
Zins-Hammer der Fed: Warsh dreht erstmals seit 2023 an der Schraube
Die US-Notenbank hat am Mittwoch die Zinswende nach oben vollzogen. Der Offenmarktausschuss (FOMC) hob den Leitzins um 25 Basispunkte auf ein Zielband von 3,75 bis 4,00 Prozent an – die erste Erhöhung seit Juli 2023. Die Entscheidung fiel einstimmig, mit zwölf zu null Stimmen.
Der Grund: Die Inflation in den USA will einfach nicht weichen. Explodierende Ölpreise, die Folgen des Iran-Krieges und die Nachwirkungen der Zollpolitik treiben die Preise. Fed-Chef Kevin Warsh wurde deutlich.
„Wir müssen überzeugt sein, dass die zugrunde liegende Inflation sich klar und mit ausreichender Geschwindigkeit auf unser Ziel zubewegt. Heute hat das FOMC entschieden, dass dieser Standard nicht erfüllt ist.“
„Zu hoch, zu lange“ – der neue Ton an der Spitze
Die Inflation sei „zu hoch … zu lange“ gewesen, sagte Warsh auf der Pressekonferenz. Arbeitsmarkt und Konjunktur zeigten sich robust, die Spannungen im Nahen Osten hätten zusätzlich in die Entscheidung hineingespielt. Alle drei Faktoren hätten zu einem geschlossenen Votum geführt.
In der Erklärung des Ausschusses heißt es knapp, die Inflation bleibe erhöht – und das Komitee werde Preisstabilität liefern. Ein Satz, der wie eine Kampfansage klingt. Bemerkenswert: Bereits im Juli hatten drei Mitglieder gegen das Stillhalten gestimmt und eine Anhebung gefordert.
Der Dot Plot verrät: Es bleibt nicht bei einem Schritt
Die aktualisierten Projektionen sprechen eine klare Sprache. 16 von 18 Teilnehmern rechnen mit einer weiteren Erhöhung noch in diesem Jahr, vier halten sogar zwei für möglich. Nur zwei wollen nach einem Schritt Schluss machen. Warsh selbst reicht seit Amtsübernahme keinen eigenen Punkt mehr ein.
Für die Folgejahre stehen keine Erhöhungen im Plan – je eine Senkung ist für 2028 und 2029 skizziert. Die Inflationserwartungen wurden nach oben korrigiert: 3,7 Prozent für die Gesamtrate der PCE-Preise, 3,4 Prozent im Kern. Das eigene Zwei-Prozent-Ziel erwartet die Fed erst 2029.
Hypotheken über sieben Prozent – Amerika zahlt die Rechnung
Am Markt hatten Terminkontrakte die Erhöhung mit über 90 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist. Die Renditen zogen schon vorher kräftig an: Die zehnjährige US-Staatsanleihe legte seit Warshs Auftritt in Jackson Hole am 28. August rund einen Viertelpunkt zu, gegenüber dem Februar-Tief etwa einen ganzen Prozentpunkt.
Für Häuslebauer ist das bitter. Der 30-jährige Festzins kletterte laut Mortgage News Daily auf 7,19 Prozent – gut 38 Basispunkte mehr als vor Jackson Hole und über einen Prozentpunkt mehr als vor einem Jahr. Nach dem Beschluss gaben die Renditen nachbörslich leicht nach, der S&P 500 legte zu.
Politischer Druck – und was Anleger daraus lesen
Aus Sicht unserer Redaktion ist das eigentlich Erstaunliche nicht der Zinsschritt, sondern der Mut dazu. Medienberichten zufolge hatte Präsident Trump zuletzt wiederholt niedrigere Zinsen gefordert; Beobachter sprachen von erheblichem politischen Druck auf den neuen Notenbankchef. Ein Vermögensverwalter lobte, das Gremium habe „einen Hauch von Rückgrat“ zurückgewonnen und sich diesmal auf die Seite der Main Street gestellt.
Die eigentliche Lehre bleibt unbequem: Erst wenn die Teuerung sich festgefressen hat, greifen Notenbanken zum Zinshebel – die Bürger tragen die Zeche in Form von Kaufkraftverlust und teuren Krediten. Gold notiert Marktberichten zufolge weiter oberhalb von 4.300 US-Dollar je Unze, gestützt von anhaltenden Zentralbankkäufen. Physische Edelmetalle bleiben für viele Sparer eine sinnvolle Beimischung zur langfristigen Vermögenssicherung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Er spiegelt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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