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Kettner Edelmetalle
18.09.2026
13:26 Uhr

289 Tonnen in drei Monaten: Notenbanken horten Gold wie nie

Die Zentralbanken der Welt haben im zweiten Quartal 2026 netto 288,9 Tonnen Gold gekauft — 62 Prozent mehr als im Vorjahresquartal und laut den Daten des World Gold Council der höchste je gemessene Wert für ein zweites Quartal. Veröffentlicht wurden die Zahlen Ende Juli im Rahmen der Gold Demand Trends. Und der Kaufrausch hält offenbar an.

Fünfmal so viel wie im Vorquartal

Der Sprung ist dramatisch: Im ersten Quartal lag die Nettonachfrage nach revidierten Angaben bei mageren 57 Tonnen. Das Halbjahr summiert sich damit auf 345 Tonnen — der schwächste Jahresauftakt seit 2022.

Doch dieser Wert täuscht. Verantwortlich waren vor allem heftige Verkäufe der Türkei, Russlands und des aserbaidschanischen Staatsfonds zu Jahresbeginn. Im zweiten Quartal versiegte diese Welle: Die türkische Notenbank trennte sich noch von 4 Tonnen, Russland von 22 Tonnen. Mehr war nicht.

Polen prescht vor, China kauft still weiter

Größter Käufer war erneut die polnische Nationalbank mit 51 Tonnen allein im zweiten Quartal. Warschaus Reserven kletterten damit bis Ende Juni auf 632 Tonnen — Kurs auf das erklärte Ziel von 700 Tonnen.

Die People's Bank of China legte 33 Tonnen nach, den stärksten Quartalszuwachs seit Ende 2023, und hält offiziell 2.346 Tonnen. Auch kleinere Adressen griffen zu: Usbekistan (+16 t), Kasachstan (+15 t), Jordanien und Tschechien (je 6 t), dazu Ghana, Singapur, die Emirate und Kirgisistan.

Bemerkenswert: Ein erheblicher Teil der Käufe taucht in keiner offiziellen Meldung auf. Die sogenannte „nicht gemeldete" Nachfrage blieb laut dem Bericht erneut hoch. Wer da genau kauft, weiß niemand.

Und die Bundesbank? Verkauft.

Während Polen aufstockt, meldete die Deutsche Bundesbank einen Rückgang von einer Tonne — routinemäßig, weil aus dem Bestand Sammlermünzen geprägt werden. Ein Detail, das dennoch Bände spricht über unterschiedliche strategische Prioritäten in Europa.

Hinzu kommt: Medienberichten zufolge hat die niederländische Zentralbank Anfang September rund 86 Tonnen aus den USA und Kanada nach London verlagert — mit Verweis auf geopolitische Unsicherheiten. Deutschland lagert weiterhin rund 1.236 Tonnen in New York. Kritiker fordern seit Jahren eine Rückholung. Berlin und Frankfurt bleiben bislang bei ihrer Linie.

89 Prozent erwarten weiteres Wachstum

Die jüngste Umfrage des World Gold Council unter Reservemanagern zeichnet ein eindeutiges Bild: 89 Prozent rechnen mit weiter steigenden globalen Goldreserven, ein Rekordwert von 45 Prozent will die eigenen Bestände in den kommenden zwölf Monaten aufstocken. Als Gründe nennen sie Diversifizierung, Schutz vor geopolitischen Risiken und die Rolle des Metalls als langfristiger Wertspeicher.

Der Trend setzt sich fort. Laut Marktberichten stockte die chinesische Notenbank im August um 650.000 Unzen auf und verlängerte ihre Kaufserie auf 22 Monate — ausgerechnet in einem Monat, in dem der Goldpreis von unter 4.100 auf über 4.600 Dollar sprang. Aktuell notiert die Unze bei rund 4.380 US-Dollar.

Die Botschaft an Privatanleger ist unmissverständlich: Staaten, die über Währungsstabilität wachen, sichern sich physisches Metall — nicht Versprechen auf Papier. Wer sein Vermögen breit aufstellt, kann Gold und Silber als Beimischung zur langfristigen Absicherung prüfen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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