
TV-Duell in MV: Als der NDR plötzlich selbst im Ring stand
Vier Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern trafen am Mittwochabend Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm im TV-Duell des NDR aufeinander. Doch die härtesten Wortgefechte lieferten sich nicht die beiden Kandidaten. Sondern der Herausforderer und der Sender selbst.
Der Vorwurf, der die Moderatoren aus der Reserve lockte
Am Ende der Sendung ging es ums Eingemachte: Die AfD fordert auch in Schwerin, den Rundfunkstaatsvertrag zu kündigen und den Rundfunkbeitrag – im Volksmund weiterhin „GEZ“ – abzuschaffen. Holm bekräftigte laut dem Bericht über die Sendung seine Forderung nach einer Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, weil der NDR aus seiner Sicht „des Öfteren desinformiert“ und nicht ausgewogen berichte.
Die Reaktion des Moderators fiel deutlich aus. Es handele sich um „völlige Falschbehauptungen“, die man so nicht stehen lassen könne. Holm präzisierte daraufhin, er meine Auslassungen, fehlende Perspektiven und die aus seiner Sicht seltenen Talkshow-Einladungen an seine Partei.
Wenn der Beschuldigte zugleich Richter ist
Genau darin liegt die Pikanterie: Ein gebührenfinanzierter Sender diskutiert in eigener Sache – und moderiert die Debatte über seine eigene Zukunft gleich selbst. Beobachter dürften sich fragen, wie ein solcher Aufbau überhaupt neutral gelingen soll.
Auch beim Thema Aufsicht wurde es holprig. Holm kritisierte, dass aktive Politiker, etwa SPD-Landtagsabgeordnete, den Rundfunk beaufsichtigten. Die Moderatorin wies das zurück und erläuterte dem Bericht zufolge die Zusammensetzung eines „Aufsichtsrats“ – ein Gremium, das es beim NDR unter diesem Namen gar nicht gibt. Gemeint war offenbar der Rundfunkrat.
Dazu kamen die Faktenchecker. Mehrfach schaltete die Sendung nach Hamburg, wo Aussagen der Gäste eingeordnet werden sollten. Wer entscheidet eigentlich, welche Aussage einen Faktencheck verdient – und welche nicht?
Schwesig lobt, was sie mitkontrolliert
Die Amtsinhaberin schlug einen anderen Ton an. Sie habe den NDR als „extrem kritisch“ erlebt, sagte Schwesig – und fügte hinzu:
„Ich will, dass die Menschen weiter Nordmagazin schauen können!“
Ein bemerkenswerter Satz, denn über einzelne Programmangebote entscheidet bekanntlich nicht die Landespolitik. Dass die Moderatoren diesen Punkt nicht korrigierten, während sie an anderer Stelle energisch dazwischengingen, dürfte manchem Zuschauer aufgefallen sein.
Inhaltlich griff Schwesig die AfD als „wirtschaftsfeindlich“ an und warf ihr vor, den sozialen Zusammenhalt zu gefährden. Das Wort „rechtsextrem“ nahm sie nicht in den Mund – der Landesverband taucht dem Bericht zufolge auch nicht im Verfassungsschutzbericht auf. Holm wiederum verortet sich selbst im bürgerlich-konservativen Spektrum, vergleichbar mit einer CDU „vor dreißig Jahren“.
Am 20. September zählen nur die Stimmzettel
Der Zeitpunkt ist brisant. Laut einer infratest-dimap-Erhebung für den NDR lag die AfD zuletzt bei rund 38 Prozent, die SPD bei 33 Prozent – die CDU stürzte auf etwa sieben Prozent ab. Gewählt wird am Sonntag, dem 20. September.
Für viele Beitragszahler ist der Streit um die monatlich 18,36 Euro längst mehr als eine Gebührenfrage. Es geht um Vertrauen. Und Vertrauen, das haben Sender wie Parteien gemeinsam, lässt sich nicht per Faktencheck verordnen – es muss verdient werden.
Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.

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