
Trump tobt gegen Brüssel: Zoll-Hammer wegen Kanada-Plan?
Ein Satz von Ursula von der Leyen – und Washington kocht. Die EU-Kommissionspräsidentin hat Kanada am Mittwoch in Straßburg die Tür zur ersten "assoziierten Mitgliedschaft" in der Geschichte der Union geöffnet. Wenige Stunden später drohte US-Präsident Donald Trump der EU mit massiven Zöllen oder sogar einem teilweisen Handelsstopp.
"Lächerlich" – Trumps Reaktion nach der Landung
Trump äußerte sich Berichten zufolge vor Journalisten, nachdem er in North Carolina gelandet war. Den Brüsseler Vorstoß nannte er "lächerlich", Kanada sei ein "schrecklicher Handelspartner" gewesen.
"Wenn ich das für einen feindseligen Akt halte, werde ich sehr ernste Zölle verhängen oder den Handel mit Europa in vielen Bereichen stoppen."
Eine Drohung mit Ansage – und eine, die ausgerechnet jene Handelsvereinbarung testen dürfte, die Washington und Brüssel im Vorjahr geschlossen hatten. Sie deckelt die Zölle auf die meisten EU-Exporte in die USA bei 15 Prozent. Für die ohnehin schwächelnde deutsche Exportindustrie steht damit erneut viel auf dem Spiel.
Was hinter dem Kanada-Angebot steckt
Von der Leyen sagte in ihrer Rede zur Lage der Union, man wolle die Beziehung zu Kanada "auf das höchstmögliche Niveau" heben. Premierminister Mark Carney saß im Plenum. Er hatte zuvor betont, Ottawa strebe eine besondere Sicherheits- und Wirtschaftsallianz mit Europa an – aber keine Vollmitgliedschaft.
Auf dem Tisch stehen laut den Berichten gemeinsame Industrieprojekte, die Verzahnung der Rüstungsindustrien, eine Technologie-Allianz sowie Kooperationen bei Energie, künstlicher Intelligenz und in der Arktis. Kanada ist bereits das einzige nichteuropäische Land im EU-Verteidigungsinstrument SAFE und über das Freihandelsabkommen mit der Union verbunden, das rund 99 Prozent der Zölle beseitigt – ratifiziert haben es zehn EU-Staaten allerdings bis heute nicht.
Ein Status, den es gar nicht gibt
Der Haken: Eine "assoziierte Mitgliedschaft" existiert in den EU-Verträgen schlicht nicht. Sie müsste erst geschaffen und von allen Mitgliedstaaten ratifiziert werden. Mehrere Regierungen sollen von der Ankündigung überrascht worden sein; eine offizielle Reaktion auf Trumps Drohung stand zunächst aus.
Pikant ist die Reihenfolge: Als Deutschland im Mai eine assoziierte Mitgliedschaft für die Ukraine ins Spiel brachte, reagierte Brüssel reserviert. Für Kanada geht es nun offenbar schneller. Beobachter sehen darin eine bemerkenswerte Prioritätensetzung – und die Frage, wer in der EU eigentlich außenpolitische Grundsatzentscheidungen trifft, drängt sich auf.
Kanada sucht den Ausweg aus der US-Abhängigkeit
Ottawa hat gute Gründe, sich zu diversifizieren. Trump hat 50 Prozent Zoll auf kanadische Waren verhängt, noch in diesem Monat sollen Einfuhrverbote für Milchprodukte, Alkohol und Automobile folgen. Kanada reagierte mit Gegenmaßnahmen, die bilateralen Gespräche sind kollabiert.
Ein Experte des Council on Foreign Relations sagte, Washington und Ottawa könnten zwar einen Ausweg aus dem Handelskrieg finden – Kanada werde seine Verwundbarkeit gegenüber amerikanischem Wirtschaftsdruck dennoch weiter reduzieren.
Was das für Anleger bedeutet
Handelskriege kennen selten Gewinner, aber verlässlich Verlierer: Verbraucher und Industriebetriebe. Wenn Zolldrohungen zum Standardwerkzeug der Weltpolitik werden, wächst die Unsicherheit an den Märkten. Physisches Gold und Silber haben sich in solchen Phasen historisch als stabilisierende Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bewährt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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