
Gold explodiert um 8 Prozent: Ist das nur der Auftakt?
Der Goldpreis hat binnen einer Woche mehr als 8 Prozent zugelegt und notiert bei rund 4.350 US-Dollar. Auslöser war ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht, der die Zinswetten an den Märkten kippen ließ. Für den Kapitalmarktstrategen André Stagge steckt dahinter jedoch weit mehr als kurzfristige Spekulation.
Wenn der Arbeitsmarkt schwächelt, glänzt das Metall
Noch vor dem Bericht rechnete die Mehrheit der Anleger für September mit einer Zinserhöhung der Fed. Inzwischen wird überwiegend eine Zinspause erwartet. Ein entscheidender Unterschied: Gold zahlt keine Zinsen — sinken die Renditen, verliert dieser vermeintliche Nachteil rapide an Gewicht.
Zugleich gerät der Dollar unter Druck. Für Investoren außerhalb des Dollarraums verbilligt sich Gold damit automatisch. Die Kombination aus schwächerer Währung und nachgebenden Renditen ist historisch betrachtet der klassische Treibsatz für Edelmetalle.
Das Vertrauen in den Dollar erodiert
Stagge, ein früherer Portfoliomanager, verweist laut dem Bericht auf ein tiefer liegendes Problem: Das Vertrauen in den US-Dollar als globale Reservewährung nehme ab. Notenbanken aus Schwellenländern diversifizierten ihre Reserven und bauten Goldbestände auf — China ebenso wie zuletzt wieder die Türkei.
Diese Käufer sind keine Zocker. Notenbanken halten ihre Positionen strategisch über Jahre, oft über Jahrzehnte. Wer so kauft, verkauft nicht bei der nächsten Korrektur — und entzieht dem Markt physisches Material dauerhaft.
Dazu kommt das Dilemma der Fed: Schwache Konjunkturdaten sprechen gegen höhere Zinsen, eine zähe Inflation eigentlich dafür. Gleichzeitig klettern die Staatsschulden weltweit — und damit die Finanzierungskosten. Kein Wunder, dass der Wunsch nach Vermögenswerten außerhalb des Fiat-Geldsystems wächst.
Ein Fingerhut Kapital — und der Goldmarkt kocht über
Besonders brisant ist die Größenrelation, die Stagge vorrechnet:
- Globaler Anleihemarkt: rund 135 bis 140 Billionen US-Dollar
- Globaler Aktienmarkt: etwa 115 bis 120 Billionen US-Dollar
- Sämtliches jemals gefördertes Gold: lediglich circa 32 Billionen US-Dollar
Schon eine geringe Umschichtung aus den Riesenmärkten könnte demnach enormen Kaufdruck erzeugen. Verstärkend wirken ETF-Zuflüsse und die Nachfrage der Zentralbanken.
Entscheidend bleibt die Angebotsseite. Aktien lassen sich per Kapitalerhöhung schaffen, Anleihen per Knopfdruck emittieren — Gold nicht. Neue Minen brauchen Jahre. Höhere Energie-, Finanzierungs- und Umweltkosten verteuern die Förderung zusätzlich. Steigende Nachfrage trifft auf ein kurzfristig starres Angebot.
Die Marke, auf die jetzt alle starren
Auch charttechnisch sieht Stagge neue Stärke. Nach dem Ausbruch aus einer zweimonatigen Seitwärtsphase habe Gold wichtige Hürden überwunden und zeige sich derzeit robuster als Silber. Die Year-to-Date-Marke bei etwa 4.312 Dollar wertet er als klares Kaufsignal.
Die Zone zwischen 4.300 und 4.316 Dollar gilt ihm als Make-or-Break-Bereich. Solange der Kurs darüber bleibe, sei das technische Bild positiv. Nächstes Ziel: die 200-Tage-Linie bei 4.482 Dollar.
Drei Kräfte bleiben bestehen — wachsende Staatsschulden, diversifizierende Notenbanken, ein nicht beliebig vermehrbares Angebot. Solange das so ist, dürfte laut dem Bericht jeder größere Rücksetzer neue Langfristkäufer anlocken. Für viele Sparer, die die Kaufkraft ihres Ersparten seit Jahren schrumpfen sehen, ist physisches Gold längst kein Spekulationsobjekt mehr, sondern ein Fundament der Vermögenssicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Kursentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für künftige Ergebnisse. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen, und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.

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