäftigten ergab: Fast die Hälfte arbeite bis zu zehn Stunden täglich, ein Fünftel zehn bis vierzehn. 71 Prozent dächten über einen Branchenwechsel nach.
Der DEHOGA widerspricht deutlich. Die Senkung sei "kein staatliches Preissenkungsprogramm" gewesen, sagt Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke. Einer Verbandsumfrage unter 2.000 Betrieben zufolge hätten 73,4 Prozent ihre Preise stabil halten, 72,2 Prozent gestiegene Personalkosten auffangen und 53,1 Prozent Arbeitsplätze sichern können.
Was der leere Tisch nach 22 Uhr verrät
Der ehrlichste Satz des Tages kommt vom Wirt selbst: Dass Gäste nach dem Kino noch essen gehen, falle inzwischen fast völlig weg. Der Grund sei die wirtschaftliche Lage Deutschlands. Wer abends auf das zweite Bier verzichtet, spart nicht aus Lust, sondern aus Notwendigkeit.
Aus Sicht unserer Redaktion ist der Fall lehrreich: Kaufkraft entsteht nicht durch Umbuchungen im Steuerrecht, sondern durch stabile Preise, niedrige Energiekosten und weniger Bürokratie. Solange die Inflation reale Einkommen und Ersparnisse abschmilzt, bleibt ein Teil des Vermögens in physischem Gold und Silber für viele Bürger eine bewährte Ergänzung zur Absicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt weder eine Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung dar. Er spiegelt unsere Einordnung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser muss eigene Entscheidungen treffen und trägt dafür die Verantwortung selbst.
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