
Teslas Batteriepläne für Grünheide: Vom Größenwahn zur ernüchternden Realität
Es war ein klassischer Musk-Moment, als der Tesla-Chef im November 2020 vollmundig die „größte Batteriefabrik der Welt" für Brandenburg versprach. 250 Gigawattstunden Kapazität sollten es werden – genug, um halb Europa mit Elektroauto-Akkus zu versorgen. Fünf Jahre später hat sich der märkische Traum auf ein bescheidenes Maß zusammengeschrumpft. Doch immerhin: Es gibt wieder ein Datum.
Von der Weltfabrik zur Regionalproduktion
Im Dezember 2025 bestätigte das Unternehmen, dass 2027 endlich die ersten kompletten Batteriezellen in Grünheide vom Band laufen sollen. Die angepeilte Kapazität von zunächst 8 Gigawattstunden wirkt im Vergleich zu den ursprünglichen Visionen geradezu kläglich. Rechnerisch reicht dies für etwa 100.000 bis 130.000 Fahrzeuge – bei einer derzeitigen Fabrikkapazität von gut 375.000 Autos bleibt Brandenburg also vorerst Netto-Importeur von Batterien.
Warum ist dieses Hin und Her um eine Fabrikhalle überhaupt von Bedeutung? Die Batterie ist nicht irgendein Bauteil. Sie ist das Herz, der Tank und der teuerste Einzelposten eines Elektroautos. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer betont immer wieder, dass die Batterie über die Kosten und damit über den Preis des Autos entscheide. Wer die Zelle beherrscht, beherrscht den Markt.
Amerikanische Subventionen als Spielverderber
Dass es bisher nicht zur Zellfertigung in Brandenburg kam, hat viel mit Weltpolitik zu tun. Als die USA 2022 den Inflation Reduction Act verabschiedeten, änderten sich die Spielregeln über Nacht. Das Gesetz lockt mit massiven Steuergeschenken: Hersteller erhalten bis zu 45 Dollar pro Kilowattstunde, wenn die Produktion in den USA erfolgt.
Für Tesla veränderte dies die Kalkulation grundlegend. Pläne für Brandenburg wurden pausiert, Produktionsschritte priorisiert in die USA verlagert. Brandenburgs damaliger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach bezeichnete den Vorstoß der Amerikaner als klaren Angriff auf den europäischen Markt. Ein Angriff, dem Deutschland wenig entgegenzusetzen hatte – typisch für eine Wirtschaftspolitik, die lieber Klimaziele im Grundgesetz verankert als die heimische Industrie wettbewerbsfähig zu halten.
Technische Hürden bremsen den Fortschritt
Doch es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Physik. Tesla beißt sich an einer neuen Technologie die Zähne aus: der 4680-Zelle. Diese zylindrischen Batterien sollen dank eines neuen Designs leistungsfähiger und günstiger sein. Der eigentliche Clou liegt jedoch in der Fertigung. Statt die Aktivmaterialien nass aufzutragen und energieintensiv zu trocknen, will Tesla sie trocken auf die Folie walzen.
Das Verfahren braucht keine riesigen Trockenöfen und spart damit Energie und Platz. Das Problem: Es ist extrem schwer zu beherrschen. Berichte über hohe Ausschussraten und technische Hürden begleiten das Projekt seit Jahren. Dass Tesla nun für 2027 in Grünheide plant, deutet darauf hin, dass man die Prozesse langsam in den Griff bekommt.
Aufatmen in Brandenburg – aber die Sorgen bleiben
Für die Region ist die Ankündigung trotz der Verzögerung ein Aufatmen. Wirtschaftsminister Daniel Keller wertete die Entscheidung als gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Brandenburg. Eine dreistellige Millionensumme will Tesla zusätzlich investieren, die Gesamtinvestition in die Zellfertigung nähert sich damit der Milliardenmarke.
Doch die Idylle trügt. Die Stimmung in der Belegschaft ist angespannt. Die IG Metall berichtete Ende 2025 von wachsender Unsicherheit und verwies auf einen Stellenabbau in den vorangegangenen zwölf Monaten. Zudem bleibt das Wasser ein Streitthema. Teile des Fabrikgeländes liegen in einem Trinkwasserschutzgebiet, was bei jedem Ausbauschritt für Konflikte mit Umweltverbänden sorgt.
„Die vertikale Integration – also der Bau eigener Zellen – ist der langfristig entscheidende Vorteil für Tesla gegenüber deutschen Herstellern, die oft noch zukaufen müssen."
Deutschland spielt in der zweiten Liga
Tesla in Grünheide bleibt ein Symbol für die Ambitionen und die Risiken der deutschen Industriepolitik. Die Traumfabrik mit 250 Gigawattstunden ist vom Tisch, aber der Startschuss für 2027 zeigt: Tesla zieht sich nicht zurück. Brandenburg bleibt Teil des Spiels um die Technologie der Zukunft – wenn auch vorerst in der zweiten Liga, während die Champions League in Texas und China spielt.
Es ist bezeichnend für den Standort Deutschland: Während andere Länder mit aggressiven Subventionsprogrammen um Zukunftstechnologien kämpfen, verstrickt sich die Bundesrepublik in bürokratische Genehmigungsverfahren und ideologische Debatten. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar versprochen, die Wirtschaft zu stärken – doch ob das ausreicht, um im globalen Wettbewerb um die Batterietechnologie mitzuhalten, bleibt fraglich.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Aktien oder andere Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Jeder Anleger sollte sich eigenständig informieren und gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch nehmen. Für Anlageentscheidungen und deren Folgen übernimmt unsere Redaktion keine Haftung.

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